Zu Beginn des 21. Jahrhunderts steht die Landwirtschaft besonderen Herausforderungen gegenüber. Eine zunehmende Weltbevölkerung sowie veränderte Konsummuster in den Schwellenländern erhöhen den globalen Bedarf an Nahrungsmitteln. Gleichzeitig steht die Produktion von Agrartreibstoffen zunehmend in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion und auch die Auswirkungen des Klimawandels werden in der Landwirtschaft vermehrt spürbar. Private Investoren und vor allem Börsenspekulanten haben die Landwirtschaft für sich entdeckt und treiben die Nahrungsmittelpreise in die Höhe.
Diese Entwicklungen haben weitreichende Konsequenzen für die Armen. Schon heute hungern weltweit eine knappe Milliarde Menschen. Institutionen wie Weltbank, IWF und WTO begegnen dieser Entwicklung mit Forderungen nach einer Liberalisierung des Welthandels und sprechen sich für eine wettbewerbsorientierte Agrarwirtschaft aus. Bereits in den letzten 20 Jahren haben zahlreiche Länder infolgedessen ihren Handel mit Nahrungsmitteln liberalisiert, in dem sie Zölle gesenkt und Subventionen abgeschafft haben. Insbesondere das WTO-Agrarabkommen verpflichtet die Mitgliedsstaaten der WTO, alle landwirtschaftlichen Handelshemmnisse schrittweise abzubauen.
Konsequenz dieser Politik ist eine stark auf den Weltmarkt ausgerichtete Agrarwirtschaft, die sich auf die Produktion landwirtschaftlicher Exportgüter konzentriert. Gleichzeitig müssen vermehrt Grundnahrungsmittel importiert werden, um den einheimischen Nahrungsmittelbedarf zu decken. Während in der Vergangenheit vor allem Entwicklungsländer ihre Märkte öffneten und innerstaatliche Subventionen abbauten, wird die Landwirtschaft in Europa und den USA auch heute noch hoch subventioniert. Künstlich verbilligte Nahrungsmittel gelangen so zu Dumpingpreisen auf den Weltmarkt und zerstören in Entwicklungsländern die lokalen Märkte.
Von dieser Entwicklung profitieren vor allem internationale Agrarkonzerne, die unter Einsatz moderner Maschinen, Düngemittel und Pestiziden Agrargüter im großen Maßstab produzieren. Kleinbauern hingegen können dem internationalen Preisduck zumeist nicht standhalten und verlieren ihre Existenzgrundlage. Angesichts der Tatsache, dass Kleinbauern in Entwicklungsländern bis zu 90% des landwirtschaftlichen Ertrags erwirtschaften, führt eine liberalisierte Agrarpolitik nicht nur zu einer verstärkten Abhängigkeit vom Weltmarkt sondern auch zu mehr Hunger und Armut im ländlichen Raum.
Für eine erfolgreiche Hungerbekämpfung ist daher ein grundlegender Wandel der globalen Agrarpolitik notwendig, weg von einer einseitigen Weltmarktorientierung hin zu einer stärkeren Förderung einheimischer, kleinbäuerlicher Nahrungsmittelproduktion. Entwicklungsländern muss das Recht garantiert werden, ihre Märkte durch Einfuhrquoten oder quantitativen Schranken zu schützen, um ihre landwirtschaftliche Produktion zu bewahren und ihre Ernährungssouveränität zu sichern.

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Weitere interessante Links:
Welthandelsorganisation (WTO)
Forum Umwelt und Entwicklung
Germanwatch
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