(Aachen, 3. Februar 2012) Trotz der Erfahrungen im Umgang mit der sich schon vorher lange abzeichnenden Not in Ostafrika drohen sich nun die gleichen Fehler zu wiederholen. MISEREOR hatte bereits im November 2011 öffentlich vor einer erneuten afrikanischen Dürrekatastrophe, diesmal in Westafrika, gewarnt und seitdem seine Unterstützung für die Menschen in den dortigen betroffenen Gebieten verstärkt.
Auch nach Angaben der Vereinten Nationen spitzt sich die Dürreproblematik in Westafrika deutlich zu. Allein in Niger und Mauretanien sind sechs Millionen Menschen vom Hunger bedroht. Überdies ist die Lage neben Mali auch im Tschad und in Burkina Faso ernst. MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon zeigt sich von der bisherigen Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft enttäuscht. "Wir wissen seit Monaten, dass es in Westafrika nicht zuletzt durch die Folgen des Klimawandels immer wieder zu bedrohlichen Trockenzeiten kommen kann und dass sich in mehreren Ländern die Nahrungsmittelkrise dramatisch zuspitzt. Deshalb ist es vollkommen unverständlich, dass die Völkergemeinschaft erneut so lange Zeit benötigt, um zu helfen, und bisher außerordentlich wenig passiert ist. Jetzt müssen alle gemeinsam handeln. Wir brauchen dringend mehr internationale Aufmerksamkeit und Unterstützung."
"Derzeit kann eine Hungersnot noch verhindert werden. Doch viel Zeit bleibt nicht mehr", warnt MISEREOR-Agrarexperte Wilhelm Thees, der die Krisenregion erst vor wenigen Wochen besucht hat. "Im vergangenen Jahr kam die Regenzeit zu spät und war zu kurz", sagt MISEREOR-Regionalreferentin Dorothee Zimmermann. Entsprechend schlecht fiel die Ernte aus. "Die Bevölkerung, die zum Großteil von der Landwirtschaft abhängig ist, ist existenziell bedroht!"
Die Dürre trifft Familien, die sich auch in Jahren mit normalen Niederschlägen nur unzureichend ernähren können - in der Diözese Mopti in Mali beispielsweise haben 61 Prozent der Haushalte generell nicht genug zu essen. Preissteigerungen von bis zu 80 Prozent für Hirse machen es den Menschen jetzt nahezu unmöglich, ihre Familien zu ernähren. Viele Kleinbauern und Nomadenfamilien haben keinerlei Rücklagen. Die Hirten leiden zusätzlich unter den extrem niedrigen Preisen, die sie aktuell für ihre Tiere erhalten. Die Menschen können sich die überteuerten Nahrungsmittel nicht leisten und hungern. Das trifft vor allem Frauen und Kinder. "Es muss jetzt vor allem ausreichend subventioniertes Getreide auf den Markt kommen", fordert Thees."Damit hätten mehr Menschen in der Region Zugang zu bezahlbaren Lebensmitteln."
Aktuell stellt das katholische Hilfswerk nun für das Programm "Action de Promotion Humaine" (APH) in Mali eine Soforthilfe in Höhe von 100.000 Euro zur Verfügung. Mit den Akteuren des Programms, das auf Initiative der malischen Diözese Mopti entstand, arbeitet MISEREOR seit vielen Jahren eng zusammen.
Zu den Schwerpunkten des APH-Programms gehören die Sicherung der Ernährung, die Bereitstellung von wasserbaulicher Infrastruktur und nachhaltiges Ressourcenmanagement. Durch die verschiedenen Maßnahmen werden die Kleinbauern in der Region dauerhaft in die Lage versetzt, mit den harschen Lebensbedingungen und den Folgen des Klimawandels besser umzugehen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Krise aufgrund der Dürre von 2011 erhalten rund 3.200 Haushalte dringend benötigte Nahrungsmittelhilfe.
MISEREOR engagiert sich seit Jahrzehnten in Westafrika vor allem im Bereich der ländlichen Entwicklung. Partnerorganisationen arbeiten daran, degradierte Landflächen wieder nutzbar zu machen, eine nachhaltige Wassernutzung aufzubauen und Anbaumethoden zu entwickeln, die an die veränderten klimatischen Bedingungen angepasst sind.
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