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Bolivien - Stadtentwicklung durch Bürgerbeteiligung

Projekt-Nr.: P23404

Armenviertel in Bolivien
Foto: J. Schaaf | Misereor

Programme der Organisation FOCAPACI zur Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen in den Armenvierteln von El Alto

El Alto, im bolivianischen Hochland oberhalb von La Paz auf 4.000 Meter Höhe gelegen, war ursprünglich ein Slumgebiet von La Paz. Mit rund 850.000 Einwohnern ist es mittlerweile die zweitgrößte Stadt Boliviens – und eine der ärmsten Städte Lateinamerikas. Rund 70 Prozent der Bevölkerung El Altos leben unterhalb der Armutsgrenze, das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen liegt gerade einmal bei 35 Euro pro Monat. Die anhaltende Zuwanderung vom Land – fast 90 Prozent der Bevölkerung bestehen aus Migranten – verschärft die ohnehin schwierigen Lebensbedingungen: Ganze Stadtteile sind ohne Strom, ohne Trinkwasser und Abwassersystem. Viele Menschen leben in baufälligen Häusern und Hütten und haben kaum Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung.

Neue Chancen für die Armen

In den fünf ärmsten Distrikten El Altos arbeitet die 2001 von von der Diözese El Alto gegründete Organisation FOCAPACI daran, die Lebensbedingungen der Armen nachhaltig zu verbessern. Dabei setzt sie vor allem auf Bürgerbeteiligung und eine Stärkung des Selbstbewusstseins der Slumbewohner. Dies ist in Bolivien besonders erfolgversprechend, da es hier seit Mitte der 90er Jahre gesetzlich verankerte Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung gibt, wie sie kaum ein anderes Land in Lateinamerika bietet. Zudem hat Bolivien seit Anfang 2006 mit Evo Morales einen Präsidenten, der als Aymara-Indio selbst aus der Armutsbevölkerung stammt und einer Regierung vorsteht, die wie keine ihrer Vorgängerinnen die Anliegen benachteiligter Bevölkerungsgruppen im Blick hat. Es kommt deshalb darauf an, dass diese ihre neuen Möglichkeiten erkennen und konsequent nutzen. Voraussetzung hierfür sind fundierte Kenntnisse der Bürgerrechte, eine effiziente Organisation und gut geplante Projekte.

MISEREOR-Partner FOCAPACI

Genau hier setzt die FOCAPACI an. Begonnen hat sie mit dem Aufbau von Nachbarschaftsorganisationen und der Ausbildung von Führungskräften. Zum Modell geworden ist der Distrikt 4, in dem die einzelnen Nachbarschaftsorganisationen gemeinsam mit Begleitung von FOCAPACI eine umfassende Analyse ihres Wohnumfeldes und einen daraus resultierenden Entwicklungsplan erstellt haben. Einer der ersten Schritte war die behördliche Legalisierung der Grundstücke und Häuser, da die meist ungeklärten Eigentumsverhältnisse in den Armenvierteln immer wieder zu Konflikten und Vertreibungen führen. Zudem hemmt eine unsichere Bleibe die Motivation der Menschen, sich für die Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse zu engagieren.

Nachhaltige Erfolge

Entstehung einer neuen Siedlung in El Alto
Foto: J. Schaaf | Misereor

Ein besonderer Erfolg gelang den Nachbarschafts-organisationen in El Alto mit der logistischen Unterstützung von FOCAPACI 2005: Mit vielfältigen Protestaktionen konnte der Staat gezwungen werden, die Privatisierung der Wasserversorgung rückgängig zu machen. Der transnationale Konzern „Aguas de Illimani“ war nur am schnellen Gewinn interessiert und nicht bereit, El Alto flächendeckend mit Wasseranschlüssen zu versorgen. Inzwischen ist das Wasserleitungssystem erheblich verbessert worden. Gleichzeitig haben die Nachbarschaftsgruppen im Distrikt 4 große Fortschritte bei der Abwasserentsorgung erzielt, indem sie in Eigenregie offene Kanäle übermauert haben. Neben zahlreichen Aktivitäten in den Bereichen Erwachsenenbildung, Hygiene und Gesundheit sowie Müllbeseitigung haben von FOCAPACI initiierte Kleinprojekte vor allem Frauen zu einem zusätzlichen Einkommen verholfen.

Nach dem Vorbild von Distrikt 4 haben mit Hilfe von FOCAPACI weitere Distrikte in El Alto damit begonnen, ihre Weiterentwicklung selbst in die Hand zu nehmen. Neu im Programm sind dabei u.a. der Bau von kleinen Gewächshäusern zur Verbesserung der Ernährung und eine intensive Zusammenarbeit mit den Schulen zur frühzeitigen Einbindung von Kindern und Jugendlichen in Entwicklungsinitiativen der einzelnen Distrikte.

Kontoinformationen
Konto 10 10 10 MISEREOR
BLZ 370 601 93 PAX-Bank

So hilft Ihre Spende

300,- Euro kostet ein Workshop zur Aufklärung der Slumbewohner in El Alto über ihre Rechte.

MISEREOR-Zusage: 150.000 Euro

MISEREOR-Partner…

  • helfen, dass Slumbewohner über ihre Wohn- und Mietrechte aufgeklärt werden;
  • dass Slums behutsam saniert und erneuert werden, ohne die dort lebenden Familien zu vertreiben;
  • dass in El Alto Workshops stattfinden können, in denen die Armen über ihre sozialen und politischen Rechte aufgeklärt werden, und sie Strategien entwickeln, an Entscheidungen über ihr Lebensumfeld maßgeblich mitzuwirken.

... vor Ort

Die Diözese El Alto, die 2001 die Initiative FOCAPACI gegründet hat. Diese qualifiziert und ermutigt arme Bevölkerungsgruppen, sich zu organisieren und als gleichberechtigte Staatsbürger aktiv für ihre Interessen einzutreten.

Steuer

MISEREOR ist wegen Förderung der Entwicklungszusammenarbeit von der Körperschaftssteuer befreit. Bestätigung zur Vorlage beim Finanzamt (pdf)

Kontakt

Johannes Schaaf
Partnerschaften und Spenderkontakte
Tel.: 0241 442 127