MISEREOR-Blog: Klimawandel

24
Jan

Bundesverband Bioenergie sieht Biodieselimporte gefährdet – Gut so!

Von Anika Schroeder

Bioenergie war im letzten Jahr in aller Munde. E10, ein Kraftstoff mit einem gewissen Anteil an Ethanol aus Biomasse (v.a. Zuckerrohr) kam an die Tankstelle. Der Verbraucher nahm ihn nicht an und Bundesregierung und Tankstellen schoben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu.

Ölpalmen - Das grüne Gold für die Einen, Vertreibung für die Anderen

Ölpalmen - Das grüne Gold für die Einen, Vertreibung für die Anderen

Heute und morgen richten  der Bundesverband Bioenergie (BBE) mit der Union zur Förderung von Öl und Proteinpflanzen (UFOP) den neunten „Internationalen Fachkongress für Biokraftstoffe“ aus. Eines wird deutlich:

Die Branche steht unter Druck… Gut so, denn der rasante Boom, Äcker und Wald in Treibstofffelder umzuwandeln, führt zu Vertreibung von Kleinbauern, Verarmung und Hunger in Entwicklungsländern.

Wenn Energie Hunger macht

Rückblick auf meine Indonesienreisen im September: Dort sah ich den Wald vor lauter Palmen nicht. Stunde um Stunde, Tag um Tag  sahen wir Ölpalmplantagen. Grausig, vor allem weil ich nicht die Augen davor verschließen konnte, dass hier einst Menschen vom Wald oder von ihren Feldern lebten. Am meisten berühren mich nach wie vor die Zelte auf einer Plantage – was sag ich – winzige Planen gaben dort einigen Indigenen Schutz. Sie besetzen seit bald zwei Jahrzehnten ihr Land, das ein Palmölkonzern ihnen genommen hat – bisher ergebnislos.

Die Menschen wurden Opfer von Landraub -  unter dem englischen Wort „Landgrabbing“ derzeit Thema auf allen großen Konferenzen. Landraub für Agrosprit (aber auch für Futtermittelanbau sowie Nahrungsmittelanbau) nimmt weltweit zu. Grund sind ungeklärte und nicht verbriefte Landnutzungsrechte oder gar Landrechtstitel der Landbevölkerung in fast allen tropischen Entwicklungsländern. Regierungen verschleudern bewohntes Land an Investoren, die einfach alles platt machen, was sich ihrer Plantage in den Weg stellt – auch wenn sie – wie die Zeltbewohner, seit Jahrtausenden das Land bewohnen.

Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen

Zwar geschieht das Ganze unter dem Mäntelchen des Klimaschutzes. Aber: Der Klimanutzen von Diesel aus Palmöl ist nicht nachgewiesen. Ganz im Gegenteil: Häufig ist die Bilanz extrem negativ, da Wälder gerodet oder gar Moore trocken gelegt werden, deren Böden besonders viele Treibhausgase einlagern. In der EU muss Sprit und Diesel nach einer Beimischungsquote mit Ethanol oder Biodiesel vermischt werden. Es werden nur Biokraftstoffe auf die Quote angerechnet, die „nachhaltig“ erzeugt worden sind. Soziale Kriterien spielen dabei aber erschreckenderweise keine Rolle!

Immerhin: Die schlechte Klimabilanz könnte nun den Import von Biodiesel aus Indonesien und anderen Ländern uninteressant machen. Bisher darf nichts auf die Quote angerechnet werden, wenn dafür Wald gerodet wurde oder die Klimabilanz zu schlecht ist (ich glaub noch nicht, dass dies wirklich auszuschließen ist…). Was bisher nicht erfasst wird ist das, was wir in Brasilien beobachten: Zuckerrohr verdrängt Nahrungs- und Futtermittelanbau sowie die Viehzucht in andere Regionen, wo diese dann Wald zerstört und Menschen vertreibt.

Das soll sich ändern – unter dem Stichwort „indirekte Landnutzungsänderungen“ oder  ILUC (für Indirect Land Use Change). Bei zu schlechter Klimabilanz würde der Verkauf von Ethanol und Biodiesel in die EU uninteressant. Das hat auch Herr Kliem von der Union zur Förderung von Öl und Proteinpflanzen UFOP bemerkt. Laut klimaretter.info sagte er: “Dies wäre das Ende von Biodiesel in der EU.“ Das Erneuerbare Energien-Ziel für den Verkehrssektor sei dann nicht mehr zu halten.

