MISEREOR-Blog: Kampagnen

28
Mrz

Der Jugend ins Zimmer geschaut

Von Ralph Allgaier

Schon mal was von experimentalistischen Hedonisten gehört? Den spaß- und szeneorientierten Nonkonformisten mit ausgeprägtem Fokus auf das Leben im Hier und Jetzt?

Oder kennen Sie die adaptiven Pragmatiker mit extrem hoher Anpassungsfähigkeit, die in jungen Jahren schon  super strukturiert ihre exakten Lebenspläne entwerfen?

Die neue Sinusstudie wird bei einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt.

Einiges gäbe es auch zu sagen über die soziakökologischen und konservativ-bürgerlichen Milieus, die markenfixierten Materialisten aus weniger gebildeten Schichten oder die sogenannten Prekären, die mit Tempo und Erwartungsdruck der modernen Gesellschaften kaum oder gar nicht mehr zurande kommen. (weiterlesen…)

28
Mrz

Widerstand als Pflicht

Von Daniela Singhal

„Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!“, sagte Bertolt Brecht einmal zum Thema Widerstand. Ein Widerstand, der Aussicht auf Erfolg haben soll, braucht manchmal eine starke Koalition. Vor allem, wenn er sich gegen Korruption, gegen starke politische Gegenpole wendet.
Im Kampf gegen Intransparenz im Rohstoffsektor ist MISEREOR diese Koalition mit Brot für die Welt, Transparency International und dem Global Policy Forum eingegangen. Seit Jahren engagieren sich diese Organisationen für mehr Transparenz im Rohstoffhandel. Heute richtete sich ihr Widerstand in Berlin gegen die Bundesregierung, die momentan die Pläne der EU für mehr Transparenz im Rohstoffsektor blockiert. (weiterlesen…)

27
Mrz

Zu gut für die Tonne

Von Daniela Singhal

Verbraucherministerin Ilse Aigner stellt in Berlin neue Kampagne zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen vor. Das ist gut. Aber:

Heute Morgen habe ich den Abfall unseres Vier-Personen-Haushalts weggeworfen -  zwei Säcke voll mit was auch immer nach nur zwei Tagen – und mich an eine Zahl erinnert, die das Verbraucherministerium vor Kurzem veröffentlicht hat: 82 Kilogramm Lebensmittel werfe ich als Bundesbürgerin jährlich im Durchschnitt auf den Müll. Und trage damit zu den 11 Millionen Tonnen Lebensmittelabfällen in Deutschland bei. 11  Millionen Tonnen. Was für eine Zahl!  Unser Anteil an den über 30 Prozent, der weltweit produzierten Lebensmittel, die so wie unsere zwei Säcke heute Morgen auf dem Müll landen. Was sagt man dazu? (weiterlesen…)

18
Mrz

Kinder erleben trommelnd Afrika

Von Gast

„Unser tägliches Brot gib uns heute“, so lautet das offizielle Misereor-Kinderlied, das Herbert Adam geschrieben und Markus Hoffmeister vertont hat. Bei der Trommelreise, zu der Vorschulkinder aller katholischen Kindertagesstätten im Bistum Speyer eingeladen waren, war es vier Mal aus mehr als 400 Mündern zu hören – laut und schön. Zweimal im Saalbau in Homburg und zweimal im Heinrich Pesch Haus in Ludwigshafen lud Markus Hoffmeister die Kinder ein, mit ihm nach Afrika zu fliegen, das Land und die Kultur ein bisschen kennenzulernen – aber auch etwas über die Not der Menschen dort zu erfahren.

