Artikel-Schlagworte: „Projektreise“

17
Apr

Buenos Aires – eine Stadt mit zwei Gesichtern

Von Ralph Allgaier

Buenos Aires, was für eine Stadt: Mit riesigen Straßen, beeindruckenden Kolonialbauten, Restaurants voll begeisterndem Flair und ganz viel Kultur. Selbst feine ältere Damen, die kaum noch gehen können, reihen sich geduldig in die langen Schlangen vor den zahlreichen Theatern ein. Hier möchte man wochenlang Urlaub machen.

Aber die argentinische Hauptstadt hat wahrlich zwei Gesichter: Schon, wenn man die Stadtautobahn am Rande des Zentrums befährt, liegt seitlich eine erschreckend verwahrloste Elendssiedlung, die mehr als nur erahnen lässt, wie viele Leute  trotz des Wirtschaftsaufschwungs im Land hier in bescheidensten, ja prekären Verhältnissen leben müssen. Über 2 Millionen Menschen werden im Großraum von Buenos Aires als in absoluter Armut lebend eingestuft. (weiterlesen…)

16
Aug

“Vorschlag: Wie man den Hunger auf dem Land bekämpfen kann”

Von Daniela Singhal

So lautete gestern die Überschrift eines Kommentars zur Hungerkrise in Ostafrika in der Daily Nation, einer der führenden Tageszeitungen in Kenia.

Der Verfasser fordert die kenianische Regierung dazu auf, für mehr Elementarbildung auch in den abgelegeneren ländlichen Regionen zu sorgen. Für die Kinder der Pastoralisten – nomadische und halbnomadische Viehhalter, die einen Großteil der hungernden Bevölkerung in Kenia ausmachen.  Der Kommentator plädiert für mobile Schulen und mehr Schulen mit Übernachtungsmöglichkeiten, so dass die Kinder auch dann lernen können, wenn die Eltern mit den Viehherden auf der Suche nach Weideplätzen umherziehen. Mehr Bildung sei ein wichtiger Teil der Lösung eines schon seit Generationen bestehenden Problems, notwendig um den Teufelskreis des Hungers zu beenden. Zwar müsse man auch die angepasste Lebensweise der Pastoralisten achten, sie aber aber bezüglich neuer Möglichkeiten beraten. Zum Beispiel beim Verkauf ihrer Tiere. Ansonsten hält sich auch hier in den Medien der Vorwurf, dass die Hungersnot hätte verhindert werden können, wenn die Regierung eher reagiert hätte.

Heute reisen wir nach Marsabit. Eine der trockensten Regionen im Norden des Landes, die stark von der Dürre betroffen ist. MISEREOR unterstützt die dortige Diözese bei der Nothilfe für die betroffenen Menschen, die ihre Existenz größtenteils als Viehhalter sichern.

20
Jul

Tränen lügen nicht!

Von Gast

Acht Tage unterwegs in den Armenvierteln Kolkatas – acht Tage voller Leid und Hoffnung, acht Tage voller Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft:

In der Vorbereitung auf diese Reise habe ich über diese Metropole Indiens viele Fotos gesehen, informative Projektberichte über die erfolgreiche Arbeit der MISEREOR-Partnerorganisation „Tiljala Shed“ studiert, in dem gerade erst erschienenen Buch „people without history – india’s muslim ghettos“ gelesen (sehr empfehlenswert!!!) und dachte, ich hätte mir hieraus ein annähernd realistisches Bild machen können. Weit gefehlt.

Mädchen in den Slums von Topsia“, © Nottebaum/MISEREOR

Mädchen in den Slums von Topsia“, © Nottebaum/MISEREOR

Niemals hätte ich gedacht, dass meine Vorbereitung eben nur eine kleine Ahnung von dem sein konnte, was mich hier erwarten würde:
Gerade auch für die muslimische Minderheit findet hier das ÜberLeben Tag und Nacht auf offener Straße, in 6m² einfachster und ungeschützter Hütte oder aber in gefährlichster Umgebung statt.

Gefährlich heißt dann konkret im Topsia-Viertel, dass ein enormer Drogenkonsum das Leben vieler Väter oder junger Männer betäubt, dass das Gemüse für den Verkauf oder den eigenen Gebrauch an giftigen Gewässern angebaut und geerntet werden muss, dass für die Atemwege gefährlichste Gase die monotone Produktion tausender Sandalen oder Schuhe begleitet. (weiterlesen…)

19
Jul

Das stinkt zum Himmel!

Von Gast

Als wir am frühen Nachmittag die Müllkippe in Howrah erreichen, fällt es mir schwer,  den Schutzraum unseres kleinen Transporters zu verlassen. Schon von weitem hat der schwere, modernde und bissige Gestank das innere des Wagens erreicht und wird mit jeden 100 Metern unerträglicher. Was uns hier begegnet, ist eigentlich nicht in Bildern festzuhalten: auf endlosen Bergen von Müll arbeiten unzählig viele Kinder, um gemeinsam mit ihren Familien überleben zu können. Viele von ihnen barfüßig auf nackten Sohlen, ihre Füße von den vielen Verletzungen gezeichnet, andere tragen Flip-Flops.