Das mag stimmen. Aber ein Gesetz lässt sich ändern und durch sinnvollere Klimaschutzmaßnahmen ersetzen – oder etwa nicht?!

BBE in der Defensive: Wo bleibt Unterstützung aus der Politik?

Herr Kliem spricht vor mehr als 500 Teilnehmern aus 26 Ländern. 400 bis 650 Euro zahlen die Teilnehmer. Zudem wurden „Gold- und Silberpartner“ (Evonik und BP), „Mitveranstalter und Förderer“ gefunden, welche das Event finanziell und ideell unterstützen. Medienpartner vervollständigen das Bild – Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit wie es im Lehrbuch steht. Unter den Förderern ist auch das Bundeministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz – ob ideell oder finanziell kann ich leider nicht erkennen..

Auf deren Webseite finde ich den Hinweis auf den Internationalen Agrarministergipfel in Berlin, auf dem sich grad erst über 60 Staaten zum entschlossenen Kampf gegen den Hunger bekannt haben. Neben sehr guten Passagen zur Stärkung der Bauern und ihrer Rechte und mit Verweis auf die Gefahren von Agrartreibstoffproduktion kommt leider auch dieses: Landraub soll allein durch freiwillige Maßnahmen der Investoren und Regierungen begrenzt werden. Zumindest werden keine anderen Maßnahmen benannt.

Dieses reine Fordern der Freiwilligkeit macht deutlich, dass der Import von Biodiesel aus Ländern wie Indonesien im Namen des Klimaschutzes einfach ausgeschlossen gehört.

„Helmut Lamp“ vom Bundesverband Bioenergie BBE kritisiert laut klimaretter.info die Bundesregierung für ihr Stillhalten nach den E10-Protesten. Er fordert mehr Unterstützung für die Branche ein. Er adressiert die Kanzlerin direkt: Die Kanzlerin solle pfeifen, nicht nur die Lippen spitzen.

Fast Ihrer Meinung Herr Lamp. Allerdings sollte die Bundeskanzlerin die Lobbyverbände „zurück- pfeiffen“ und eine sinnvolle Klimaschutzpolitik stärken, die ein würdevolles Leben für alle auf diesem Planeten ermöglicht.

Nach jetzigen Erkenntnissen wird Bioenergie dabei eine wichtige Rolle zu spielen haben, nicht aber im Verkehrsbereich!

Tank oder Teller bewegt die Gemüter in Deutschland. Auch Ihres?

12
Dez

Zurück im Büro – Zurück nach Durban

Von Anika Schroeder

Ein kurzer Zwischenstopp im Büro, um Bilanz zu ziehen. Chaos im Kopf. Chaos im Büro: Unsere Koffer offen, alle Ausleihgeräte – Kameras, Diktiergerät, Drucker – an einem Platz versammelt. Chaos im Kopf ordnet sich nach und nach entsprechend der Erinnerungen an zwei lange Nächte in Durban.

Durban steht Kopf: Für ein paar Minuten war das Logo falsch herum an die Wand geworfen. Bild: Schwabe

Durban steht Kopf: Für ein paar Minuten war das Logo falsch herum an die Wand geworfen. Bild: Schwabe

Samstag Abend, irgendwann. Die Zeit verschwimmt. Die Präsidentin der Verhandlungen, die südafrikanische Außenministerin Nkoana-Mashabane, appelliert an die Verhandler, die langen Verhandlungen zu einem guten Ende zu führen. Man solle nicht resignieren. Nicht vergessen, dass bereits Erfolge erzielt worden seien. Daran anknüpfen!
Sie nennt Elemente des bereits erzielten Erfolges: Anpassungspläne und den Beschluss, die Technologie CCS in den CDM aufzunehmen.
Ohne das ganze genau zu erklären: CCS in CDM bedeutet konkret, dass RWE nun in China dafür Sorge tragen kann, dass Kohlenstoffdioxid aus den Abgasen eines Kohlekraftwerkes herausgelöst und unter die Erde gebracht wird. Die Menge CO2, die unter der Erde liegen wird, kann sich RWE dann auf den heimischen Klimaschutz anrechnen lassen. Ein Graus! Nicht nur, dass CCS noch nicht funktioniert und Risiken noch völlig offen sind. Ohnehin ist der CDM sehr umstritten (siehe Beitrag von Nicole Piepenbrink hier)

