
Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Entwurzelung und katastrophale Wohnverhältnisse: Ihr Leben in Guayaquil in Ecuador hatten sich die mehr als zwei Millionen Slum-Bewohner anders vorgestellt. Die meisten von ihnen flohen vor der extremen Armut im Andenhochland in die Wirtschaftsmetropole am Pazifik. Nun hausen sie in den Elendsvierteln der Stadt. Ihre Unterschlüpfe haben sie sich aus Abfallmaterial zusammengezimmert. „Hogar de Cristo“ verhilft diesen Menschen mit Kleinkrediten bzw. - bei extremer Armut - mit Zuschüssen zu besseren Wohn- und Lebensverhältnissen.

„Ich schickte meine Tochter zum Betteln, weil ich nicht mehr weiter wusste. Wir wohnten in einer Hütte im Schlamm. Es regnete herein, wir waren krank“, erinnert sich Rosalia. Jetzt haben sie und ihre Kinder ein sicheres Dach über dem Kopf. Mit Hilfe ihrer Nachbarn hat sie ein einfaches Haus aufgebaut. Hierfür stellte ihr die von Jesuiten gegründete Organisation „Hogar de Cristo“ 350 Euro als Kleinkredit zur Verfügung. „Die Leute dort haben mir vertraut und verstanden, dass ich als Alleinverdienerin knapp bei Kasse bin. Jeden Monat zahle ich fünf Dollar ab. In sieben Jahren habe ich es dann geschafft“, erzählt Rosalia zuversichtlich.
„Hogar de Cristo“ sucht mit den Menschen der Armenviertel Auswege aus prekären Lebensbedingungen. Dies beginnt mit einem menschenwürdigen Obdach. In eigenen Werkstätten werden Holzrahmenkonstruktionen und Wände aus gespaltenem Bambus vorgefertigt, die dann von den Familien in Selbsthilfe zusammengebaut werden können.

Zwei Drittel der Bevölkerung Guayaquils leben in Slums. Und weiterhin zieht die mit etwa drei Millionen Einwohnern größte Stadt Ecuadors viele - meist indianische - Kleinbauern aus dem Andenhochland an: Vor Dürre und Landknappheit fliehen sie in die rasant wachsende Stadt. Dort schlagen sie sich ohne Aussicht auf feste Arbeit mit Gelegenheitsjobs und Müllsammeln durch. Das Leben in den Elendsvierteln ist geprägt von katastrophalen Wohnverhältnissen, mangelnder Hygiene, fehlender Trinkwasserversorgung und Abfallbeseitigung. Es gibt kaum Schulen und eine nur völlig unzureichende Gesundheitsversorgung. Vermeidbare Krankheiten verstärken so das Elend noch.
„Hogar de Cristo“ hat zudem mit Hilfe von MISEREOR einen Kleinkredit-Fonds eingerichtet. Hieraus erhalten Familien 350 Euro für die Produktionskosten des Hauses als Kredit. Aus den zurückfließenden Mitteln werden dann weitere Familien unterstützt. Die Armen werden so nicht als Almosenempfänger, sondern als Partner auf gleicher Augenhöhe behandelt. Eine solche Form der Unterstützung wirkt auf die Menschen motivierend: Sie entwickeln Eigeninitiative und erleben dabei, dass sie ihre Situation gemeinsam verbessern können. „Früher waren wir alle Einzelkämpfer“, erzählt Rosalia. „Heute helfen wir uns nicht nur beim Hausbau: Ich zum Beispiel arbeite jetzt bei einer Frauengruppe an derem Marktstand mit.“
Mit ihrer neuen Arbeit verdient Rosalia mehr als zuvor. Daher kann sie ihre älteste Tochter zur Schule schicken. So war das neue Haus für sie und ihre Kinder nur der erste Schritt hin zu einem besseren Leben. „So gut ging es mir und meinen Kindern noch nie“, sagt sie mit glücklicher Miene.

Mit 350 Euro Darlehen oder (Teil-)Zuschuss kann eine Familie ein Haus bauen
MISEREOR-Zusage: 140.000 Euro
Die Organisation „Hogar de Cristo“ („das Heim Christi“) wurde von Jesuiten gegründet. Sie steht Männern, Frauen und Kindern in den Slums Guayaquils seit über 30 Jahren zur Seite.
MISEREOR ist wegen Förderung der Entwicklungszusammenarbeit von der Körperschaftssteuer befreit. Bestätigung zur Vorlage beim Finanzamt (pdf)