Harter Wettbewerb: Müllsammler-Kinder in Kalkutta

Noch bevor der Müll abgeladen ist, springen die Kinder auf den Wagen. 1 kg dünner Plastikfolie können sie später für umgerechnet 10 Cent verkaufen.

Hier in Howrah liegt – neben der größten Müllhalde der Stadt namens Dhapa-Dumping-Ground – der Auswurf der Metropole Kolkata: zerfledderte Plastikplanen, zerrissene Sandalen, sich auflösende Bastkörbe, faulendes Gemüse und von Fliegen bedeckte Fleisch- und Knochenreste. Selbst noch heute, als ich diese Eindrücke des Vortages aufschreibe, strömen mir Restspuren des Gestanks entgegen, die sich in meinem grünen Notizheft festgesetzt haben.

10 Cent für ein Kilo Plastik

Schweine suchen mit den Menschen hier um die Wette, Tier und Mensch leben von dem, was andere weggeworfen haben und nur für den einmaligen Gebrauch produziert worden schien. Ein schwerer Lastkraftwagen mit „frischem“ Müll schleppt sich die provisorischen Wege dieser Halde hoch. (weiterlesen…)

18
Jul

ÜberLeben in Kalkutta

Von Gast

Seit Dienstag bin ich auf Recherchereise für die Fastenaktion 2012 in Indien: mitten in den Slums von Kalkutta (eigentlich: Kolkata). Im Mittelpunkt stehen die Kinder und Jugendlichen des MISEREOR-Projektpartners Tiljala-Shed: Sie sind es, die mein Herz bewegen, die mich zum Lachen und Weinen bringen, die die Zukunft dieser Stadt sind.

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Ihar Tunaskar, lebt gefährlich. Er lebt in einer Hütte, direkt an den Bahngleisen. Unfälle sind hier an der Tagesordnung.

Und doch scheint sich vieles gegen sie verschworen zu haben. Als muslimische Minderheit leben sie am Rand der Gesellschaft, viele von ihnen sind Flüchtlinge, andere leben schon seit Jahrzehnten hier. Ihre Hütten aus Bambus, Plastikplanen und Wellblech stehen an giftigen Flüssen oder an gefährlichen Bahnschienen. Auf 6-9 m² leben sie zu viert, manchmal sogar zu  acht. Da mag es schwer fallen, an den Himmel auf Erden zu glauben.  Sie leben von dem, was sie Tag für Tag durch ihrer Hände Arbeit verdienen. Das ist nicht viel. So arbeiten auch die Kinder mit, um ihren Beitrag für den Familienunterhalt zu leisten. Sie sammeln und sortieren Müll, sie kleben Sandaletten und Schuhe, sie verkaufen Getränke und T-Shirts auf den Bürgersteigen dieser wuseligen Stadt. Tagsüber wird es gefühlte 40 Grad heiß, die extreme Luftfeuchtigkeit lässt es fast noch heißer erscheinen. Die Luft ist erfüllt von einem süßlich-bitteren Geschmack – so wie ich es von obergärigen Biotonnen oder gelben Säcken her kenne.

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21
Jun

Auf der gefährlichsten Straße der Welt

Von Gast

In meiner Tätigkeit als Referentin in der Finanzkontrolle für Bolivien sehe ich auf meinen Dienstreisen viele Büros, denn meine Gespräche kreisen um Buchhaltung, Verfahren der internen Kontrolle, Geldüberweisungen, Abrechnungen, Organigramme und Arbeitsgesetze. Nach Möglichkeit gehört aber auch ein Besuch in der Projektzone dazu, um die Wirklichkeit der Projektrealität kennenzulernen. Deshalb habe ich dieses Mal ein Projekt in Caranavi zur Verbesserung der Landwirtschaft in den Tropen besucht, um die Lebenssituation der Bauern dort kennenzulernen und zu sehen, was das Misereor-Projekt bewirken kann.

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Vom Andenpaß hinunter ins Amazonasbecken

In 5 Stunden über 4000 Höhenmeter

Seit langem wollte ich diesen Projektbesuch machen, aber alle haben mich immer gewarnt: die Straße dahin sei gefährlich, angeblich die gefährlichste Straße der Welt, weil sie einspurig ist und an einem gefährlichen Abgrund entlang führt. Immer wieder kam es auf dieser Strecke zu Unfällen, wenn Pkws, Busse oder Lastwagen zu schnell fuhren, nicht ausweichen konnten und in den Abgrund hinunterstürzten. Meist waren dabei viele Tote zu beklagen. Inzwischen ist die Straße aber auf einem langen Stück asphaltiert, verbreitert und über eine andere Streckenführung ungefährlicher geworden. Von La Paz nach Caranavi sind es 120 km, man braucht dafür 5 Stunden und fährt auf dieser Distanz von 4.650 auf 500 m Höhe, nichts für Leute mit Kreislaufproblemen. (weiterlesen…)