Die Haare stehen mir zu Berge: Es scheint, dass Erfolg immer dann vorliegt, wenn es zu einer Einigung kommt. Meine Definition von Erfolgt ist jedoch: Erfolg ist, wenn eine Entscheidung getroffen wird, die gut ist. Wahrscheinlich liegt deshalb meine Wertung des Gipfels so weit entfernt von der Einschätzung anderer, zum Beispiel von der Einschätzung des Umweltministers Norbert Röttgen.

(weiterlesen…)

10
Dez

Kennedy Road

Von Anika Schroeder

Zum Glück bin ich nicht alleine in Südafrika. Eva Hörle begleitet mich. Während am Freitag das Ringen um einen Kompromiss richtig losging, nutzte sie die Möglichkeit für einen Besuch der Organisation Abahlali baseMjondole (The South African Shack Dwellers Movement). Der erste Kontakt mit Menschen in einem „Elendsviertel“ – oder politisch korrekt  gesprochen: einer informellen Siedlung. Hier beschreibt sie das andere Durban – nur einige Kilometer des Konferenzgebäudes entfernt.

Das andere Gesicht Durbans: Die Kennedy Road.

Das andere Gesicht Durbans: Die Kennedy Road.

Heute konnte ich ein anderes Gesicht Südafrikas kennenlernen. 20 Minuten Autofahrt vom Meer, wo Touristen entlang der blitzblanken Strandpromenade spazieren und den Sommer genießen. Wo es ein Kinderparadies von bunten Karussellen und Schwimmbädern gibt und wo die Klima-Leute mit ihren blauen Halsbändchen in ihren Hotels ein und ausgehen. 20 Minuten Autofahrt entfernt, glaubt man in einer anderen Welt zu sein: Im Stadtteil Kennedy Road.
Ich stehe plötzlich in einer Welt voller Müll, Gestank, Armut.  Abgeschieden und abgehängt vom Rest der Stadt. Dem “Rest” ist gut. Insgesamt leben in Durban 3 Millionen Einwohnern – 800.000 von ihnen in solchen informellen Siedlungen. Hier kann man die Marginalisierung dieser ‚shack dwellers‘ regelrecht spüren, riechen, sehen. (weiterlesen…)

9
Dez

Vorbereitung für eine lange Nacht

Von Anika Schroeder

Freitag 16 Uhr Ortszeit. 30 junge Leute rufen vor den Verhandlungsräumen “Climate Justice Now! Don’t kill Africa!”. (Klimagerechtigkeit jetzt! Tötet Afrika nicht!)  Für mich ist es der 9. Verhandlungstag. Ich bin müde, angespannt und will nach Hause. Umso härter trifft mich die kleine Demo.

Ich werde emotional. In meinem Kopf laufen die Bilder meiner Reise in den Niger, einem Land im Sahel ab. Ich sehe die Frau mit ihrem fast an Hunger sterbenden Kind in einer MISEREOR Krankenstation. Kurz nach der Regenzeit gab es bereits zu wenig Essen. Und ich höre abermals die Erzählungen von Dramane in unserem  Workshop. Die Ernte sähe sehr schlecht aus. Nach Ostafrika sei nun auch Westafrika massiv von einer Hungersnot bedroht.  Der Regen ist ausgeblieben.

Schnitt. Ein junger Mann rennt mit einem Nachbau einer olympischen Fackel vorbei und macht Werbung für die tägliche Verleihung des „Fossil of the day“ – dem Negativpreis von Umweltgruppen für jenes Land, dass sich über den Tag hin am schlechtesten verhalten hat und die Verhandlungen im Besonderen aufgehalten hat. „Who kills Africa?“ Wer macht sich besonders schuldig in diesem Jahr und macht den Afrikanern damit das Leben immer, immer schwerer? (weiterlesen…)

7
Dez

Kontakt mit einer Parallelwelt

Von Anika Schroeder

Eine Gruppe von 15 Afrikanerinnen und Afrikanern, die mit großen Augen durch die Konferenzräume laufen, angeführt von einer Person, der wirklich nur noch der gelbe Regenschirm fehlt… um eine Reisegruppe zu bilden. Die Reiseleiterin bin ich. Die zweite Verhandlungswoche hat begonnen und unsere afrikanischen Partner erleben ihren ersten Tag auf der COP.

