MISEREOR-Experte Georg Stoll berichtet vom Weltsozialforum in Dakar. Dort diskutierte MISEREOR vor Ort mit Partnern aus 25 Ländern über “Landgrabbing”.

Bauernorganisationen demonstrieren in Dakar gegen Landgrabbing
Wie ist es zu bewerten, wenn Investoren riesige landwirtschaftliche Flächen in Afrika aufkaufen, um dort Pflanzen für Agrartreibstoffe oder andere Exportprodukte anzubauen, und dabei gleichzeitig den dort lebenden Bauernfamilien ihre Lebensgrundlage rauben?
Von Montag bis Mittwoch haben 50 Teilnehmer/innen aus 25 Ländern auf Einladung von Misereor, FIAN, dem Netzwerk Afrika und lokalen Partnern am Rand des Weltsozialforums im Senegal dieses so genannte „Landgrabbing“ analysiert und diskutiert. Die Fakten und Fallbeispiele haben dabei deutlich werden lassen, dass diese Art der Investition in Land Menschen in Armut und Hunger treibt und darüber hinaus fast immer mit erheblichen und irreversiblen Schäden für Klima und Umwelt verbunden ist.
Während Konflikte um Landbesitz und Landnutzung ein altes Thema sind, ist der Aufkauf großer Flächen durch meist ausländische Investoren ein neues und rapide anwachsendes Phänomen. Die Absichten der Investoren mögen vielfältig sein, eines ist ihnen gemeinsam: Sie sehen in dem Land lediglich ein Produktionsmittel, das sie gewinnbringend nutzen möchten und kümmern sich nicht um die Menschen, die dort leben. Da diese zwar über traditionelle Nutzungsrechte verfügen, in der Regel aber keine formalen Landtitel haben, sind sie Enteignungen und Vertreibungen hilflos ausgeliefert.
Zwei Argumente, die von Investoren (und lokalen Regierungen, die häufig auf Kosten ihrer eigenen Bevölkerung mit Investoren zusammenarbeiten) immer wieder angeführt werden, wurden auf dem Workshop als Schutzbehauptungen enttarnt: Dass die in Frage stehenden Ländereien ja ohnehin nicht genutzt würden; und dass der Landkauf eine Win-Win-Situation für beide Seiten sei. In allen bekannten Fällen wurde und wird das Land von ortsansässiger Bevölkerung genutzt – wenn auch natürlich nicht in der Form von Großplantagen und Monokulturen. Und auch eine gleichberechtigte Verteilung von Nutzen und Kosten konnte in keinem Fall nachgewiesen werden. Wenn die lokale Bevölkerung überhaupt einen Nutzen hat, fällt dieser gering aus und ist nicht dauerhaft – ganz im Gegensatz zu den Schäden, mit denen die Menschen vor Ort klar kommen müssen. (weiterlesen…)