
Wo Kinder zur Arbeit gezwungen werden, sind die Folgen für sie meist fatal: körperliche, nicht selten auch seelische Schäden, Analphabetismus – und keinerlei Chance, sich selbst aus dieser Situation zu befreien. Trotz des seit 1989 bestehenden Verbots durch die Vereinten Nationen ist Kinderarbeit nach wie vor ein fast weltweites Problem. Nach UNICEF-Angaben müssen heute rund 190 Millionen Mädchen und Jungen zwischen fünf und 14 Jahren arbeiten. MISEREOR unterstützt in vielen Ländern Projektpartner, die den Kinderarbeitern eine Perspektive geben – z.B. in Indien und Ägypten.

„Wir haben gleich Unterricht und dann lerne ich Rechnen. Ich lerne gern!“ Die siebenjährige Mashra strahlt. Voller Vorfreude sitzt sie auf einem Karton in der schummrigen Halle mitten in einem Armenviertel in Kalkutta, direkt neben einer Müllkippe. Mashras Mutter arbeitet Tag für Tag bis zu 14 Stunden auf der Müllhalde. Vormittags hilft ihr auch Mashra dabei. Sie sammeln Abfälle, die noch verwertbar sind. In der Halle werden sie sortiert und anschließend verkauft. Die Halle gehört der „Vereinigung der Müllsammlerinnen und Müllsammler von Tiljala“ (T-SHED). Die Frauen und Kinder haben sie mit Hilfe von MISEREOR-Spenden selbst errichtet. Hier ist die „Zentrale“ ihres kleinen Unternehmens, das Recycling-Material verkauft. Und hier erhalten die Frauen und ihre Kinder endlich auch Wissen und Bildung. „Ich bin so froh, dass meine Tochter hier lernen kann“, sagt Mashras Mutter. „Sie wird es einmal besser haben als ich!“

Am weitesten verbreitet ist Kinderarbeit in Asien und im Pazifikraum: Hier müssen rund 122 Millionen Jungen und Mädchen arbeiten, nicht selten unter menschenunwürdigen Bedingungen. Welche Folgen dies haben kann, weiß Pater Deepak. Er leitet das Übergangszentrum für befreite Kindersklaven der MISEREOR-Partnerorganisation DDWS in der Nähe von Allahabad, im indischen Teppichgürtel. Hier kümmert er sich um Jungen, die u.a. aus Sklavenarbeit in den Teppichknüpfereien befreit wurden. „Oft sind ihre Hände deformiert – das kommt von dem stundenlangen, ermüdenden Knüpfen. Viele leiden durch das ständige Einatmen von Staub an schweren Lungen-, Magen und Darmkrankheiten. Auch das Rückgrat ist häufig geschädigt“, erzählt er.
Mindestens genauso schlimm sind die psychischen Folgen der Sklavenarbeit, die die Kinder schon im Alter von sechs oder sieben Jahren von ihren Familien und ihrer Heimat trennt und in einer Welt ohne Liebe und Geborgenheit aufwachsen lässt.
Im Kampf gegen die Kinderarbeit verfolgt MISEREOR ein ganzheitliches Konzept: Die Kinder werden vom Zwang zur Arbeit und aus den nicht selten an Sklaverei grenzenden Arbeitssituationen befreit und erhalten durch Schule und berufliche Ausbildung die Chance, den Teufelskreis aus Armut, Verschuldung, Kinderarbeit, Analphabetismus und mangelnden Berufsaussichten selber zu durchbrechen.
Dieses Konzept greift auch in Kairo. In der ägyptischen Metropole gibt es viele Kinder, die nicht zur Schule gehen, weil sie durch Arbeit zum Überleben ihrer Familien beitragen müssen. MISEREOR-Partner CCWLC ermöglicht ihnen, in speziellen Abendkursen Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen – Ausgangsbasis für eine spätere Berufsausbildung und einen Weg heraus aus der Armut. Daneben organisiert CCWLC auch Sport- und Musikfeste, betreibt einen Kinder-Club und veranstaltet Ausflüge aufs Land.

0,45 Euro kosten Schiefertafel und Kreide für ein Kind.
Für 7,50 Euro können Schuhe und Handschuhe für ein Müllsammelkind angeschafft werden.
480 Euro beträgt das Jahresgehalt einer Lehrerin.
MISEREOR-Zusage
20.000 Euro für das Projekt in Kalkutta
224.000 Euro für das Projekt im indischen Teppichgürtel
83.000 Euro für das Projekt in Kairo
Tiljala SHED (Tiljala Society for Human & Educational Development) fördert seit 1995 die Armen in den Slums von Kalkutta. Die Organisation unterstützte u.a. die Gründung der „Müllsammlerinnen- und Müllsammler-Vereinigung”, die seit 1999 selbstständig die Sammlung und den Verkauf von Recycling-Material organisiert.
Die „Diocesan Development and Welfare Society“ (DDWS) kämpft im indischen Teppichgürtel gegen Kindersklaverei: Sie identifiziert die Sklavenhalter, bringt ihr Verbrechen zur Anzeige, kümmert sich im Übergangszentrum um die Kinder und verschafft ihnen neue Perspektiven.
In Kairo bietet das „Center for the Child Worker and his Local Community“ (CCWLC) arbeitenden Mädchen und Jungen einen Schutzraum und Bildungschancen.
MISEREOR ist wegen Förderung der Entwicklungszusammenarbeit von der Körperschaftssteuer befreit. Bestätigung zur Vorlage beim Finanzamt (pdf)