Markus Hoffmeister reist mit 1.600 Kita-Kindern trommelnd durch Afrika

Markus Hoffmeister reist mit 1.600 Kita-Kindern trommelnd durch Afrika

Das Tolle an den Trommelreisen mit Markus Hoffmeister ist, dass wirklich jedes Kind und jeder Erwachsene seine eigene Trommel hat und mitmachen kann.  Mit viel Humor und Einfühlungs- vermögen schafft er es, alle Kinder während seines Programms zu fesseln und zu begeistern. Das beginnt bereits mit dem Start in seinem alten Flugzeug, das sich die Kinder vortrefflich vorstellen können: Sie werfen den Propeller an, fliegen scharfe Kurven, setzen zur Landung an und bremsen hart ab. Sie werden in dem fremden Land willkommen geheißen von den Trommeln, singen und trommeln gemeinsam ein Begrüßungslied, lernen die ersten Worte afrikanisch, entdecken und hören die Tiere des Urwalds: die Schlange, die sich zischend über die Trommel schleicht, den Panther, der mit seinen schwarzen Krallen das Trommelfell kratzt, die Affen, die schreiend durch die Bäume brechen, und die Elefanten, die die Erde zum Beben bringen. (weiterlesen…)

12
Mrz

Kony in den Köpfen

Von Daniela Singhal

Die Webkampagne “Kony 2012″ jagt den afrikanischen Rebellenführer Joseph Kony. Eine umstrittene Kampagne. Unumstritten ist: Im Norden Ugandas leiden die Menschen noch heute unter den Folgen der Schreckensherrschaft Konys. 

Die Schüler in der Sankt Judes Grundschule berichten von ihren traumatischen Erlebnissen während des Bürgerkriedes in Norduganda. An der Schule werden Lehrer eingesetzt, die in einem von MISEREOR geförderten Projekt zu psychologischen Beratern ausgebildet wurden.

Die Schüler in der Sankt Judes Grundschule berichten von ihren traumatischen Erlebnissen während des Bürgerkriedes in Norduganda. An der Schule werden Lehrer eingesetzt, die in einem von MISEREOR geförderten Projekt zu psychologischen Beratern ausgebildet wurden.

Im April 2011 besuchte ich zusammen mit einem Fotografen und einer Journalistin die Region Gulu. Über 20 Jahre bekämpften sich hier das ugandische Militär und die paramilitärische Gruppe ‚Lord’s Resistance Army‘ (LRA). Unser Reiseplan rief einige Skeptiker auf den Plan: Was wollt ihr denn dort? Der Krieg ist doch schon lange vorbei, Kony und seine Rebellen haben die Region verlassen, die Flüchtlingscamps sind geräumt, es gibt nichts zu sehen. Es gibt Frieden. Wirklich? (weiterlesen…)

2
Nov

Ressourcenabbau in Lateinamerika – Wer trägt die Verantwortung?

Von Daniela Singhal

Deutschlands Wirtschaft ist abhängig von Rohstoffimporten. Entsprechend hoch hat die Bundesregierung die Rohstoffsicherung auf die politische Agenda gesetzt – und vor einem Jahr eine Rohstoffstrategie veröffentlicht. In der Öffentlichkeit weniger diskutiert werden die Folgen des Rohstoffabbaus in den Ursprungsländern. In den meisten Ländern Südamerikas – darunter Peru und Kolumbien – profitiert die Bevölkerung kaum vom Exporterfolg. Im Gegenteil.

Tagung zu Rohstoffabbau in den Anden

Tagung am 26.Oktober in Berlin zu Rohstoffabbau in den Anden

Welche Verantwortung haben Deutschland und die anderen europäischen Länder am Raubbau an der Natur, an Menschenrechtsverletzungen? Im Rahmen der Fachtagung „Rohstoffe aus dem Andenraum für Deutschland“ von  Fian, Kolko, Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V., MISEREOR und Brot für die Welt diskutierten Experten diese und andere Fragen.

