Artikel-Schlagworte: „Brasilien“

24
Jan

Bundesverband Bioenergie sieht Biodieselimporte gefährdet – Gut so!

Von Anika Schroeder

Bioenergie war im letzten Jahr in aller Munde. E10, ein Kraftstoff mit einem gewissen Anteil an Ethanol aus Biomasse (v.a. Zuckerrohr) kam an die Tankstelle. Der Verbraucher nahm ihn nicht an und Bundesregierung und Tankstellen schoben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu.

Ölpalmen - Das grüne Gold für die Einen, Vertreibung für die Anderen

Ölpalmen - Das grüne Gold für die Einen, Vertreibung für die Anderen

Heute und morgen richten  der Bundesverband Bioenergie (BBE) mit der Union zur Förderung von Öl und Proteinpflanzen (UFOP) den neunten „Internationalen Fachkongress für Biokraftstoffe“ aus. Eines wird deutlich:

Die Branche steht unter Druck… Gut so, denn der rasante Boom, Äcker und Wald in Treibstofffelder umzuwandeln, führt zu Vertreibung von Kleinbauern, Verarmung und Hunger in Entwicklungsländern.

Wenn Energie Hunger macht

Rückblick auf meine Indonesienreisen im September: Dort sah ich den Wald vor lauter Palmen nicht. Stunde um Stunde, Tag um Tag  sahen wir Ölpalmplantagen. Grausig, vor allem weil ich nicht die Augen davor verschließen konnte, dass hier einst Menschen vom Wald oder von ihren Feldern lebten. Am meisten berühren mich nach wie vor die Zelte auf einer Plantage – was sag ich – winzige Planen gaben dort einigen Indigenen Schutz. Sie besetzen seit bald zwei Jahrzehnten ihr Land, das ein Palmölkonzern ihnen genommen hat – bisher ergebnislos.

Die Menschen wurden Opfer von Landraub -  unter dem englischen Wort „Landgrabbing“ derzeit Thema auf allen großen Konferenzen. Landraub für Agrosprit (aber auch für Futtermittelanbau sowie Nahrungsmittelanbau) nimmt weltweit zu. Grund sind ungeklärte und nicht verbriefte Landnutzungsrechte oder gar Landrechtstitel der Landbevölkerung in fast allen tropischen Entwicklungsländern. Regierungen verschleudern bewohntes Land an Investoren, die einfach alles platt machen, was sich ihrer Plantage in den Weg stellt – auch wenn sie – wie die Zeltbewohner, seit Jahrtausenden das Land bewohnen.

Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen

Zwar geschieht das Ganze unter dem Mäntelchen des Klimaschutzes. Aber: Der Klimanutzen von Diesel aus Palmöl ist nicht nachgewiesen. Ganz im Gegenteil: Häufig ist die Bilanz extrem negativ, da Wälder gerodet oder gar Moore trocken gelegt werden, deren Böden besonders viele Treibhausgase einlagern. In der EU muss Sprit und Diesel nach einer Beimischungsquote mit Ethanol oder Biodiesel vermischt werden. Es werden nur Biokraftstoffe auf die Quote angerechnet, die „nachhaltig“ erzeugt worden sind. Soziale Kriterien spielen dabei aber erschreckenderweise keine Rolle!

Immerhin: Die schlechte Klimabilanz könnte nun den Import von Biodiesel aus Indonesien und anderen Ländern uninteressant machen. Bisher darf nichts auf die Quote angerechnet werden, wenn dafür Wald gerodet wurde oder die Klimabilanz zu schlecht ist (ich glaub noch nicht, dass dies wirklich auszuschließen ist…). Was bisher nicht erfasst wird ist das, was wir in Brasilien beobachten: Zuckerrohr verdrängt Nahrungs- und Futtermittelanbau sowie die Viehzucht in andere Regionen, wo diese dann Wald zerstört und Menschen vertreibt.

Das soll sich ändern – unter dem Stichwort „indirekte Landnutzungsänderungen“ oder  ILUC (für Indirect Land Use Change). Bei zu schlechter Klimabilanz würde der Verkauf von Ethanol und Biodiesel in die EU uninteressant. Das hat auch Herr Kliem von der Union zur Förderung von Öl und Proteinpflanzen UFOP bemerkt. Laut klimaretter.info sagte er: “Dies wäre das Ende von Biodiesel in der EU.“ Das Erneuerbare Energien-Ziel für den Verkehrssektor sei dann nicht mehr zu halten.

Das mag stimmen. Aber ein Gesetz lässt sich ändern und durch sinnvollere Klimaschutzmaßnahmen ersetzen – oder etwa nicht?!

BBE in der Defensive: Wo bleibt Unterstützung aus der Politik?

Herr Kliem spricht vor mehr als 500 Teilnehmern aus 26 Ländern. 400 bis 650 Euro zahlen die Teilnehmer. Zudem wurden „Gold- und Silberpartner“ (Evonik und BP), „Mitveranstalter und Förderer“ gefunden, welche das Event finanziell und ideell unterstützen. Medienpartner vervollständigen das Bild – Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit wie es im Lehrbuch steht. Unter den Förderern ist auch das Bundeministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz – ob ideell oder finanziell kann ich leider nicht erkennen..

