
Auf den Philippinen werden etwa 20.000 Kinder und Jugendliche in Gefängnissen und gefängnisartigen Verwahranstalten festgehalten, unter Bedingungen, die man anderswo nicht einmal Schwerverbrechern zumuten würde. Oft unter einem Vorwand verhaftet, werden viele ohne rechtliche Grundlage in engen Zellen weggesperrt und warten Monate, manchmal Jahre auf ihre Freilassung. Viele der Inhaftierten sind Straßenkinder, deren Angehörige oft zu arm sind, um für sie zu sorgen. Die von MISEREOR unterstützte Organisation Preda sorgt dafür, dass sie aus den Gefängnissen freikommen und den Weg zurück in ein normales Leben finden.

„Die Zeit hinter Gittern war der Horror – vier Monate, die mir vorgekommen sind wie vier Jahre“, sagt Caloy und blickt sich mit großen, dunklen Augen unsicher um. Der Vierzehnjährige ist gerade im Jugendzentrum der Hilfsorganisation Preda in Olongapo, vier Autostunden von der philippinischen Hauptstadt Manila entfernt, angekommen. Bis gestern saß er im „Manila Youth Reception Center“, einer Verwahranstalt, in der von der Polizei aufgegriffene Kinder weggesperrt werden. Der Grund für seine Inhaftierung: Er soll als Straßenhändler eine Packung Kaugummi unterschlagen haben.
Einmal weggesperrt, kümmert sich um die Gefängniskinder oft niemand mehr. Häufig sind ihre Eltern bitterarm, haben Angst vor den Behörden und sind mit den zur Freilassung der Kinder notwendigen Formalitäten überfordert. Ohne juristische Hilfe bleiben die Mädchen und Jungen dann auf unbestimmte Zeit eingesperrt. Mit ausdrucksloser Stimme beschreibt Caloy die menschenverachtenden Bedingungen in der Haftanstalt: „Wir mussten uns zu neunt eine Zelle teilen, die gerade mal für zwei ausgereicht hätte. Betten gab es keine, alle mussten wir im Sitzen schlafen. Es war heiß und stickig, an manchen Tagen bekamen wir nichts zu essen, und wenn, dann wurden wir nie satt. Und manchmal haben uns die Wärter verprügelt.“

Zwar verbietet es ein philippinisches Gesetz seit 2006, Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren zu inhaftieren. Doch die Realität sieht nach wie vor anders aus – auch weil kaum ein Kind bzw. kaum ein Jugendlicher seine Rechte überhaupt kennt. Gerade deshalb ist die Arbeit von Preda so wichtig, sind die Preda-Sozialarbeiter für viele Gefängniskinder die letzte Hoffnung, rasch ihre Freiheit wiederzuerlangen.
Regelmäßig klappert das „Preda-Jail-Rescue-Team“ die Polizeistationen Manilas und die staatlichen Verwahranstalten ab und versucht, die notwendigen Papiere für eine Entlassung der inhaftierten Kinder zu erwirken. Doch die Hilfe für die Gefängniskinder endet nicht mit ihrer Befreiung: Im Preda-Rehabilitationszentrum in Olongapo werden die oft traumatisierten Jungen und Mädchen bis zu zwölf Monate betreut. Gleichzeitig hilft Preda den Familien z.B. durch Kleinkredite, sich selbstständig zu machen und ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern – so können sie nach der Befreiung ihrer Kinder aus dem Gefängnis besser für sie sorgen.
Daneben bildet Preda beispielsweise auch Bauern im ökologischen Mango-Anbau aus. Denn der Handel mit den Früchten bietet vielen philippinischen Familien einen nachhaltigen Ausweg aus der Armut: So können sie einen gesicherten Lebensunterhalt erwirtschaften, ihre Kinder zur Schule schicken und ihnen ein sicheres Zuhause geben. Die Gefahr, dass ihre Kinder zu Straßenkindern werden und im Gefängnis landen, verringert sich dadurch deutlich.
Die Theatergruppe AKBAY der MISEREOR-Partnerorganisation PREDA wird im Mai 2012 eine Tournee durch Deutschland machen. Acht philippinische Jugendliche, teils ehemalige Gefängniskinder und Kinderprostituierte, bringen in ihrem selbst verfassten, sehr beeindruck- enden Stück „Once we had a dream“ ihr eigenes Schicksal auf die Bühne. Das Stück wird auf deutsch gespielt.
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Sie sind an einer Aufführung interessiert? Melden Sie sich bei Lorenz Block lorenz.block[at]tatort-verein.org
Auf 50–170 Euro beläuft sich ein Familienkredit.
200 Euro beträgt das Monatsgehalt eines Mitarbeiters des Preda-Jail-Rescue-Teams.
MISEREOR-Zusage: 45.000 €
Die katholische Organisation „People`s Recovery, Empowerment and Development Assistance“ (PREDA) wurde 1974 von dem irischen Priester Shay Cullen und zwei philippinischen Bürgerrechtlern gegründet. Sie beschäftigt 74 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich in diversen Projekten in den Bereichen Kinderrechte, Frauenrechte, Rechte der indigenen Bevölkerung und Armutsbekämpfung engagieren.
zum Thema Menschenrechte
MISEREOR ist wegen Förderung der Entwicklungszusammenarbeit von der Körperschaftssteuer befreit. Bestätigung zur Vorlage beim Finanzamt (pdf)