„Der Bedarf an endlichen Rohstoffen steigt stetig an“, erklärt Lilli Fuhr, Referentin der Heinrich-Böll-Stiftung. „Das gilt auch für fossile Brennstoffe wie Öl und Kohle.“ Dieser Bedarf wird zunehmend von Schwellenländern in Lateinamerika gedeckt. Kolumbien ist mittlerweile größter Kohlelieferant Deutschlands. Peru ist größter Silber- und zweitgrößter Kupferproduzent weltweit. Die Rolle Lateinamerikas als Exporteur wertvoller Ressourcen ist von 1990 mit zwölf Prozent auf nunmehr 35 Prozent Weltmarktanteil im Jahre 2009 gestiegen.
César Padilla vom Observatorio de Conflictos Mineros de América Latina kennt die Gründe für dieses Wachstum: „Lateinamerika ist unglaublich reich an Ressourcen. Es gibt Gold, Silber, Kupfer und vor allem Kohle. Rohstoffe, von denen die Weltwirtschaft abhängig ist. Dementsprechend groß ist natürlich die Nachfrage.“ Im Endeffekt sind es allerdings große transnationale Konzerne, die sehr stark von dieser Nachfrage profitieren (weiterlesen…)

30
Sep

Vertreibung ist keine Lösung!

Von Daniela Singhal

Informelle Siedlungen, Ghettos, Favelas, Shanty Towns. Ihre Namen sind so vielfältig wie ihre Standorte. Die Rede ist von den städtischen Armutsvierteln dieser Welt. Rund eine Milliarde Menschen leben weltweit in nahezu 200.00 Armutsvierteln, denen oftmals eins gemein ist: menschenunwürdige Lebensumstände.

 

Leben im Slum: Nairobi

Leben im Slum: Nairobi

 

Wie werden sich unsere Städte in Zukunft entwickeln? Wie kann man sie nachhaltig planen und wie lassen sich die Bedingungen in den Armutsvierteln dieser Welt nachhaltig verbessern? Diesen und anderen Fragen wurde bei dem Symposium   „Urban shack settlements: Improvement of local living conditions or forced evictions?, dass MISEREOR zusammen mit UN-Habitat und der TU Berlin veranstaltete, diskutiert.
Den Hintergrund dieser Zusammenkunft brachte Peter Herrle, Leiter der Habitat Unit an der TU Berlin, auf den Punkt: „Was uns hier zusammenkommen lässt, ist die Gewissheit, dass Vertreibung niemals die Lösung für diese Probleme sein kann. Wir sind hier, um stattdessen gemeinsam nach Ideen und Ansätzen zu suchen.“
Dass die Lage in den Städten dieser Welt prekär ist und noch prekärer werden weiß auch Miloon Kothari, ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für Fragen des angemessen Wohnens: „Sehr viele moderne Städte sind von Segregation, Exklusion und Ungerechtigkeit gekennzeichnet. Dahinter steht oftmals eine Politik, die auf Diskriminierung und  Rassismus basiert.“ (weiterlesen…)

20
Sep

Faire Behandlung durch Fairen Handel

Von Daniela Singhal

Auftakt zur Fairen Woche mit MISEREOR-Partner Shay Cullen von den Philippinen

„Fair Trade“ ist für Pater Shay Cullen mehr als nur ein Label, viel mehr. Zum Auftakt der Fairen Woche in Berlin berichtete der Initiator des MISEREOR-Partners Preda im Weltladen „COEO – Haus der guten Taten“ in Berlin-Steglitz von seiner Arbeit auf den Philippinen. Davon, wie er den Menschen auf den Philippinen mit fair gehandelten Mangos ein besseres Leben ermöglicht.
Pater Shay Cullen kämpft auf den Philippinen für Kinderrechte

Pater Shay Cullen kämpft auf den Philippinen für Kinderrechte

„Vielen Einheimischen war gar nicht bewusst, dass man mit den Mangos auch sehr gut verdienen kann“, sagt Pater Cullen. „Fast überall auf den Philippinen wachsen die süßen Früchte zuhauf, aber nur wenige Bauern wissen, wie sie diese profitabel verkaufen können.“  Cullens Organisation ‚Preda‘ hilft ihnen dabei.