Auf deren Webseite finde ich den Hinweis auf den Internationalen Agrarministergipfel in Berlin, auf dem sich grad erst über 60 Staaten zum entschlossenen Kampf gegen den Hunger bekannt haben. Neben sehr guten Passagen zur Stärkung der Bauern und ihrer Rechte und mit Verweis auf die Gefahren von Agrartreibstoffproduktion kommt leider auch dieses: Landraub soll allein durch freiwillige Maßnahmen der Investoren und Regierungen begrenzt werden. Zumindest werden keine anderen Maßnahmen benannt.

Dieses reine Fordern der Freiwilligkeit macht deutlich, dass der Import von Biodiesel aus Ländern wie Indonesien im Namen des Klimaschutzes einfach ausgeschlossen gehört.

„Helmut Lamp“ vom Bundesverband Bioenergie BBE kritisiert laut klimaretter.info die Bundesregierung für ihr Stillhalten nach den E10-Protesten. Er fordert mehr Unterstützung für die Branche ein. Er adressiert die Kanzlerin direkt: Die Kanzlerin solle pfeifen, nicht nur die Lippen spitzen.

Fast Ihrer Meinung Herr Lamp. Allerdings sollte die Bundeskanzlerin die Lobbyverbände „zurück- pfeiffen“ und eine sinnvolle Klimaschutzpolitik stärken, die ein würdevolles Leben für alle auf diesem Planeten ermöglicht.

Nach jetzigen Erkenntnissen wird Bioenergie dabei eine wichtige Rolle zu spielen haben, nicht aber im Verkehrsbereich!

Tank oder Teller bewegt die Gemüter in Deutschland. Auch Ihres?

20
Apr

Eleny

Von Susanne Friess

Eleny sitzt auf den Ziegeln, die vor ihrem neu gebauten Haus aufgestapelt sind. Erst vor kurzem haben ihr Mann und sie den Neubau bezogen. Es ist ein schönes Haus – geräumig, mit schönen Fliesen auf dem Boden. Elenys Mann hat die rustikalen Holzmöbel selbst gebaut.

Eleny erzählt vom Leben mit der Uranmine

Eleny erzählt vom Leben mit der Uranmine

Im Haus stehen die Türen zu allen Zimmern offen – überall ist es aufgeräumt, die Räume strahlen etwas Freundliches aus.

Ich zähle drei Schlafzimmer, und denke: “Da sind wohl zwei Kinderzimmer vorgesehen”. Es ist erst ein Jahr her, dass Eleny und ihr Mann geheiratet haben.

Eleny blickt freundlich in die Kamera. Sie gibt ein Interview. Hinter ihr, in etwa zwei Kilometern Entfernung, sieht man große Erdbewegungen. Hier liegt die Uranmine des brasilianischen Betreibers “Indústrias Nucleares do Brasil” (INB). Das Unternehmen baut seit gut 10 Jahren Uran in der Gegend ab. Seitdem hat sich das Leben in den umliegenden Gemeinden sehr verändert. (weiterlesen…)

31
Mrz

Radioaktive Gefahr in Verzug

Von Susanne Friess

Engagiert: MISEREOR-Beraterin Susanne Fries dreht gerade in Brasilien einen Film zum Thema Uranbergbau.

Während die ganze Welt auf die tragischen Ereignisse in Japan blickt und den Atem anhält angesichts der Gefahr eines nuklearen Super-GAUs im Kernkraftwerk Fukushima, befasst sich MISEREOR-Beraterin Susanne Friess in Brasilien mit den Gefahren des Uranabbaus. Im MISEREOR- Blog berichtet die Beraterin für “Bergbau und Entwicklung”, die momentan an einem Dokumentarfilm mitarbeitet, über ihre Erfahrungen.

Auf den ersten Blick wirkt es friedlich und beschaulich in der Gemeinde Caetité. Die Menschen wirken freundlich, lachen einen an. Beeindruckend angesichts der Gefahr, der sich tagtäglich ausgesetzt sind. Denn die Bewohner von Caetité leben neben der größten aktiven Uranmine Brasiliens.

Blick auf die Uranmine

In diesen Wochen blickt die Welt nach Japan und erlebt die ungeheuren Gefahren, die mit dem Betreiben von AKWs und der Endlagerung radioaktiven Mülls für die Menschheit einher gehen. Wir lernen hier in Brasilien, dass sich auch schon zu Beginn der atomaren Energiekette alles um radioaktive Verstrahlung, um kranke Menschen und verseuchte Produkte dreht. Brasilien verfügt über die sechstgrößten Uranvorkommen der Welt.

 

Verseuchtes Wasser und Hirntumore

In einem Dokumentarfilm porträtieren wir die Arbeit des MISEREOR-Partners Pater Osvaldino Barboso, der sich in seiner Gemeinde Caititié für die Verbesserung der Umwelt- und Menschenrechtssituation im Umfeld der Uranmine engagiert. Seit 2000 operiert hier die Uranmine der halbstaatlichen INB. Längst sind in Brasilien nicht alle Uranvorkommen erschlossen, doch in der Mine in Caetité lässt sich schon jetzt beobachten, welche Probleme der Uranbergbau mit sich bringt und was in anderen Regionen Brasiliens ebenfalls zu erwarten ist: Wasserquellen sind mit Uran verseucht, überdurchschnittlich viele Menschen leiden an Krebs. Leukämie und Hirntumore sind besonders verbreitet.

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