5
Okt

Im Land der Könige

Von Daniela Singhal

Aufeinmal ist die Megastadt Delhi, sind die Commonwealth Games und der Trubel, der sie umgibt, weit weg.  Wir sind im Dschungel. Um uns herum dichte Wälder, volle Felder, Schmetterlingsschwärme, Seen und Wasserbüffel, die sich im Schlamm wälzen. Und wir staunen: Dies soll einmal eine der trockendsten Gegenden Rajasthans gewesen sein? (weiterlesen…)

29
Sep

Sportevent zu Lasten der Armen

Von Daniela Singhal

Die harte Realität hinter den Commonwealth Games: Straßenkinder kämpfen ums Überleben

Nur noch ein paar Tage, dann ist es soweit: Die Commonwealth Games in Neu Delhi werden eröffnet. Es ist das größte Sportereignis, das jemals in der indischen Metropole ausgetragen wurde. Und das umstrittenste. MISEREOR-Partner kritisieren: Leidtragende des pompös angelegten Sportevents sind vor allem die Ärmsten der Armen.

„Eigentlich müssten wir jetzt noch auf die Straße gehen und versuchen die Spiele zu boykottieren“, so Indu Prakash Singh. „Es ist unglaublich, wie viel Geld für die Common Wealth Games ausgegeben wurde. Mit einem Bruchteil des Geldes hätte so viel für die Obdachlosen bewirkt werden können.“ Indu Prakash Singh weiß, wovon er spricht. Er arbeitet für den Misereor-Partner IGSSS. Seit über zehn Jahren setzt er sich für die Armen der Stadt, für die Obdachlosen ein, versucht ihnen einen Stimme zu geben, ihnen zu ihren Rechten zu verhelfen. 150 000 Menschen leben in Delhi auf der Straße. Die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder. „Indien hat die höchste Anzahl an Straßenkindern auf der Welt“, so Prakash Singh. „Aber das kehrt man an offizieller Stelle einfach unter den Tisch.“ (weiterlesen…)

29
Sep

“Ich wünsche mir eine Nacht in der ich nicht verfolgt werde”

Von Daniela Singhal

Straßenbau findet in Delhi oft nachts statt. Während der Rest der Stadt schläft, tragen Arbeiter schwere Kiessäcke auf ihren Köpfen umher, hacken Wege auf, verlegen Straßenrohre mit der Hand. Nun, kurz  vor dem Beginn der Commonwealth Games sieht man noch mehr Arbeiter auf den Straßen. Die Zeit drängt. Nur noch ein paar Tage bis Prinz Charles die Commonwealth Spiele im Jawarhal Nehru Stadium eröffnen wird. Die letzten Verschönerungen werden vorgenommen. Deshalb sitzen hier nachts die Maler am Straßenrand und pinseln die schwarz-weißen Bordsteinkanten an. Über ihnen wehen die bunten Fahnen der Spiele. „Bring the games to India.“ Alles soll frisch und sauber aussehen für die Commonwealth Games. Keine leichte Aufgabe nach den Monsunregenfällen, die in diesem Jahr besonders heftig waren und die Straßen Delhis stark beschädigt haben. Die Schlaglöcher auf den Straßen sind größer denn je. Dabei bemüht sich die Stadt seit Jahren darum gerade diese zu beheben, die Stadt nach außen hin gut funktionieren und schön aussehen zu lassen. „Sie wollen die Armut in der Stadt verstecken und das geschieht auf Kosten der Armen“ so MISEREOR-Partner Prakash Singh. „Im Schatten der Spiele  missachtet unsere Regierung die Menschenrechte.“ Dabei seien die Wünsche der Armen so bescheiden und leicht zu erfüllen. Eine Frau, die zusammen mit ihren zwei Kinder in der Nähe von Delhis bekanntem Connaught place auf dem Gehweg lebt, erzählte dem Sozialarbeiter kürzlich: „Alles, was ich mir wünsche, ist eine Nacht in der ich tief und fest schlafen kann. Eine Nacht, in der ich  nicht von der Polizei verfolgt werde.“

16
Jul

Das heilige Tal ist verseucht

Von Marianne Pötter-J.

Zur Vorbereitung der kommenden Fastenaktion besuchen wir die MISEREOR-Partnerorganisation CIDAP in der peruanischen Hauptstadt Lima. CIDAP setzt sich für ein menschenwürdiges Leben der ärmeren Bevölkerung ein.
Zum Beispiel in Lomas de Carabayllo, am nördlichen Stadtrand der 8-Millionenmetropole: Peru_Lomas_Kinder Hier wohnen 30.000 Menschen zwischen ehemaligen Müllhalden, halblegalen Steinbrüchen, schmutzigen Kleinbetrieben und gigantischen Abraumhalden.

Als wir die Namen der Siedlungen erfahren können wir nur fassungslos mit dem Kopf schütteln: Heiliges Tal, Versprochene Erde, Heilige Rosa – je blumiger der Name, desto scheußlicher der Ort scheint es. Im Heiligen Tal – Valle Sadgrado schmelzen illegale Recycling-Betriebe Autobatterien ein, während nebenan kleine Kinder spielen. (weiterlesen…)

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