(Aachen, 28.01.2011) Auch ein halbes Jahr nach dem Beginn der Flutkatastrophe in Pakistan stehen immer noch Teile der seit Ende Juli 2010 überschwemmten Gebiete unter Wasser. In der südlich gelegenen Provinz Sindh gebe es derzeit keine Möglichkeit, das Wasser abfließen zu lassen, berichtete Huub Schrader, Berater des katholischen Hilfswerks MISEREOR in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Die dortige Bevölkerung müsse darauf warten, dass das Wasser verdunstet. Dies könne zwei bis vier Monate dauern. Rund 130.000 Menschen müssten aus diesem Grund im Süden Pakistans weiter in Obdachlosen-Lagern leben, sagte Schrader. Insgesamt sind in Pakistan derzeit rund vier Millionen Menschen auf Notunterkünfte angewiesen.
Zwar sei die Flutkatastrophe, von der bis zu 20 Millionen Menschen betroffen waren, durch ungewöhnlich ergiebigen Regen hervorgerufen worden. Es gebe aber auch eine Reihe von menschengemachten Ursachen, sagte Schrader. So seien zum Beispiel große Waldflächen durch illegales Abholzen zerstört worden. Dadurch sei der dortige Boden in deutlich geringerer Weise als bisher in der Lage, Regenwasser aufzunehmen. Zudem hätten Menschen mutwillig Deiche zerstört, um die Wassermassen vom eigenen Territorium fernzuhalten und in andere Gebiete abzuleiten.
Für viele Bauern sei es ein großes Problem, nach der Flutkatastrophe ihre Felder wieder zu bewirtschaften, berichtete der MISEREOR-Berater. So sei bei örtlichen Händlern Saatgut oft nur zu überhöhten Preisen zu erhalten, während die Ernte niedrigere Erlöse als zuletzt einbringe. Geldverleiher verlangten von notleidenden Menschen mitunter bis zu 100 Prozent Jahreszinsen für einen Kredit. Etliche Kreditnehmer könnten das Geld aber kaum zurückzahlen. Ihnen drohe dadurch lebenslange Verschuldung. Die Korruption im Land mache auch die zugesagte Entschädigung für Flutopfer zu einem Problem. An Chipkarten, mit denen man umgerechnet 170 Euro erhalten kann, komme man oft nicht oder nur durch Zahlung von Bestechungsgeldern.
MISEREOR hat für die Fluthilfe in Pakistan bisher mehr als zwei Millionen Euro eingesetzt. Mit Unterstützung des Aachener Hilfswerks, das in Pakistan mit seiner Partnerorganisation CHIP zusammenarbeitet, konnten bislang 2700 Häuser wieder aufgebaut werden. Dabei finanziert MISEREOR jeweils das Dach eines Gebäudes. Das Hilfswerk bereitet darüber hinaus ein Programm zur Errichtung von erdbebensicheren Häusern im Norden Pakistans vor. MISEREOR hat zahlreiche Bauern auch mit kostenlosem Saatgut versorgt. Künftig sollen Bedürftige das aus lokalen Sorten reproduzierte Saatgut zu deutlich niedrigeren Konditionen erhalten, als dies auf dem freien Markt möglich wäre. "Unsere Hilfe für die Flutopfer konnte sehr schnell und effektiv umgesetzt werden, weil wir im ganzen Land auf bestehende Strukturen zurückgreifen können. Die Zusammenarbeit mit unseren Partnern in Pakistan besteht seit über 50 Jahren", sagte Hermann Rupp, Pakistan-Referent von MISEREOR.