Projektfilm: "Leben im Müll, Leben vom Müll"
In vielen Metropolen Afrikas ist die ständig wachsende Armut eine der großen sozialen Herausforderungen – jetzt und in den kommenden Jahren. Beispiel Nairobi: Rund 60 Prozent der Einwohner von Kenias Hauptstadt leben in Elendsvierteln, ohne sanitäre Anlagen, ohne medizinische Versorgung, ohne Bildungseinrichtungen. Müllkippen direkt neben den Siedlungen verpesten die Luft und machen die Einwohner krank. Und als weiteres Problem kommt das hohe Gewaltpotenzial in den Armensiedlungen verschärfend hinzu. MISEREOR unterstützt Projektpartner, die sich dafür einsetzen, dass sich die Lebensbedingungen in Nairobis Slums dauerhaft ändern und die Menschen friedlich zusammenleben.

Wenn Lawrence seine Hütte in Korogocho, einem der größten Slums Nairobis, verlässt, muss er sehr vorsichtig sein. „Da hinten wohnen die Mungiki-Leute“, sagt der 16-Jährige und zeigt auf eine dichte Ansammlung von mehreren hundert Wellblechhütten. „Da gehe ich alleine nicht durch, denn die Mungiki sind uns feindlich gesonnen. Es kam schon zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen ihnen und uns Luos – da nehme ich lieber einen Umweg.“
Die Gewalt von bewaffneten Jugendgangs ist ein großes Problem in Nairobis Slums. Skrupellose Politiker benutzten gewaltbereite Gruppen (wie die gefürchtete Mungiki-Gang mit Jugendlichen der Kikuyu-Volksgruppe), um nach den Präsidentschaftswahlen 2007 Ausschreitungen zwischen Kikuyus, Luos und anderen Gruppen zu provozieren. Regelrechte Gewaltexzesse waren die Folge: „Luos und Kikuyus haben sich gegenseitig umgebracht, Frauen wurden vergewaltigt, Hütten und Läden zerstört. Es war schrecklich, viele sind damals geflohen“, erinnert sich Lawrence.
Seither fürchten die Menschen in Korogocho beständig, dass die Gewalt wiederaufflackern könnte, hegen Angst und Misstrauen gegenüber ihren Nachbarn. „Auf Dauer kann es so nicht weitergehen. Deshalb mache ich mit beim KUTOKA-Netzwerk“, sagt Lawrence. Die von MISEREOR unterstützte Initiative hat sich die Friedensförderung auf die Fahnen geschrieben. „Wir treffen uns regelmäßig, Luos, Kikuyus und andere Gruppen, und reden miteinander über unser Leben und unsere Probleme. Es gibt Sportturniere, in denen wir gegeneinander antreten. Und demnächst wollen wir sogar ein großes Musikfest veranstalten, „Ghettos United““, erzählt Lawrence.
Neben der Friedensarbeit kümmert sich KUTOKA auch um andere Belange der Slumbewohner. So betreibt die Initiative z.B. Lobby-Arbeit bei Ministerien und Verwaltungen, um die allgemeinen Bedingungen in den Slums zu verbessern. Und sie versucht mittels einer Kampagne, die Verlegung der direkt neben Korogocho gelegenen Müllkippe zu erwirken und so die Umweltprobleme im Slum nachhaltig zu reduzieren.
Geschätzte dreieinhalb Millionen Menschen leben in Nairobi, einer Stadt mit zwei Gesichtern. Zum einen ist es eine reiche Weltstadt mit beeindruckender Skyline, modernen Hochhäusern und einer geschäftigen City. Jedoch bleiben dort die wohlhabenden Kenianer und Ausländer unter sich.
10 Euro kosten die Nahrungsmittel für eine Familie pro Monat.
Auf 20 Euro beläuft sich ein Mikrokredit, mit dem eine Familie ihr Haus reparieren kann.
450 Euro kostet die sechsmonatige Ausbildung zur Friseurin.
MISEREOR-Zusage: 290.000 Euro
Das KUTOKA-Network wurde 2002 als Zusammenschluss verschiedener katholischer Pfarreien und Institutionen aus mehreren Slumvierteln Nairobis gegründet. Es nimmt sich der Probleme der Armenviertelbewohner an.
KESHO (Suaheli für „morgen“) widmet sich schwerpunktmäßig der Versöhnung der Konfliktgegner in den Slums von Nairobi.
Die von den Marianisten gegründete Initiative IMANI setzt vor allem auf Ausbildung. Sie ermöglicht den Jugendlichen in den Slums eine Berufsausbildung und den Weg in die Selbstständigkeit.
MISEREOR ist wegen Förderung der Entwicklungszusammenarbeit von der Körperschaftssteuer befreit. Bestätigung zur Vorlage beim Finanzamt (pdf)