Armut in Städten

Das Wachstum der Menschheit wird in den nächsten Jahrzehnten fast ausschließlich in den Städten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas stattfinden, und dort überwiegend in den Armenvierteln. Die stark anwachsende Armut in den Städten ist eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre.

"In dem Maße, wie die Urbanisierung in den Entwicklungsländern voranschreitet und sich die Armut in die Städte verlagert, wird der Kampf um die Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele in den Slums der Welt geführt werden müssen."
Kofi Annan 2006 vor der UN-Vollversammlung

Die Hälfte der Menschheit lebt inzwischen in Städten, jeder dritte davon in Armenvierteln. Schon heute sind das etwa 1 Milliarde Menschen. In den nächsten Jahrzehnten könnte sich diese Zahl sogar verdoppeln, wenn die jetzige Tendenz bestehen bleibt. Besonders dynamisch wachsen afrikanische Städte, die schon heute mit der Aufgabe, die städtische Armut zu lindern, restlos überfordert sind. Arme Zuwanderer vom Land spielen dabei eine immer geringere Rolle, denn das Bevölkerungswachstum beruht zunehmend auf den Geburtenüberschüssen in den Städten selbst.

Das Leben in städtischen Armenvierteln ist von ständigem Mangel und großer Unsicherheit bestimmt. Elementare Einrichtungen wie Wasserleitungen, Toiletten oder Schulen fehlen oft und eine ausreichende medizinische Versorgung existiert nur selten. Die Behausungen sind meist in einem prekären Zustand und bieten nur dürftig Schutz vor Hitze, Wind und Regen. Angst vor Gewalt gehört ebenso zum Alltag der Armenviertelbewohner, wie die ständige Furcht, das Dach über dem Kopf zu verlieren. Zwangsumsiedlungen ganzer Viertel und massive Vertreibungen nehmen weltweit zu, weil immer mehr Städte nicht die strukturellen Ursachen der Armut bekämpfen, sondern die Armen selber. Solche Vertreibungen sind eine schwerwiegende Verletzung des Menschenrechts auf Wohnen. Sie zerstören die sozialen Netze der Menschen und den bescheidenen Wohlstand, den sie mühsam errungen haben.

Das Millenniumsziel, die Armut bis 2015 um die Hälfte zu reduzieren, wird man nur erreichen, wenn den Problemen der städtischen Armenviertel viel mehr Beachtung geschenkt wird. MISEREOR engagiert sich daher in Projekten, die dazu beitragen die Lebensbedingungen für die dort lebenden Menschen zu verbessern. Dazu gehören sowohl Wohnbauprojekte, als auch die Unterstützung von Zusammenschlüssen, mit denen die Bewohner/innen der armen Stadtteile ihre Rechte und Interessen vertreten.

©MISEREOR

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