Projektfilm: "Sie zwangen mich zu töten - Kindersoldaten in Liberia"

Wo Krieg herrscht, sind Kinder besonders betroffen: Hunger, Gewalt und Vertreibung verursachen körperliche und psychische Schäden, an denen Mädchen und Jungen auch nach dem Krieg noch lange leiden. Besonders ausgeprägt sind die Kriegsfolgen bei Kindersoldaten - Kindern und Jugendlichen, die von skrupellosen Kriegsherrn zwangsrekrutiert worden sind und oft jahrelang an vorderster Front gekämpft und getötet haben. MISEREOR-Partnerorganisationen kümmern sich um kriegsgeschädigte Kinder in Liberia und eröffnen ihnen Perspektiven für ein Leben im Frieden.

„Ich war zehn oder elf, als Soldaten unser Dorf überfielen und mich und acht andere Jungen und Mädchen aus unserem Dorf mitnahmen. Mein Vater ist ihnen noch ein Stück hinterhergelaufen und hat sie angefleht, uns doch loszulassen. Da haben sie ihn einfach erschossen. In einem versteckten Lager irgendwo im dichten Wald haben wir dann gelernt, ein Maschinengewehr zu bedienen. Als wir das konnten, sind wir mit den Soldaten nachts in unser Dorf zurück. Mit Schreien und Gewehrsalven haben wir die Leute geweckt, und als sie aus den Hütten kamen, mussten wir auf sie schießen.“
Was Ronny erzählt, ist ein typisches Schicksal von Kindersoldaten. Anführer von Kriegsbanden entführen Kinder und zwingen sie, Nachbarn, nahe Verwandte oder gar ihre eigenen Eltern zu töten. Wer das getan hat, hat keine Heimat mehr und ist fortan auf den „Schutz“ seines „Kriegsherrn“ angewiesen. Allein in Liberia wurden während des langen Bürgerkriegs auf diese Weise über 60.000 Jungen und Mädchen als Kindersoldaten missbraucht.

Acht Jahre hat Ronny in einer der sieben Bürgerkriegsarmeen in Liberia gekämpft. Er hatte unwahrscheinliches Glück, dass er diese Zeit überlebte. „Nur ganz wenige meiner ehemaligen Kameraden sind noch am Leben. Zwei von ihnen sind jetzt auch hier“, erzählt er. „Hier“, das ist das handwerkliche Ausbildungszentrum der Diözese Gbarnga. Etwa 50 Jungen und Mädchen – alle ehemalige Kindersoldaten und Opfer des Bürgerkrieges – werden hier zu Schreinern, Zimmerleuten und Maurern ausgebildet. Ronny hat bereits 2006 seine Lehre als Maurer abgeschlossen und hilft nun als Ausbilder anderen Jugendlichen. „Die jungen Männer und Frauen arbeiten hier nicht nur an ihrer eigenen Zukunft, sondern auch an der Zukunft ihres zerstörten Landes. Denn Liberia benötigt dringend gut ausgebildete Handwerker für den Wiederaufbau“, so Chris Brennan, Leiter des Ausbildungszentrums. Neben Gbarnga unterhält die Diözese in vier weiteren Orten Lehrwerkstätten sowie eine Landwirtschaftsschule mit insgesamt 120 Ausbildungsplätzen für zukünftige Schreiner, Maurer, Schneider, Automechaniker und Kleinbauern.
20 Euro kostet ein Paar Arbeitsschuhe.
Für 36 Euro monatlich kann ein ehemaliger Kindersoldat im Don-Bosco-Trainingscenter untergebracht werden.
1.800 Euro kostet die Ausbildung eines Jugendlichen.
MISEREOR-Zusage: 105.000 Euro
Die Mitarbeiter der Diözese Gbarnga in Liberia haben sich schon während des Krieges konsequent auf die Seite der Opfer gestellt und für die Wiederherstellung des Friedens eingesetzt. Nun geben sie ehemaligen Kindersoldaten eine neue Lebensperspektive.
zum Thema Konfilkte und Krisen
MISEREOR ist wegen Förderung der Entwicklungszusammenarbeit von der Körperschaftssteuer befreit. Bestätigung zur Vorlage beim Finanzamt (pdf)