Die "Reisegruppe" vor dem Konferenzgelände in Durban.

Die "Reisegruppe" vor dem Konferenzgelände in Durban.

“Tout le monde est là” – “Die ganze Welt ist hier”, erzählt mir Ibrahim aus dem Senegal mit einem Lachen im Gesicht. Elisabeth aus Kamerun macht große Augen: Ob sie auch wirklich „die heiligen Hallen“ betreten werden darf? Ja, darf sie: Wir betreten gemeinsam das Gelände des International Convention Center. Der Name ist nicht so symbolisch wie der Moon Palace, wo die letzten Verhandlungen in Mexiko stattfanden (siehe Blogeintrag vom 9.12.2010 „Cancun: Die ganze Welt versammelt auf dem Mond”). Jedoch genauso weit weg vom irdischen Leben. Zumindest für unsere Partner. Als wir vorbeilaufen an Infoständen, Seminarräumen, Fernsehteams, Delegierten, Unternehmern und Nichtregierungsorganisationen eröffnet sich für sie eine neue Welt. (weiterlesen…)

4
Dez

Sonntag: Keine Verschnaufpause in Durban

Von Anika Schroeder

Die erste Verhandlungswoche ist abgeschlossen. Wie immer läuft alles anders als erwartet. Aber es gibt auch Dinge, die nach Plan laufen. Zum Beispiel das gut gefüllte Programm der vielen Nichtregierungsorganisationen vor Ort. Alle sind angereist, um zumindest ein bisschen Rummel zu veranstalten. Und der Sonntag gehört natürlich den Kirchen.

Heute, am Sonntag, wird nicht verhandelt. Dafür sind besonders die vielen nicht-staatlichen Akteure am Start. Und die Kirchlichen Vertreter werden sichtbar. Morgens gibt es einen katholischen Gottesdienst zu Klimagerechtigkeit mit Kardinal Oscar Rodriguez, Präsident von Caritas International und langjähriger Mitstreiter MISEREORs. Mittags dann ein ökumenisches „Multi-Faith Prayer“. Unter dem Dach des  Netzwerks „CIDSE“ sind natürlich auch die Vertreter der kirchlichen Hilfswerke aus Europa und Nordamerika zur Messe angerückt.

Samstag auf der Demo

Auch am Samstag war die große inter-religiöse Klima-Szene schon aktiv: Bei einer Demo der Zivilgesellschaft zum „Global Day of Action“ quer durch Durban. Wir waren dabei. Und vor allem waren unsere Partner mit dabei, die für unseren Projektpartner-Workshop am Tag zuvor angereist waren. Ein toller Auftakt für einen Workshop, um Gruppengefühl zu entwickeln. Leider streikte – wie in Kopenhagen vor zwei Jahren – der große Ballon der über uns schweben sollte. Letztes Mal hatten wir zu wenig Helium, dieses Mal hat ein Loch das Helium entweichen lassen. So diente der Ballon später zumindest als Regenschirm und Sonnenschutz :) (weiterlesen…)

30
Nov

So komplex ist der Klimagipfel…

Von Anika Schroeder

Ich wurde heute gefragt, wie sich die Komplexität der Verhandlungen, von denen ich im Interview sprach, konkret auswirkt. Am besten sieht man das am täglichen Programm.

YouTube Preview Image Hier winzige Auszüge aus der heutigen Agenda – ich habe durchaus konkrete Verhandlungspunkte rausgesucht:

Further implementation of Article 12, paragraph 5, of the
Convention3
[Item 4(c) of the provisional agenda]
(d) Provision of financial and technical support
[Item 4(d) of the provisional agenda]
(FCCC/CP/2011/7 and Add.1 and Add.2,
FCCC/SBI/2011/INF.9, FCCC/SBI/2011/MISC.4)

5. National adaptation plans4
[Item 7 of the provisional agenda]
(a) A process to enable least developed country Parties to
formulate and implement national adaptation plans,
building upon their experience in preparing and
implementing national adaptation programmes of action5
[Item 7(a) of the provisional agenda]
(FCCC/SBI/2011/12, FCCC/SBI/2011/MISC.7,
FCCC/SBI/2011/13)

(b) Modalities and guidelines for least developed country
Parties and other developing country Parties to employ
the modalities formulated to support national adaptation
plans6
[Item 7(b) of the provisional agenda]
(FCCC/SBI/2011/12, FCCC/SBI/2011/MISC.7,
FCCC/SBI/2011/13)

Da ich heute packen muss, folgt leider keine Erklärung. Aber: Das den Partnern nahe zu bringen ist nächste Woche mein Job. Wie ihr euch denken könnt, habe ich durchaus Respekt vor dieser Aufgabe! (weiterlesen…)

29
Nov

Enttäuschend: Der Klimagipfel in der deutschen Presse

Von Anika Schroeder

Zum ersten Mal bin ich nicht schon von Anfang an bei einer Klimakonferenz dabei. Zum ersten Mal verfolge ich die Medienberichterstattung aktuell von Deutschland aus und sehe die Berichte nicht erst Wochen später im Pressespiegel. Ich bin – naja – enttäuscht. Zum einen, dass so gut wie gar nicht berichtet wird. Zum anderen, was berichtet wird. Ist der Klimawandel nun doch nicht so schlimm?

Eine prominente Nachrichtensendung zeigt statt Beiträgen zum Klimawandel unter diesem Stichwort einen Beitrag zur Luftverschmutzung in China. So schlimm das ist: Hat das was mit der Klimaverhandlung zu tun? Luftfilter wären wichtig, würden aber das Klima nicht retten. Ein gutes Zeichen dafür, dass der Klimawandel momentan nicht spannend genug ist bzw. nichts Neues zu bieten hat. Stimmt auch: Die Treibhausgasemissionen steigen an, die globale Mitteltemperatur steigt, vielerorts verdorren die Ernten, der Meeresspiegel steigt an. Es geht „nur“ schneller als erwartet.

Und genau dieses Katastrophenszenario mag der Großteil der Gesellschaft wohl einfach nicht mehr hören. Deprimierend genug ist die Finanzkrise. Sie muss mit positiven Gedanken bekämpft werden. „Konsum statt Depression.“ Die Sonne des Novembers und die warmen Temperaturen (Achtung: trockenster November seit Beginn der Wetteraufzeichnungen!) helfen, Schlechtes zu ignorieren. Weihnachten steht an. Und ja: Konsum steht an. Kein Wunder, dass die Medien da in die Falle tappen, den Klimawandel wieder mal anders zu beleuchten.

Ist alles vielleicht gar nicht sooo schlimm?

Im ZDF beschäftigte sich das „philosophische Quartett“ mit dem Klimawandel. Angetreten sind Gerd Ganteför, Physiker und Kritiker von Katastrophenszenarien angesichts des Klimawandels, und als Gegenspieler Frank Schätzing, Erfolgsautor von „Der Schwarm“. Beide Buchautoren. Beide erfolgreiche Buchautoren. (weiterlesen…)

25
Nov

Countdown to Durban

Von Anika Schroeder

…das Postfach meldet eine neue Studie nach der anderen und füllt sich mit Veranstaltungseinladungen aus aller Welt, die alle an einem Ort stattfinden: in Durban! Parallel klingelt das Telefon am laufenden Band und ich sehe die KollegInnen von der Presseabteilung an einem Tag häufiger als sonst in einem Monat. Während Abrechnungen der letzten Dienstreise anstehen, plane ich schon die nächste. Eindeutig: Es ist Ende November – die alljährliche Klimakonferenz steht an! Und wieder mache ich für MISEREOR den Zirkus mit. Warum eigentlich?

Vor bald 20 Jahren wurde in Rio de Janeiro auf  dem Erdgipfel zu Nachhaltiger Entwicklung beschlossen, die globale Erwärmung zu bekämpfen. Seitdem finden Klimakonferenzen auf höchster Ebene statt.  Im 17. Jahr nun bereits. Sie sind die Treffen der Unterzeichnerstaaten der internationalen Klimarahmenkonvention, in der sich alle verpflichten, die Klimakrise zu verhindern. Gleichzeitig sind sie – in diesem Jahr zum siebten Mal – die Verhandlungsrunde derer, die das Kyoto-Protokoll ratifiziert haben.

