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Dürre in Westafrika

In sieben westafrikanischen Ländern steht eine schwere Nahrungsmittelkrise bevor: Verzögerte Regenzeiten und ausbleibende Niederschläge - es zeichnet sich ab, dass die Ernte schlecht ausfallen wird und Grundnahrungsmittel knapp werden. Insgesamt sind 15 Millionen Menschen in der Sahel-Region von der Krise betroffen. 1 Million Kinder gelten als schwer mangelernährt. Es gilt, eine Katastrophe wie in Ostafrika zu verhindern.

Die Stauseen in den Sahelländern haben sich in diesem Jahr kaum angefüllt.

Die kommenden Trockenmonate bis zur nächsten Regenzeit werden für die Menschen in den Sahelländern extrem hart werden. Fehlende Nahrung gehört in Westafrika für bis zu 40% der Menschen, die im ländlichen Raum leben, zum Alltag. In den kommenden Monaten droht die Mangelernährung in Hunger umzuschlagen. Besonders Kleinbauern und Nomaden sind betroffen.

Der bewaffnete Konflikt in Mali verschärft die Situation. 240.000 Menschen sind auf der Flucht, viele davon in die Nachbarländer. AKtuell sind bis zu 15 Millionen Menschen von Mangelernährung und Hunger bedroht. 1 Million Kinder sind bereits schwer mangelernährt.

Die dramatischen Berichte der MISEREOR-Partnerorganisationen aus der Region nehmen zu. Insbesondere im Niger, im Tschad, in Burkina Faso und in Mali setzte die Regenzeit in diesem Jahr stark verspätet ein. Örtlich fiel sie komplett aus, was zu enormen Ernteausfällen führte. Davon wurden insbesondere auch die Weidegründe der Nomaden betroffen. Für das Vieh bleibt auf den traditionellen Weiden nicht mehr viel Futter.

Zu einem Zeitpunkt, zu dem normalerweise die Ernte eingefahren wird und die Lager sich füllen, steigen bereits die Nahrungsmittelpreise.

Die Nahrungsmittelpreise steigen

Internationale wie nationale Organisationen und Nichtregierungsorganisationen überwachen die Ernteergebnisse in den Sahelländern. Schon im Oktober ergaben erste Einschätzungen, dass die Ernte defizitär ausfallen würde. Obwohl die Region sich momentan in der Phase kurz nach der Ernte befindet, steigen die Preise für Getreide jetzt schon regional unterschiedlich stark an. Besonders in Niger und Mali. In Burkina Faso sind in einigen Regionen die Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis, Mais und Hirse um 60% gestiegen.

Was bedeutet das für die Menschen?

Die nächste Getreideernte wird erst im September und Oktober 2012 erwartet. Kleinbauern und ihre Familien wären durch steigende Nahrungspreise dazu gezwungen, ihre Reserven aufzubrauchen. Das bedeutet: Sie müssen ihr Vieh verkaufen. Geld für Gesundheit und Bildung bleibt den Familien nicht mehr übrig. Die große Gefahr für die Menschen besteht zunächst nicht im Hunger, sondern darin, dass ihre Verarmung zunimmt.

Burkina Faso: Handeln, bevor es zu spät ist

Ein Feld mit Hirse Mitte Oktober in der Region Bagaré in Burkina Faso: Den Pflanzen fehlen drei bis vier Wochen regelmäßige Regenfälle. Sie sind selbst als Viehfutter nur bedingt brauchbar.

Die MISEREOR-Partnerorganisationen vor Ort sind alarmiert: Der Regen ist in vielen Regionen zu schwach ausgefallen oder ganz ausgeblieben. Die Wasservorräte, die sich in Staubecken angesammelt haben, sind gering. Und auch Schädlinge und Krankheiten haben die Getreidefelder geschädigt. Die Ernte ist gefährdet - und damit die Lebensmittelversorgung der Menschen, aktuell von derzeit 1,7 Millionen Bewohnern des Landes.

Es ist jetzt schon abzusehen, dass es in vielen Regionen bis Ende der Trockenzeit nicht genügend Futter für das Vieh geben wird.

 

Niger: 520.000 Tonnen Getreide fehlen

In Niger hat die Regierung bereits festgestellt, dass es in diesem Jahr ein Defizit geben wird: Es fehlen 14% der Nahrungsmittel, die nötig sind für die Ernährung der über 16 Millionen Nigrer. Derzeit sind laut den Vereinten Nationen 5,4 Millionen Nigrer dirket betroffen. Es wird für die Menschen auch schwierig, ihr Vieh zu füttern: Die Viehalter finden nicht ausreichend Weidegründe für ihre Tiere. So werden sie gezwungen ihre Tiere zu verkaufen – dann meist zu Schleuderpreisen – und verlieren ihre finanziellen Rücklagen.

 

Mali: Der Konflikt verschärft die Krise

Durch den Klimawandel haben insbesondere die Menschen im Norden des Landes mit den Auswirkungen einer starken Dürreperiode zu kämpfen. Dort ist die Ernährungslage derzeit besonders kritisch. Der bewaffnete Konlikt in dieser Region verschärft diese Situation. Es kommt immer wieder zu Gewalt und schweren Übergriffen gegen die Zivilbevölkerung. Immer mehr Menschen entscheiden sich zur Flucht.

Zur aktuellen Situation in Mali (12.04.2012)


Tschad: Die Nahrungsmittelkrise spitzt sich zu

Laut aktueller Einschätzung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen sind derzeit 3,6 Millionen Menschen im Tschad von der Nahrungsmittelknappheit betroffen. Im steppegeprägten Norden, wo die Bewohner mit sehr großer Trockenheit zu kämpfen haben, sind die Auswirkungen der Nahrungsmittelkrise weitaus stärker spürbar als im Süden des Landes. Schon jetzt befindet sich die Region Kanem im einer akuten Nahrungsmittelkrise. Insgesamt ist die Nahrungsmittelproduktion im Tschad in den vergangenen 2 Jahren um 50 Prozent aufgrund des Klimawandels, aber auch fehlender nachhaltiger Landwirtschaftsprogramme zurückgegangen. Zu dem mangelt es an einer organisierten Verteilung des verbleibenden Getreides zu fairen Marktbedingungen.
Neben der Nahrungsmittelkrise ist auch nach wie vor die Flüchtlingsproblematik ein bestimmendes Thema im Tschad, die eng mit der Krise verknüpft ist. Aktuell halten sich ca. 300.000 Menschen aus dem Sudan und der Zentralafrikanischen Republik im Tschad auf und auch innerhalb des Landes befinden sich ca. 125.000 Menschen auf der Flucht.

 

Was ist zu tun?

MISEREOR fordert jetzt präventiv einzugreifen, um gravierende Folgen der Dürre zu verhindern. Dazu müssen die Nahrungsmittelpreise stabil bleiben. Es gilt, Spekulation auf Nahrung zu vermeiden.

In der betroffenen Region ist die Zusammenarbeit zwischen den Sahelstaaten entscheidend, um Getreide aus Nachbarländern oder Regionen mit guten Ernten in solche zu bringen, wo Nahrungsmittel knapp werden.

Auch die Viehmärkte müssen stabilisiert werden. Staatliche Subventionen oder Interventionspreise können – auch mit Unterstützung internationaler Geber – verhindern, dass Kleinbauern ihr Vieh zu niedrigen Schleuderpreisen verkaufen müssen.

Nicht zuletzt die deutsche Regierung als wichtiger Geber muss in die lokalen Produktionssysteme und in Sicherheitsnetze in Westafrika investieren. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat mittlerweile dafür vier Millionen Euro für stabilisierende Maßnahmen zur Ernährungssicherung bereitgestellt.

Kontoinformationen
Konto 10 10 10 MISEREOR
BLZ 370 601 93 PAX-Bank

Wie kann MISEREOR reagieren?

MISEREOR Regionalreferentin Dorothée Zimmermann berichtet von der Lage in Mali und erklärt, was MISEREOR in der aktuellen Situation tun kann.

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MISEREOR-Partner...

  • begleiten und beraten Bauernorganisationen im ländlichen Raum.
  • organisieren Getreidebörsen und einen regelmäßigen Austausch zwischen verschiedenen Gruppen.
  • stellen Marktinformationen bereit, damit Kleinbauern Preise entsprechend festsetzen können.
  • stellen sicher, dass Kleinbauern Zugang zu landwirtschaftlichen Produktionsmitteln und Material zur Pflanzenhygiene haben.
  • beraten insbesondere Frauen zu Produktionstechniken, Management, Vermarktung und Kreditzugang.

... vor Ort

Die lokale Nichtregierungsorganisation "Actions pour la sécurité et la souveraineté alimentaires au Niger - AcSSA Afrique Verte Niger" engagiert sich seit 1990 im Niger. Fokus der Arbeit ist die Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung der ländlichen Haushalte, die im Wesentlichen abhängig sind von ihrer Getreideproduktion. Dazu arbeitet AcSSA Afrique Verte Niger mit 32 Bauernorganisationen mit rund 900 Mitgliedern zusammen.

 

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Barbara Wiegard
Pressesprecherin
Tel.: 030 44 35 19 88