Durch die Arbeit und das Engagement von ‚Preda‘ geht der Profit nämlich direkt, ohne Zwischenhändler, an ländliche Bauern und sichert ihnen so ein sicheres und vor allem überdurchschnittliches Einkommen und entsprechende Bildung für ihre Kinder: „Mit dem Ertrag nur eines Mangobaums lässt sich das Schulgeld von zwei Kindern für ein Jahr bezahlen“, so Cullen.
Durch die Einnahmen und den zusätzlichen Verkauf von getrockneten Früchten werden außerdem zahlreiche Projekte verwirklicht, die unter anderem Opfern von sexueller Gewalt und Missbrauch helfen, zum Beispiel mit Hilfe spezieller therapeutischer Unterstützung. Cullen liegt dieses Thema besonders am Herzen: „Eines der Mädchen, dem wir helfen konnten, war erst neun Jahre alt“, erzählt er.

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11
Feb

Weltsozialforum in Dakar: Misereor-Partner verurteilen Landgrabbing

Von Gast

MISEREOR-Experte Georg Stoll berichtet vom Weltsozialforum in Dakar. Dort diskutierte MISEREOR vor Ort mit Partnern aus 25 Ländern über “Landgrabbing”.

Bauernorganisationen demonstrieren in Dakar gegen Landgrabbing

Bauernorganisationen demonstrieren in Dakar gegen Landgrabbing

Wie ist es zu bewerten, wenn Investoren riesige landwirtschaftliche Flächen in Afrika aufkaufen, um dort Pflanzen für Agrartreibstoffe oder andere Exportprodukte anzubauen, und dabei gleichzeitig den dort lebenden Bauernfamilien ihre Lebensgrundlage rauben?

Von Montag bis Mittwoch haben 50 Teilnehmer/innen aus 25 Ländern auf Einladung von Misereor, FIAN, dem Netzwerk Afrika und lokalen Partnern am Rand des Weltsozialforums im Senegal dieses so genannte „Landgrabbing“ analysiert und diskutiert. Die Fakten und Fallbeispiele haben dabei deutlich werden lassen, dass diese Art der Investition in Land Menschen in Armut und Hunger treibt und darüber hinaus fast immer mit erheblichen und irreversiblen Schäden für Klima und Umwelt verbunden ist.

Während Konflikte um Landbesitz und Landnutzung ein altes Thema sind, ist der Aufkauf großer Flächen durch meist ausländische Investoren ein neues und rapide anwachsendes Phänomen. Die Absichten der Investoren mögen vielfältig sein, eines ist ihnen gemeinsam: Sie sehen in dem Land lediglich ein Produktionsmittel, das sie gewinnbringend nutzen möchten und kümmern sich nicht um die Menschen, die dort leben. Da diese zwar über traditionelle Nutzungsrechte verfügen, in der Regel aber keine formalen Landtitel haben, sind sie Enteignungen und Vertreibungen hilflos ausgeliefert.

Zwei Argumente, die von Investoren (und lokalen Regierungen, die häufig auf Kosten ihrer eigenen Bevölkerung mit Investoren zusammenarbeiten) immer wieder angeführt werden, wurden auf dem Workshop als Schutzbehauptungen enttarnt: Dass die in Frage stehenden Ländereien ja ohnehin nicht genutzt würden; und dass der Landkauf eine Win-Win-Situation für beide Seiten sei. In allen bekannten Fällen wurde und wird das Land von ortsansässiger Bevölkerung genutzt – wenn auch natürlich nicht in der Form von Großplantagen und Monokulturen. Und auch eine gleichberechtigte Verteilung von Nutzen und Kosten konnte in keinem Fall nachgewiesen werden. Wenn die lokale Bevölkerung überhaupt einen Nutzen hat, fällt dieser gering aus und ist nicht dauerhaft – ganz im Gegensatz zu den Schäden, mit denen die Menschen vor Ort klar kommen müssen. (weiterlesen…)

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