Seit fast einem halben Jahrhundert bekämpfen sich in Kolumbien Paramilitärs, Guerilla und staatliche Sicherheitskräfte. Unter den Kämpfen um Macht und Drogenmilliarden leiden besonders die Armen. Es sind fast immer Kleinbauernfamilien, die meist von Paramilitärs von ihrem Land vertrieben werden.
Seit Ende der 1980er Jahre mussten über vier Millionen Menschen ihre Dörfer verlassen. Allein 2009 wurden 300.000 Kolumbianer vertrieben. Auf vielen brachliegenden Feldern bauen riesige Agrarunternehmen mittlerweile Kaffee, Bananen oder Kartoffeln für den Export an. Die tiefe soziale Ungerechtigkeit ist ein Grund dafür, dass sich der Teufelskreis der Gewalt weiter dreht.

Wer ihn durchbrechen will und sich auf die Seite der Armen stellt, lebt gefährlich. Statistisch gesehen werden jeden vierten Tag Menschenrechtler eingeschüchtert und willkürlich festgenommen. Im schlimmsten Fall werden sie ermordet oder verschwinden spurlos. Der Staat bietet keinen Schutz. Staatliche Sicherheitskräfte diffamieren Bauernführer, Gewerkschaftler und Menschenrechtler als „Kollaborateure der Guerilla“ – und geben sie so zur Verfolgung frei.

Dennoch gibt es mutige Menschen, die nicht aufgeben, für ein gerechteres Kolumbien zu kämpfen. In Medellin und im Magdalenatal, in Nordosten und im Südwesten arbeiten kirchliche Organisationen und Aktivisten zusammen, um den Opfern von Menschenrechtsverletzungen zu helfen und die Grundlagen für sozialen Wandel zu schaffen. Ihre Waffen: Information und Aufklärung.
So informiert CREDHOS durch Broschüren, per Radio und im Lokalfernsehen die Bevölkerung über ihre Rechte, gründet lokale Menschenrechtskomitees und unterstützt Gewerkschaftler, Gemeinderäte, Bauernführer und Frauenrechtlerinnen in ihrer Arbeit. Das „Nichtregierungsprogramm zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen in Kolumbien“ bringt darüber hinaus akut bedrohte Aktivisten in Sicherheit. Wenn es sein muss, auch ins Ausland. Und die Korporation AVRE hilft den Opfern und ihren Familien durch rechtliche und therapeutische Unterstützung, die schweren Traumata zu verarbeiten. Gleichzeitig klären die Mitarbeiter über Ursachen und Auswirkungen der Gewalt auf und versuchen, inmitten der Gewaltspirale eine demokratische Friedenskultur aufzubauen.
MISEREOR ist seit über 20 Jahren an der Seite der kolumbianischen Aktivisten, die dafür kämpfen, dass ihre Heimat friedlicher wird und die Menschen Gerechtigkeit erfahren. Mit insgesamt 19,5 Millionen Euro fördern wir derzeit 150 Projekte.
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Die Korporation AVRE kümmert sich um die Opfer von Menschenrechtsverletzungen und ihre Angehörigen.
CREDHOS (Corporación Regional para la Defensa de los Derechos Humanos) unterstützte z.B. die Ölpalmenarbeitern in der Gemeinde Vicente de Chucuri in ihrem Kampf um gerechtere Arbeitsbedingungen. Die Organisation sorgt dafür, dass Menschenrechtsverletzungen an die Öffentlichkeit gelangen. Das bedeutet einen gewissen Schutz für die Aktivisten.
Das „Nichtregierungsprogramm zum Schutz von Menschenrechtsver-teidigerInnen in Kolumbien“ ist ein Bündnis der Organisationen Benposta, MINGA, CINEP und der Kolumbianischen Juristenkommission (CCJ). Die Mitgliedsorganisationen arbeiten eng mit der Ortskirche zusammen. Die Mitarbeiter versuchen, bedrohte Menschenrechtsanwälte zu schützen, indem sie Ihnen beispielsweise Zufluchtsorte im In- und Ausland anbieten und politisch Einfluss nehmen.

Misereor unterstützt die internationale Kampagne für das Recht, die Menschenrechte zu verteidigen. Mehr zur Kampgagne