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Entwicklungsorientierter Wiederaufbau

Das Erdbeben in Haiti hat eine gigantische Zerstörung hinterlassen. Vor allem in der Hauptstadt Port-au-Prince scheint „alles wie mit einer riesigen Abrissbirne zusammengeschlagen“, so der erste Eindruck von Marcelo Waschl. Der Architekt und MISEREOR-Experte für erdbebensicheres Bauen war bereits kurz nach dem Beben in Port-au-Prince,um sich ein Bild von den Schäden zu machen.

Waschl bestätigte, dass der Grad der Zerstörung selbst für ein Erdbeben der Stärke 7 außergewöhnlich ist – und nannte als Hauptgrund Pfusch am Bau. "In Haiti gibt es sehr viele Häuser mit Betondecken und -dächern. Die verwandten Stahlarmierungen sind aber für solche Lasten nicht ausgelegt, so dass die Gebäude beim Erdbeben wie Kartenhäuser zusammengefallen sind", so der Fachmann.
Geltende Bauvorschriften wurden kaum beachtet, das Problem der Erdbebengefahr einfach unter den Teppich gekehrt. Erdbebensichere Bauweise hätte tausende Menschenleben retten können.

Traditionelle Bauweise: gut bei Erdbeben

Deshalb ist es so wichtig, den Wiederaufbau so zu gestalten, dass die Gebäude dem nächsten Erdbeben besser standhalten. Das muss nicht teuer sein, so Marcelo Waschl: „Es gibt günstige Lösungen für sichere Häuser in Erdbebenregionen. Auf dem Land, wo die Bebauung nicht so dicht ist wie in der Stadt, können problemlos die traditionellen eingeschossigen Häuser gebaut werden, bei denen sich die Last besser verteilt. Wenn leichte Materialien für die Dächer verwendet werden, besteht eine wesentlich geringere Einsturzgefahr.“

Positive Erfahrungen mit dieser Bauweise hat MISEREOR bereits nach dem Erdbeben 2001 in El Salvador und anderen Entwicklungsländern gemacht. Diese Häuser halten auch einem so starken Beben wie in Haiti ohne größere Schäden stand.

Sicherheit hat Priorität

 „Beim Wiederaufbau in Haiti sollte deshalb die Katastrophenvorsorge, der Schutz der Menschen bei künftigen Erdbeben, Priorität haben“, empfiehlt
Waschl. MISEREOR verbreitet vor diesem Hintergrund zusammen mit seinen haitianischen Partnern das Wissen über erdbebensicheres Bauen
und unterstützt die Haitianerinnen und Haitianer fachlich beim Wiederaufbau ihrer Häuser.

Dabei spielen die Ausbildungseinrichtungen der Salesianer für Kinder und Jugendliche in Port-au-Prince eine wichtige Rolle. Die einzige
Technikerschule des Landes wird mithilfe von MISEREOR wiederaufgebaut und das Ausbildungsangebot auf Maurer, Bauschlosser und Betonbauer erweitert. Bei der Entwicklung der Ausbildungsinhalte erhalten die erdbebensichere
Bauweise und Vermittlung traditioneller Bautechniken einen besonders hohen Stellenwert. Die jungen Handwerker werden beim Wiederaufbau gefragte Fachleute sein und sicherstellen, dass Baufehlerder Vergangenheit nicht wiederholt werden.

Kontoinformationen
Konto 10 10 10 MISEREOR
BLZ 370 601 93 PAX-Bank
Marcelo Waschl, Fachreferent für städtische Entwicklung und Bauen

Marcelo Waschl

... ist Fachmann für erdbebensichere Bauweise. Der Architekt
hat bereits in mehreren Ländern Wiederaufbauprogramme geleitet.

MISEREOR-Agenda für Haiti

Nach der Nothilfe, setzt MISEREOR auf mittel- und langfristige Projektarbeit. Langfristig stellt MISEREOR für den Wiederaufbau bis zu 12 Millionen zur Verfügung. mehr