Projekt-Nr.: P10003

In 28 Ländern Afrikas, in einigen Ländern des Nahen Ostens und in Teilen Asiens wird der archaische Brauch der Beschneidung und damit Verstümmelung der weiblichen Scheide bis heute praktiziert. Die Betroffenen leiden oft ein Leben lang unter den Folgen des Eingriffs, der meist ohne Betäubung mit primitivsten Werkzeugen und unter unzulänglichen hygienischen Bedingungen vorgenommen wird. Nicht selten sterben sie aber auch während oder nach der Operation durch hohen Blutverlust oder an Infektionen. MISEREOR unterstützt Projektpartner in Tansania, Äthiopien, Mali und Ägypten, die sich gegen diese grausame Tradition stellen und für ein selbstbestimmtes Leben der Frauen eintreten.
„Bis vor Kurzem habe ich in unserem Dorf als Beschneiderin gearbeitet. Ich habe gut verdient und war eine wichtige Frau: Denn die Beschneidungen sind hier ein altes Ritual, und mir haben die Menschen vertraut. Trotzdem bin ich froh, dass hier im Dorf jetzt kein Mädchen und keine Frau mehr beschnitten wird – es ist einfach zu viel passiert“, erzählt Nele, ehemalige Beschneiderin in einem Dorf im nordtansanischen Distrikt Mwanga, die jetzt als Hebamme arbeitet. 15 Jahre lang hat sie die äußerst schmerzhaften Operationen vorgenommen, bei denen der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und meist die inneren Schamlippen entfernt sowie häufig auch die äußeren Schamlippen beschnitten werden. Die Vereinten Nationen und zahlreiche internationale Menschenrechtsorganisationen stufen die Operationen als Verletzung des Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit ein.

Die grausame Praxis fußt auf Traditionen, die sich in patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen gebildet haben und vor allem dazu dienen, die weibliche Sexualität zu kontrollieren: In einigen Kulturen ist die Beschneidung eine Art Initiationsritus, der den Übergang vom Mädchen zur Frau markiert. In anderen Kulturen hingegen werden Mädchen schon in sehr jungem Alter bzw. erst kurz vor oder nach der Eheschließung beschnitten. Teilweise existiert auch die abergläubische Vorstellung, ein Unterlassen der Beschneidung schade der Gesundheit und Fruchtbarkeit der Frau sowie der Gesundheit ihres Geschlechtspartners und der ihrer Kinder.
Die Operationen werden z.B. mit Rasierklingen, Scheren oder Glasscherben durchgeführt. Die Mädchen leiden dabei große Schmerzen: „Wir haben hier keinerlei Narkosemittel. Oft ist es zu starken Blutungen gekommen, die ich dann mit Asche und Kräutern zu stillen versucht habe. Das hat nicht immer funktioniert – einige Frauen sind dabei verblutet“, erinnert sich Nele.

Heute gibt es in ihrem Dorf keine Bescheidungen mehr. Hinter diesem Gesinnungswandel steckt das „Network Against Female Genital Mutilation“ (NAFGEM), das sich in vielen Gebieten Tansanias gegen die gefährlichen Verstümmelungen einsetzt und in direkten Gesprächen mit den Beschneiderinnen, den Dorfältesten und der Bevölkerung über die unkalkulierbaren Risiken der Operationen informiert – früher ein Tabuthema. In bestimmten Gebieten Tansanias ist die Beschneidungsrate durch diese Aufklärungsarbeit um bis zu 95 Prozent zurückgegangen.
Auch in Ägypten, Äthiopien und Mali ist die weibliche Genitalverstümmelung immer noch ein weit verbreitetes Ritual, von dem in manchen Regionen bis zu 90 Prozent der Mädchen und Frauen betroffen sind. Auch hier unterstützt MISEREOR Partnerorganisationen, die sich wie NAFGEM konsequent gegen die Beschneidung einsetzen und die Bevölkerung sowie lokale Entscheidungsträger aufklären.
50 Euro kostet die Umschulung einer ehemaligen Beschneiderin zur Hebamme.
Für 200 Euro kann ein Jugendcamp zur Aufklärung über die Gefahren der Beschneidung durchgeführt werden.
4.000 Euro kostet ein Aufklärungsfilm zum Thema Genitalverstümmelung.
MISEREOR-Zusage: 290.000 Euro
NAFGEM (Network Against Female Genital Mutilation) leistet seit 13 Jahren erfolgreiche Aufklärungsarbeit im Norden von Tansania.
Die „Association Tagnè“ setzt sich in Mali gegen weibliche Beschneidung und für die Rechte der Frauen und Kinder sowie für AIDS-Aufklärung ein.
Die Caritas Alexandria ist von der koptisch-katholischen Kirche Ägyptens mit der Sozial- und Entwicklungsarbeit betraut und setzt sich in diesem Kontext auch gegen die Genitalverstümmelung ein.
In Äthiopien klärt die Diözese Soddo-Hosanna die Bevölkerung seit 2004 über die Risiken und Folgen der Genitalverstümmelung auf.
MISEREOR ist wegen Förderung der Entwicklungszusammenarbeit von der Körperschaftssteuer befreit. Bestätigung zur Vorlage beim Finanzamt (pdf)