Autorenarchiv

19
Jan

Weihnachten, u.a. in Sambia

Von Martin Gottsacker

St.Martin in Sambia

St.Martin in Sambia

Wenn man für eine längere Zeit im Ausland lebt, versucht man, deutsche Traditionen und Gebräuche besonders aufgrund der Kinder aufrecht zu erhalten. Weihnachten ist zwar nun schon wieder einige Wochen her, aber ich möchte trotzdem noch unsere Erfahrungen und Erlebnisse teilen.

Weihnachten bei über 30 Grad. Da kommt nicht wirklich eine weihnachtliche Stimmung auf. Daran konnten auch die Weihnachtslieder im Supermarkt, Weihnachtsschmuck oder unser herrlich geschmückter Plastik-Weihnachtsbaum nicht viel ändern. Trotzdem haben wir das Beste daraus gemacht und besonders unserer Tochter versucht, Weihnachten näher zu bringen.

Einen großen Anteil daran hatten Freunde von uns, die für einige deutsche Familien eine Weihnachtsandacht abhielten. So versammelten sich am 24. rund 15 Erwachsene und genau so viele Kinder jeglichen Alters, um Weihnachten zu begehen. Es wurde die Weihnachtsgeschichte gelesen, mit musikalischer Begleitung Weihnachtslieder gesungen und zum Schluss bauten die Kinder die Krippe auf. Der Tag schloss mit original deutschem Weihnachtsstollen und Gebäck.

St.Martinsumzug mit Laternen im Herzen Afrikas

St.Martinsumzug mit Laternen im Herzen Afrikas

Ein weitere Aktion war St. Martin. Einige deutsche Botschaften in afrikanischen Ländern organisieren für die deutschen Kinder einen Martinsumzug. In Sambia war das 2011 leider nicht der Fall. So nahmen wir das Ganze selber in die Hand. (weiterlesen…)

31
Aug

Gewalterfahrungen von Kindern und Jugendlichen in Lusaka

Von Martin Gottsacker

Youth Alive Zambia hat sich entschlossen neben der HIV-Prävention auch präventiv gegen Formen von Gewalt mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Aus diesem Grund habe ich eine Arbeitsgruppe mit interessierten Freiwilligen gegründet, um zukünftige Aktivitäten zu planen.

Martin Gottsacker arbeitet in der Jugendorganisation "Youth Alive Zambia".

Martin Gottsacker arbeitet in der Jugendorganisation "Youth Alive Zambia".

Unsere erste Aufgabe war es, eine Untersuchung mit sambischen Kindern und Jugendlichen durchzuführen, um Erkenntnisse über deren Erfahrungen und Meinungen bzgl. Gewalt und Menschenrechte zu erhalten. Einen Schwerpunkt bildete dabei die Gewalt gegenüber Mädchen und Frauen. Die Ergebnisse sollen uns Hinweise geben, wie genau wir weitere Aktivitäten planen. So wollen wir Videos produzieren, Materialien verteilen, Ausstellungen organisieren und themenzentrierte Workshops planen. Wir haben insgesamt 270 Fragebögen in verscheidenen Klassenstufen an fünf verschiedenen Schulen verteilt. 19,22% der Befragten waren zwischen 12 und 14 Jahren alt, 72,55% zwischen 15 und 18 und 8,24% waren zwischen 19 und 22 Jahre alt. Die Aufteilung zwischen Mädchen und Jungs war in etwa gleich.
Die Ergebnisse waren teilweise erschreckend und schockierend und fordern zu dringenden Handlungen auf. Rund 75% der Befragten haben in ihrem Leben schon mal Gewalt erlitten. Rund die Hälfte wurde geschlagen, 70% von diesen öfter als einmal. Körperliche Gewalt ist für viele Kinder und Jugendliche Normalität. 50% der Befragten sagten, dass dass Schlagen üblich ist und 20% sehen es als adaequate Erziehungsmethode an. Fast ein Fünftel gab an, dass Männer ihre Ehefrauen schlagen. 42% sind Opfer von sexueller Gewalt: 10% wurden vergewaltigt (die Hälfte davon öfter als einmal), 12% boten ihren Körper als Gegenleistung für Gefälligkeiten an (über 2/3 mehr als einmal), und fast 20% wurden an ihren Intimzonen angefasst. Kinder und Jugendliche sind traumatisiert, häufig bleiben die Betroffenen allein mit ihren Erfahrungen, Sorgen und Nöten. (weiterlesen…)

29
Mrz

Netzwerken für junge Menschen

Von Martin Gottsacker

Seit meinem letzten Blogeintrag im Dezember 2010 ist mal wieder eine Menge passiert, über das ich berichten möchte. Weihnachten und den Jahreswechsel haben wir in Deutschland mit Familie und Freunden verbracht, was wirklich schön war. Wie herrlich kann Kälte und Schnee sein! Eine Erfahrung, die ich so nicht erwartet habe, geniesse ich doch auch das immerwarme sonnige Wetter.

Acht Jugendorganisationen haben in Sambia ein Netzwerk gegründet.

Mitte Januar hat Youth Alive Zambia nach einer mehrwöchigen Weihnachtspause dann wieder seine Pforten geöffnet und Anfang Februar habe ich dann meinen ersten Geburtstag in Sambia gefeiert. Unsere Tochter Josephine geht seit einigen Wochen in den Kindergarten, den sie wirklich geniesst. Es ist unheimlich schön, seine Tochter in dieser herrlichen, kinderfreundlichen Umgebung aufwachsen zu sehen. Aber es gibt natürlich auch berufliches Erwähnenswertes.

Besonders eine schöne Initiative möchte ich hervorheben:
Gemeinsam mit insgesamt acht Jugendorganisationen habe ich ein neues Jugendnetzwerk gegründet. Der Name “Youth Empowerment Network” spiegelt da sehr gut unsere Zielsetzung und Intention wider. (weiterlesen…)

6
Dez

Mit Jugendlichen debattieren

Von Martin Gottsacker

Gut ein Monat ist nach dem letzten Blogeintrag schon wieder vergangen – Zeit,  wieder von Neuigkeiten zu berichten. Der November war mal wieder voller Aktivitäten bei Youth Alive Zambia.

Sambische Teenies blühen bei Schuldebatten auf

Herausragend war eine Schuldebatte, die Youth Alive Zambia gemeinsam mit den Vereinten Nationen und dem Gender-Ministerium durchgeführt hat. Insgesamt acht Schulen traten gegeneinander an und debattierten rund um das Oberthema “Gewalt gegen Frauen”. Die häusliche Gewalt gegen Frauen ist in Sambia aus verschiedenen Gründen weit verbreitet und nimmt unterschiedliche Formen an. Dazu zählen physische Gewaltakte, sexuelle Übergriffe, seelische Erniedrigung und nicht zuletzt ökonomische Abhängigkeit.

Gewalt gegen Frauen in Sambia hat sowohl Ursachen, die überall auf der Welt anzutreffen sind als auch traditionelle, kulturelle Gründe. Sambia weist eine patriarchalisch geprägte Gesellschaft auf, in der der Mann der Frau gegenüber als höher gestellt angesehen wird. Der Mann hat das Sagen – die Frau hat zu folgen. Und dies umfasst alle denkbaren Lebensbereiche, auch die Sexualität.

Der Alkohol ist ein großer Faktor, der körperliche und sexuelle Gewalt begünstigt.

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10
Nov

Besuch in Lusaka

Von Martin Gottsacker

In den letzten Wochen war hier viel los. Zum ersten Mal konnte ich in Lusaka Misereor-Mitarbeiterinnen willkommen heissen. Dorothee Klüppel, Leiterin der Afrikaabteilung, Sybille Nickolmann, Mitarbeiterin der Abteilung “Evaluierung und Qualitaetsmanagement” und Leila Broich, Trainee mit dem Schwerpunkt “wirkungsorientiertes Planen, Monitoren und Evaluieren” kamen für jeweils unterschiedliche Zeiträume nach Sambia. Anlass für ihren Besuch waren zwei Workshops zum Thema “Wirkungsorientierung von Misereor”, die mit den sambischen Partnerorganisationen durchgeführt wurden.

Welche Wirkung erzielt unsere Arbeit?

In Aktion: Bei einem Workshop mit Youth Alive Zambia.

Das Thema “Wirkungen” begleitet die internationale Entwicklungszusammenarbeit nun schon seit einigen Jahren und ist auch ein zentrales Anliegen von Misereor. Mit der Frage nach den Wirkungen beschäftigen  sich die Projekte nun verstärkt. Aus diesem Grund wurden in den Workshops Methoden vermittelt, wie die einzelnen Projektaktivitäten auf ihre Wirkungen hin überprüft werden können.

Die TeilnehmerInnen waren sehr interessiert an den neuen Herangehensweisen und überlegten sich schon während des Workshops einige praktische Vorgehensweisen für die Zukunft. – Der Workshop kann als ein Startpunkt für die Wirkungsorientierung gesehen werden, eine enge Zusammenarbeit mit Misereor ist in Zukunft allerdings wohl notwendig. Aber die Kommunikation mit den Partnern ist ja eine Stärke von Misereor.

Nach dem Workshop habe ich dann noch Leila Broich begleitet, um einige Projekte in Sambia zu besuchen. (weiterlesen…)

13
Okt

10 Tage Kapstadt – Dienstreise nach Südafrika

Von Martin Gottsacker

10 Tage Kapstadt – eine gelungene Abwechslung von Lusaka! Vom 30.September bis 9.Oktober bin ich zu einer Fortbildung und zu Gesprächen mit Partnern von Sambia nach Südafrika gereist. Und mit neuen Erkenntnissen zurückgekehrt.

Während der Weiterbildung in Südafrika

Während der Weiterbildung in Südafrika

Anlass für die Reise war primär eine Weiterbildung zum Projektmanagement, genau: zum Thema “Planning, Monitoring, Evaluation and Reporting”. Bei dem Training ging es also um den kompletten Zyklus eines Projektes. Angefangen von der Planung bis hin zum abschließenden Bericht. Wieso aber eine Fortbildung in Südafrika? Die Weiterbildung in Kapstadt bot inhaltlich die komplette Abdeckung der Projektkomponenten und ich erhoffte mir Input bezüglich alternativer Methoden abseits der gängigen und bekannten. Das neu erworbene Wissen teile ich mit meinen sambischen Arbeitskollegen. Gemeinsam wollen wir ein System entwickeln, wie unsere verschiedenen Clubs an Schulen und in Communities ihre Aktivitäten planen, begleiten und überprüfen können – damit wir ermitteln können, welche Wirkung unsere Aktivitäten haben. (weiterlesen…)

15
Sep

Als Organisationsberater in Sambia

Von Martin Gottsacker

Beim ersten Blog-Eintrag sollte man sich wohl kurz mal vorstellen. Also. Mein Name ist Martin Gottsacker, ich bin 32 Jahre alt und lebe seit März 2010 gemeinsam mit meiner Frau Constanze und unserer einjährigen Tochter Josephine in Lusaka, Sambia. Lusaka ist die Hauptstadt des Landes, und mit rund 1,2 Mio. Einwohnern das wirtschaftliche und politische Zentrum Sambias sowie eine der schnellstwachsenden Städte in Afrika.

Ich arbeite als Programm- und Organisationsberater bei Youth Alive Zambia (YAZ, www.youthalivezambia.org) . YAZ ist ein nationales Programm, das mit Kindern und Jugendlichen arbeitet. Primär geht es dabei um die HIV/AIDS-Prävention, generell versteht sich YAZ aber als eine Organisation, die Kinder und Jugendliche fördern (neudeutsch: “empowern”) möchte.

Sambia ist ein Land, in dem die HIV/AIDS-Rate besonders hoch ist. Die Statistiken schwanken je nach Quelle, Gebiet und Zielgruppe, punktuell sind allerdings wohl bis zu 25% der Bevölkerung mit dem tödlichen Virus infiziert! Um eine nachhaltige Verbesserung der Situation zu erzielen, ist die Arbeit mit jungen Menschen unbedingt erforderlich. (weiterlesen…)

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