Die Nussmischungen, die es im Winter zu kaufen gibt, enthalten oft Paranüsse. Meist habe ich mich über die holzigen, sperrigen Dinger geärgert, weil sie so schlecht zu knacken sind, aber der nussige Kern entschädigt für die Mühen. Bei meiner letzten Reise in das Amazonasgebiet von Bolivien habe ich erfahren, wie die Nuss zu uns kommt.

Paranussbäume im Urwald von Riberalta.
Paranüsse wachsen auf stattlichen, über 35 m hohen Bäumen. Aus den Blüten entwickeln sich große, holzige Kugeln, die Kokosnüssen ähneln. Ab November werden die Früchte reif und fallen herunter. Das ist dann die Zeit, wo die Leute aus Riberalta in die Ernte gehen. Ganze Familien verlassen mit Kind und Kegel ihre Häuser in den Vororten und Dörfern und ziehen für mehrere Monate in den Urwald, wo sie unter einfachsten Verhältnissen leben. Das Sammeln der Nüsse ist keine ungefährliche Arbeit; denn wenn so eine Kugel aus 30 Meter Höhe herabfällt und einen Menschen trifft, kann sie ernsthafte, mitunter tödliche Verletzungen anrichten. Auch Krankheiten wie Malaria und Leishmaniasis (eine schlimme Erkrankung der Haut) sind an der Tagesordnung. Meist sind es die Frauen, die die Früchte sammeln, und die Männer schlagen die Kugeln auf und holen die Kerne heraus. Für eine Kiste von 25 kg werden ca. 12 Euro gezahlt. Letzten Winter hatten die Nüsse einen relativ guten Marktpreis, so dass ganze Stadtteile von Riberalta leergefegt waren, weil die Leute im Wald bei der Ernte waren.

Hier werden die Paranüsse verarbeitet.
Die Sammler liefern die Nüsse in der Fabrik ab, wo sie zuerst getrocknet und dann geschält werden.
Ich hatte die Gelegenheit, mit unserem Projektpartner die Fabrik zu besichtigen.
Als sich meine Augen an die dunkle Halle gewöhnt hatten, sah ich viele sehr junge Frauen, schätzungsweise zwischen 16 und 20, die, an vielen Tischen verteilt, im Stehen arbeiteten und mit einem kleinen handbetriebenen Nussknacker vorsichtig die holzige Schale entfernten.
50 kg geschälte Nüsse ist ihr Tagessoll, und wenn sie diesen in achtstündiger Arbeit nicht schaffen, müssen sie eben länger bleiben. (weiterlesen…)