Ich spare mir hier jetzt Einzelheiten zum Verhandlungsinhalt. Das folgt in den nächsten Tagen. Nur so viel: Das Kyoto-Protokoll ist bisher das einzig rechtsverbindliche Dokument zum Klimaschutz. Verpflichtungen gelten nur für Industrieländer (ohne USA!), sind sehr gering und die erste Verpflichtungsperiode läuft bereits 2012 aus! So viel zur Tragik der nun bald zwei Jahrzehnte laufenden Verhandlungen, wie der Klimakrise begegnet werden kann.

Jedes Jahr gewinnen die Verhandlungen an Komplexität und von Jahr zu Jahr steigen, schwinden und erwachsen erneut die Hoffnungen. Immer wieder wird in und zwischen Umwelt- und Entwicklungsorganisationen diskutiert, ob man noch an den internationalen Prozess glauben soll, ob wir noch Energie hineingeben, ob es sich noch lohnt, zu reisen. Und doch steigen die Teilnehmerzahlen der Konferenzen weiter an: Auf nunmehr 25.000 Leute. Mehr als während der Fußball WM in Durban zu Gast waren! Denn zunehmenden werden diese Tagungen auch Lernorte für Klimaschutz, Erneuerbare Energien, Anpassung an den Klimawandel usw. Tausende Parallelveranstaltungen, Seminare und Workshops finden statt.

YouTube Preview Image

(weiterlesen…)

18
Nov

Das Wald-Volk

Von Gast

Die Journalistin Melanie Hofmann reiste mit MISEREOR-Referentin Anika Schroeder zu den Orang Rimba nach Sumatra, einem Volk, das traditionell eng verbunden mit dem Wald lebt. Seit das Gebiet der Orang Rimba zum Nationalpark erklärt wurde, sollen sie nun aus dem Herzen des Waldes vertrieben werden. Hier berichtet Melanie Hofmann, wie die Orang Rimba sich dagegen zur Wehr setzen:

Der Wald - ursprünglicher Lebensraum der Orang Rimba.

Der Wald - ursprünglicher Lebensraum der Orang Rimba.

“Die Orang Rimba haben ihr eigenes System, den Wald zu schützen. Sie haben Regeln, die die Bevölkerung von außerhalb und sie selbst einschränken, gewisse Regionen des Waldes zu nutzen. Laut altem Gewohnheitsrecht ist vor allem der tiefste Teil des Waldes Tabu. Hier leben die Orang Rimba bis heute. Sie schlagen kein Holz ein. Sie glauben an das Weitergeben alter Traditionen und Weisheiten, um den Wald zu schützen. Nur einmal im Jahr beispielsweise ernten sie wilden Honig in den zwei Meter breiten Ziala-Bäumen – ihr Brauch verbietet, das öfter zu tun.
2004 hat die Regierung auf dem Gebiet der Orang Rimba einen Nationalpark ausgerufen. Die Idee ist eigentlich gut, allerdings kommen Nationalparks meist auch mit Zonen. In Zone 1, dem Kern des Schutzgebietes, dürfen keine Menschen leben. „Wo jetzt Zone 1 ist, der Kern des Urwalds, das war eine riesige Fläche, auf der die meisten von uns gelebt haben“, sagt Mijak Tampung. Eigentlich hat er keinen Nachnamen, der Zusatz „Tampung“ heißt so viel wie „vom Land“. 13.000 Hektar ist Zone 1 groß. Er ergänzt, dass auch der Nutzwald in Zone 1 fallen soll.
Jetzt sollen die Stämme aus dem Herzen des Waldes und aus ihrem Nutzwald vertrieben werden – oder zumindest der Versuch ist gestartet. Laut Mijak soll die Zonierung durchgesetzt werden, auch gegen den Willen der Orang Rimba. „Niemand hat uns gefragt, bevor der Nationalpark errichtet wurde“, so der junge Stammführer. Das sei das Schwierige für die Orang Rimba: Sie fühlen sich im Stich gelassen, weil sie nicht in den Prozess involviert wurden. (weiterlesen…)

MISEREOR-Blog läuft mit WordPress Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS).