MISEREOR-Blog: Rohstoffe

19
Apr

Sojaanbau, Viehfutter und Biodiesel

Von Ralph Allgaier

Es ist schon ziemlich dunkel an diesem Abend mitten in der argentinischen Provinz Chaco, und ich kann nur sagen: Selten bin ich in einer derart einsamen und menschenleeren Landschaft gewesen. Die schnurgerade Landstraße und der sie säumende Wald wollen kein Ende mehr nehmen und jetzt nach Sonnenuntergang muss unser Fahrer höllisch aufpassen, dass er nicht mit zu hohem Tempo in die vielen tückischen Schlaglöcher poltert und unseren Kleinbus ruiniert.

Sojaanbau in Argentinien / Florian Kopp

Hier ist so mancher Farmer erst nach einer kleinen Ewigkeit erreichbar. So mussten wir uns auf der Fahrt zu einer Hofanlage von sieben Familien nach der Abzweigung von der Landstraße geschlagene 40 Minuten über eine huckelige Schotter-Graspiste quälen, bis das Ziel in der trocken-stacheligen Savannenlandschaft endlich auftauchte. Und ich lerne: Nach dem Amazonas-Gebiet ist der Chaco die größte zusammenhängende Waldfläche Lateinamerikas. (weiterlesen…)

2
Apr

Vom Streben nach Glück

Von Daniela Singhal

„Glück für die Welt. Die Vereinten Nationen diskutieren ein neues Wohlstandsmodell“, so heute ein Artikel auf Seite eins der Süddeutschen Zeitung. Worum geht’s? Das Himalaya-Königreich Bhutan hat zu einem Spitzentreffen bei den Vereinten Nationen in New York eingeladen. 600 hochkarätige Teilnehmer sind angekündigt, sie sollen sich mit einer neuen möglichen Wirtschaftsordnung auseinandersetzen, einem System, in dem nicht mehr der Wohlstand eines Landes im Mittelpunkt steht, sondern das Wohlbefinden, das Glück seiner Bürger. Wachstumskritik auf höchster Ebene. Ban Ki Moon kommt und Prinz Charles ist per Video zugeschaltet. Es soll um mehr Nachhaltigkeit gehen, um das Streben nach Glück als politische Maxime.

Eine neue Initiative zum Umdenken, weg vom gängigen Wachstumsmodell, hin zu einer neuen Vision, einer Alternative: Das ist ganz im Sinne MISEREORs und des Mottos „Gut leben statt viel haben.“ Denn das Wachstum stößt an seine sozialen und ökologischen Grenzen, das wird uns in unserer Arbeit täglich bewusst: Umweltverschmutzung, Artensterben, Ausdehnung von Armutsvierteln, Ressourcenknappheit. Deshalb engagiert sich MISEREOR schon seit Jahren für einen Kurswechsel hin zu einer nachhaltigeren Ökonomie.

Erfahren Sie mehr in unserem spannenden Dossier „In den Grenzen von morgen!“ .

30
Mrz

Flatternde Lungen

Von Gast

„Wenn einer bald stirbt, dann kann ich das spüren“, sagt Xu Yundong und legt einem hageren Bauern die Hand auf die Schulter. „Dann flattert die Lunge.“ Xu muss es wissen: Er hat das Flattern bei so vielen gespürt: Bei seinen Kollegen in der Schleiferei für Halbedelsteine, wo er sich selbst, als einer der ganz wenigen mit abgeschlossenen zwölf Jahren Schulbildung, zum Manager hochgearbeitet hat.

Die Folgen jahrelangen Steineschleifens sind nicht zu übersehen.

Die Folgen jahrelangen Steineschleifens sind nicht zu übersehen.

Bei anderen jungen Männern aus seinem Dorf im Norden Chongqings, wo jede Familie nach der Landreform nur ein mu bekam [das entspricht einer Größe von zweieinhalb Tennisplätzen], wovon sie sich gerade so satt essen kann, und von wo bereits 1988 großen Scharen aufgebrochen sind, um in der tausend Kilometer entfernten Sonderwirtschaftszone Shenzhen Arbeit zu finden. Dann hat er das Flattern bei den Arbeitern gespürt, die wie er nach Shenzhen zurückgekehrt waren, um in jahrelangen Prozessen eine Entschädigung zu erstreiten, oder – weil sie nichts anderes gelernt hatten – weiter Steine zu schleifen, dann aber nicht mehr als Angestellte, sondern als Scheinselbständige. (weiterlesen…)

28
Mrz

Widerstand als Pflicht

Von Daniela Singhal

„Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!“, sagte Bertolt Brecht einmal zum Thema Widerstand. Ein Widerstand, der Aussicht auf Erfolg haben soll, braucht manchmal eine starke Koalition. Vor allem, wenn er sich gegen Korruption, gegen starke politische Gegenpole wendet.
Im Kampf gegen Intransparenz im Rohstoffsektor ist MISEREOR diese Koalition mit Brot für die Welt, Transparency International und dem Global Policy Forum eingegangen. Seit Jahren engagieren sich diese Organisationen für mehr Transparenz im Rohstoffhandel. Heute richtete sich ihr Widerstand in Berlin gegen die Bundesregierung, die momentan die Pläne der EU für mehr Transparenz im Rohstoffsektor blockiert. (weiterlesen…)

27
Mrz

Zu gut für die Tonne

Von Daniela Singhal

Verbraucherministerin Ilse Aigner stellt in Berlin neue Kampagne zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen vor. Das ist gut. Aber:

Heute Morgen habe ich den Abfall unseres Vier-Personen-Haushalts weggeworfen -  zwei Säcke voll mit was auch immer nach nur zwei Tagen – und mich an eine Zahl erinnert, die das Verbraucherministerium vor Kurzem veröffentlicht hat: 82 Kilogramm Lebensmittel werfe ich als Bundesbürgerin jährlich im Durchschnitt auf den Müll. Und trage damit zu den 11 Millionen Tonnen Lebensmittelabfällen in Deutschland bei. 11  Millionen Tonnen. Was für eine Zahl!  Unser Anteil an den über 30 Prozent, der weltweit produzierten Lebensmittel, die so wie unsere zwei Säcke heute Morgen auf dem Müll landen. Was sagt man dazu? (weiterlesen…)

14
Nov

Der Wald wird knapp in Indonesien

Von Anika Schroeder

Plantagen für Papier und Biodiesel fressen sich immer weiter in den Wald. Der wenig erhaltene Wald soll nun – auch mit deutscher Unterstützung – für das Klima geschützt werden. Die Journalistin Melanie Hofmann machte sich gemeinsam mit mir auf die Reise nach Sumatra, um herauszufinden, ob dieser Schutz mit oder gegen die Bewohner der Region umgesetzt wird. Hier berichtet Melanie Hofmann:

“Ein Dilemma, zwischen zwei Entscheidungen stehen. Das ist ein altes Phänomen, eines, das uns im Alltag immer wieder begegnet.

Die Kleinbauern in Tanjung Mandiri bauen heute ihren Reis dort an, wo ein Unternehmen zuvor abholzte.

Die Kleinbauern in Tanjung Mandiri bauen heute ihren Reis dort an, wo ein Unternehmen zuvor abholzte.

Auch Udi (36) steht vor einem Dilemma: Einerseits möchte er sich selbst und seine Familie ernähren, ein zufriedenes Leben führen, ein bisschen Land bebauen. Und andererseits weiß er, dass das Land, das er für sich beansprucht, für ein Klimaschutzprojekt verwendet werden soll. “Und die Umwelt schützen, das ist auch wichtig”, sagt er.
Trotzdem entscheidet er sich im Zweifel für seine Familie, sein Überleben. Eine menschliche Entscheidung. Und kann nicht auch irgendwie beides gehen? Überleben, ohne die Umwelt zu zerstören?

Wir sind im Dorf Tanjung Mandiri. Freudig begrüßen uns die Dorfbewohner mit einer Versammlung – wir hätten lieber ein kleines Zusammentreffen gehabt. Die NGO CAPPA hat uns hierhin mitbekommen, damit wir hautnah miterleben können, wie sie ihre Arbeit machen. Natürlich stehlen wir ihnen die Show, sitzen auf dem Präsentierteller.

Trotzdem hören die Leute CAPPA zu, denn sie sprechen den großen Feind des Dorfes an: PT REKI. Glaubt man den Dorfbewohnern, dann hat hier einiges Unrecht statt gefunden. Gift habe man auf die Plantagen gesprüht. CAPPA mahnt dazu, Ruhe zu bewahren und rät zu einem “soft approach”. (weiterlesen…)

25
Okt

Partizipatives Wasser- und Bodenmonitoring in Peru

Von Susanne Friess

Von Juli bis September 2011 arbeitete Eike Sophie Hümpel, Master-Studentin in Umweltmanagement, als Praktikantin in der Misereor-Partnerorganisation “Vicaría de Solidaridad de Sicuani” im südperuanischen Andenhochland. Im Umfeld einer großen Kupfermine entnahm sie Boden- und Wasserproben und analysierte sie auf Schwermetalle und andere Verschmutzungen. Hier berichtet sie von ihren Eindrücken:

“Meine ersten Gedanken zu dem geplanten Praktikum in Peru sahen etwa so aus: “Zwei Monate im Einflussbereich des Kupferabbauprojekts Xstrata Tintaya in den peruanischen Anden?… Wasser-/ und Bodenproben nehmen?… analysieren lassen?… auswerten! und  die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentieren??!  – Das klingt super spannend!! Das mach’ ich!!!”

Motiviert, gespannt und voller Neugier machte ich mich also Ende Juli von Kiel auf den Weg nach Peru. Bevor ich “meine” Organisation in Südperu ansteuerte, machte ich zunächst noch einen kurzen Abstecher nach Huancayo, um dort in der Diözese von Huancayo das Team von Bischof Barreto kennenzulernen. Wie Misereor mir gesagt hatte, hatte man dort schon über mehrere Jahre konkrete Erfahrungen mit Umweltanalysen in der von einer Schmelzhütte verseuchten Stadt “La Oroya” gesammelt. Ich wollte von diesen Erfahrungen lernen, bevor ich in Südperu selbst Boden- und Wasserproben entnehmen würde.

Erst hier, im Gespräch mit den Leuten in Huancayo, die bereits praktische Erfahrungen in Umweltanalysen gesammelt hatten und mir von dem Druck erzählten, das das dortige Unternehmen auf sie ausübte, wurde mir allmählich klar, was die Durchführung des vorgeschlagenen Projekts in Espinar tatsächlich bedeuten könnte… (weiterlesen…)

11
Jul

Online Lernen ohne Grenzen

Von Susanne Friess

Freitag Abend 21 Uhr. Mein Arbeitstag geht heute in die Verlängerung. Wie so oft in den letzten Wochen finden meine wichtigsten Arbeitstermine am Abend statt – dabei geht es nicht etwa um ein Abendessen mit Gästen aus dem Süden oder einen Vortrag vor einer Kirchengemeinde. Bei meinen Abendterminen sitze ich – physisch alleine, aber doch umgeben von einer ganzen Gruppe von Kursteilnehmern – zu Hause in meinem Büro vor dem Computer. Meine “Gegenüber” sitzen derweil auf der anderen Seite der Erdkugel, in  Argentinien, Bolivien, Brasilien, Ecuador, Guatemala, Honduras, Kolumbien, Mexico und Peru. Bei ihnen ist gerade Nachmittag. Gerade habe ich sie herzlich zu unserer zweiten Online-Konferenz begrüßt.

Per Internet steht Susanne Friess in Verbindung mit Kurs-Teilnehmern in Lateinamerika.

Per Internet steht Susanne Friess in Verbindung mit Kurs-Teilnehmern in Lateinamerika.

Sei drei Wochen läuft nun unsere Online-Schulung für Misereor-Partnerorganisationen in Lateinamerika, die sich mit Menschenrechtsverletzungen im Umfeld großer Bergbauprojekte befassen. Insgesamt 46 TeilnehmerInnen aus 30 Institutionen haben sich für den Online-Kurs angemeldet. Es ist aufregend, mit so vielen engagierten Anwälten und Projektmitarbeitern im Austausch und Kontakt zu sein.

Der Kurs beschäftigt sich mit “internationalen Beschwerdemechanismen”. Das ist ein sperriger Titel für eine in der Praxis sehr spannende Frage: wie können internationale Konzerne, die im Ausland Menschenrechtsverletzungen und Umweltdelikte begehen, für diese Taten zur Rechenschaft gezogen werden. Gerade im Umfeld großer Bergbauprojekte werden solche Rechtsbrüche von unseren Partnerorganisationen sehr häufig beklagt – doch gibt es neben dem Lamento auch juristische Wege, die in Sanktionen für die Urheber dieser Straftaten münden und in Entschädigungszahlungen für die Geschädigten? (weiterlesen…)

20
Apr

Eleny

Von Susanne Friess

Eleny sitzt auf den Ziegeln, die vor ihrem neu gebauten Haus aufgestapelt sind. Erst vor kurzem haben ihr Mann und sie den Neubau bezogen. Es ist ein schönes Haus – geräumig, mit schönen Fliesen auf dem Boden. Elenys Mann hat die rustikalen Holzmöbel selbst gebaut.

Eleny erzählt vom Leben mit der Uranmine

Eleny erzählt vom Leben mit der Uranmine

Im Haus stehen die Türen zu allen Zimmern offen – überall ist es aufgeräumt, die Räume strahlen etwas Freundliches aus.

Ich zähle drei Schlafzimmer, und denke: “Da sind wohl zwei Kinderzimmer vorgesehen”. Es ist erst ein Jahr her, dass Eleny und ihr Mann geheiratet haben.

Eleny blickt freundlich in die Kamera. Sie gibt ein Interview. Hinter ihr, in etwa zwei Kilometern Entfernung, sieht man große Erdbewegungen. Hier liegt die Uranmine des brasilianischen Betreibers “Indústrias Nucleares do Brasil” (INB). Das Unternehmen baut seit gut 10 Jahren Uran in der Gegend ab. Seitdem hat sich das Leben in den umliegenden Gemeinden sehr verändert. (weiterlesen…)

4
Apr

Goldrausch und Dorfleben in Burkina

Von Jonas Wipfler

Sieben Wochen Westafrika: Jonas Wipfler zieht Resümee.

Sieben Wochen Westafrika: Jonas Wipfler zieht Resümee.

Was bleibt haften von dieser Reise? Vor allem die unglaubliche und einnehmende Offenheit und der großartige Humor der Menschen. Ihre Gastfreundschaft, die mir überall zuteil wurde. Eine Landschaft, die in ihrer Kargheit schön ist, aber auch eine große Herausforderung für das alltägliche Leben birgt.

In den staubigen Weiten ist die Frage des Wassers und der Wassernutzung ständig präsent.  Wasserpegel sinken, Brunnen und Seen trocknen aus und gerade für Frauen, die traditionell das Wasser holen, verlängern sich Wege und Zeit, die sie mit schweren Gefäßen unterwegs sind.  Und einst fest eingerechnete  Regenfälle sind längst nicht mehr so sicher, wie sie es noch vor ein oder zwei Generationen gewesen sind. (weiterlesen…)

MISEREOR-Blog läuft mit WordPress Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS).