Artikel-Schlagworte: „Müll“

27
Mrz

Zu gut für die Tonne

Von Daniela Singhal

Verbraucherministerin Ilse Aigner stellt in Berlin neue Kampagne zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen vor. Das ist gut. Aber:

Heute Morgen habe ich den Abfall unseres Vier-Personen-Haushalts weggeworfen -  zwei Säcke voll mit was auch immer nach nur zwei Tagen – und mich an eine Zahl erinnert, die das Verbraucherministerium vor Kurzem veröffentlicht hat: 82 Kilogramm Lebensmittel werfe ich als Bundesbürgerin jährlich im Durchschnitt auf den Müll. Und trage damit zu den 11 Millionen Tonnen Lebensmittelabfällen in Deutschland bei. 11  Millionen Tonnen. Was für eine Zahl!  Unser Anteil an den über 30 Prozent, der weltweit produzierten Lebensmittel, die so wie unsere zwei Säcke heute Morgen auf dem Müll landen. Was sagt man dazu? (weiterlesen…)

30
Jan

Pamona Müllhalde in Harare

Von Volker Riehl

Auf der Pamona Müllhalde in Harare wird Weichplastik gebündelt.

Auf der Pamona Müllhalde in Harare wird Weichplastik gebündelt.

Pamona Müllhalde in Harare, eine von fünf Müllabladeplätzen. Auf der Müllhalde arbeiten 500 Menschen, 300 leben auch auf dem Platz. Sie bewohnen kleine, aus sauberem Müll gebaute Hütten.

Wegen des Hygieneproblems und Krankheitrisikos wird klar getrennt zwischen ‘wet areas’ (darunter versteht man frischen, feuchten Hausmüll, und ‘dry areas’, d.h. Plätze, die für Siedlungen auf der Müllkippe besser geeignet sind.

Recycling findet in der Regel nicht vor der Lagerung, sondern auf der Müllhalde statt. Hier wird alles gesammelt, gereinigt und verkauft, was sich wiederverwerten und verkaufen lässt. Auf dem Foto wird gerade Weichplastik gebündelt.

Das Recycling-Projekt beinhaltet nicht nur Wiederverwertung.

Das Recycling-Projekt beinhaltet nicht nur Wiederverwertung.

Misereor unterstützt ein Recycling-Projekt in Harare. Die Projektidee ist die Wiederverwertung von Müll gekoppelt mit einer Verbesserung von Hygiene- und Gesundheitsstandards. So entsteht eine Verwertungsschiene, die nicht nur die ökologische Situation verbessert, sondern auch zur Verbesserung der Lebenssituation beiträgt.

Flankiert und begleitet wird das Projekt auch von medizinischem Personal. Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, soll so nachhaltig ein Stück weit die Würde wieder zurückgegeben werden.

19
Jul

Das stinkt zum Himmel!

Von Gast

Als wir am frühen Nachmittag die Müllkippe in Howrah erreichen, fällt es mir schwer,  den Schutzraum unseres kleinen Transporters zu verlassen. Schon von weitem hat der schwere, modernde und bissige Gestank das innere des Wagens erreicht und wird mit jeden 100 Metern unerträglicher. Was uns hier begegnet, ist eigentlich nicht in Bildern festzuhalten: auf endlosen Bergen von Müll arbeiten unzählig viele Kinder, um gemeinsam mit ihren Familien überleben zu können. Viele von ihnen barfüßig auf nackten Sohlen, ihre Füße von den vielen Verletzungen gezeichnet, andere tragen Flip-Flops.

Harter Wettbewerb: Müllsammler-Kinder in Kalkutta

Noch bevor der Müll abgeladen ist, springen die Kinder auf den Wagen. 1 kg dünner Plastikfolie können sie später für umgerechnet 10 Cent verkaufen.

Hier in Howrah liegt – neben der größten Müllhalde der Stadt namens Dhapa-Dumping-Ground – der Auswurf der Metropole Kolkata: zerfledderte Plastikplanen, zerrissene Sandalen, sich auflösende Bastkörbe, faulendes Gemüse und von Fliegen bedeckte Fleisch- und Knochenreste. Selbst noch heute, als ich diese Eindrücke des Vortages aufschreibe, strömen mir Restspuren des Gestanks entgegen, die sich in meinem grünen Notizheft festgesetzt haben.

10 Cent für ein Kilo Plastik

Schweine suchen mit den Menschen hier um die Wette, Tier und Mensch leben von dem, was andere weggeworfen haben und nur für den einmaligen Gebrauch produziert worden schien. Ein schwerer Lastkraftwagen mit „frischem“ Müll schleppt sich die provisorischen Wege dieser Halde hoch. (weiterlesen…)

18
Jul

ÜberLeben in Kalkutta

Von Gast

Seit Dienstag bin ich auf Recherchereise für die Fastenaktion 2012 in Indien: mitten in den Slums von Kalkutta (eigentlich: Kolkata). Im Mittelpunkt stehen die Kinder und Jugendlichen des MISEREOR-Projektpartners Tiljala-Shed: Sie sind es, die mein Herz bewegen, die mich zum Lachen und Weinen bringen, die die Zukunft dieser Stadt sind.

we-shall-overcome

Ihar Tunaskar, lebt gefährlich. Er lebt in einer Hütte, direkt an den Bahngleisen. Unfälle sind hier an der Tagesordnung.

Und doch scheint sich vieles gegen sie verschworen zu haben. Als muslimische Minderheit leben sie am Rand der Gesellschaft, viele von ihnen sind Flüchtlinge, andere leben schon seit Jahrzehnten hier. Ihre Hütten aus Bambus, Plastikplanen und Wellblech stehen an giftigen Flüssen oder an gefährlichen Bahnschienen. Auf 6-9 m² leben sie zu viert, manchmal sogar zu  acht. Da mag es schwer fallen, an den Himmel auf Erden zu glauben.  Sie leben von dem, was sie Tag für Tag durch ihrer Hände Arbeit verdienen. Das ist nicht viel. So arbeiten auch die Kinder mit, um ihren Beitrag für den Familienunterhalt zu leisten. Sie sammeln und sortieren Müll, sie kleben Sandaletten und Schuhe, sie verkaufen Getränke und T-Shirts auf den Bürgersteigen dieser wuseligen Stadt. Tagsüber wird es gefühlte 40 Grad heiß, die extreme Luftfeuchtigkeit lässt es fast noch heißer erscheinen. Die Luft ist erfüllt von einem süßlich-bitteren Geschmack – so wie ich es von obergärigen Biotonnen oder gelben Säcken her kenne.

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