20
Okt

Kleinbauern gegen Multinationals – David gegen Goliath?

Von

“Die Sauberkeit unserer Stadt hängt nicht von der Gemeindeverwaltung ab, sondern vom Benehmen seiner Einwohner.” Mit diesen klaren Worten grüßt der Bürgermeister von El Colorado auf einem überdimensionalen Schild seine Einwohner und Besucher der Provinz Formosa, die berüchtigt ist für Wahlbetrug, Korruption und Rassismus.

Der Bürgermeister ist schon seit Jahrzenten im Amt, seine Frau leitet die Grundstücksverwaltung und seine Tochter führt die größte Baufirma der Gegend. Immer wieder werden hier Demonstrationen der indigenen Bevölkerung gewaltsam beendet und Organisationen werden in ihrem Einsatz für die Rechte von Indígenas und Kleinbauern blockiert. Zusammen mit meinen Kolleginen Araceli Pared und Silvia Braidot nahm ich in diesem schwierigen Kontext an einem Treffen verschiedener Organisationen und Bauernverbände teil.

Ein Bauernhof wie aus dem Bilderbuch

Raúl und seine Felder

Raúl und seine Felder

Fernab des nächsten Dorfes findet das Treffen bei einer Kleinbauernfamilie statt und fühlt sich für mich eher wie ein großes Familientreffen an: Ganz selbstverständlich werden die Räume der Familie geteilt, um für alle einen Schlafplatz zu finden. Es wird zusammen gekocht und der Hausherr führt uns begeistert über seine 10 Hektar. Seine Ländereien kommen dem Garten Eden wohl ziemlich nah: Im Winter baut er Salat, Yucca, Kartoffeln, Knoblauch, Karotten und Rote Beete an, im Sommer auch noch Wasser- und Honigmelone und viele andere Leckereien. Die Familie macht eigenen Käse aus der frisch gemolkenen Kuhmilch und die Schweine fühlen sich sichtlich wohl in ihrem Gehege. Gleich nebenan hängen 2 Kilo schwere Grapefruits pflückbereit von den Bäumen. Die Familie bietet außerdem seit einem Jahr so etwas wie “Ferien auf dem Bauernhof” in einer sehr spartanischen Form an und kann damit ihr Einkommen noch ein wenig aufbessern. Ich bin begeistert! Diesen Beitrag weiterlesen »

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14
Okt

Run For Education – Für eine neue Schule im Südsudan

Von

3 Fragen an…

…MISEREOR-Ausbildungsleiter Rolf Giesen. Am 2. November tritt er beim New York Marathon an – und bis dahin sammelt er so viele Spendengelder für ein Bildungsprojekt im Südsudan, wie nur möglich.

Für welches Projekt genau laufen Sie?

Rolf Giesen startet beim New York Marathon

Rolf Giesen startet beim New York Marathon

Giesen: Ich laufe für ein Bildungsprojekt im Südsudan. Dort herrscht seit über 50 Jahren Bürgerkrieg, nicht einmal die Hälfte der Kinder besucht dort eine Schule, es fehlt an Geld für Materialien, Gebäuden und Lehrpersonal. Das noch junge Leben der Kinder ist geprägt von Gewalterfahrungen und Krieg. In der Diözese Rumbek werden daher Grund- und Sekundarschulen aufgebaut, um den jungen Menschen wieder eine Perspektive zu ermöglichen. Besonders hat mich daran bewegt, dass abends auch die Eltern in die Schulen gehen um auch ihr Recht auf Bildung wahrzunehmen. Ich bin im Förderverein der Berufsschule Aachen, Prüfer bei der IHK und helfe Stipendien für Hochbegabte in Beschäftigung zu vergeben – Menschen auf den Weg zu bringen ist mein Thema, das bewegt mich. Außerdem möchte ich zeigen: Bei all den Problemen weltweit haben wir euch nicht vergessen. Diesen Beitrag weiterlesen »

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14
Okt

Einstürzende Fabriken, verlassene Plantagen

Von

Immer wieder wird man als Verbraucher mit den menschenverachtenden Arbeitsbedingungen in globalen Produktionsketten konfrontiert. Als im April 2013 über 1100 Menschen beim Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch ums Leben kamen, geriet dieses Thema weltweit in die Schlagzeilen. Die mediale Aufmerksamkeit hat in der Zwischenzeit wieder abgenommen, doch die Strukturen, die mit zum Tod der Arbeiterinnen und Arbeiter beigetragen haben, sind fortwährend auch in anderen Wirtschaftsbereichen zu finden.

Titelbild - Studie - Harvesting Hunger - Plantation Workers and the Right to Food

Titelbild der Studie: Harvesting Hunger – Plantation Workers and the Right to Food

Vor einem Jahr kamen bei der Suche nach den Unfallursachen nicht nur Missstände im Arbeitsschutz zur Sprache, sondern auch zahlreiche weitere Verletzungen von Arbeits- und Sozialstandards. Vielfach waren die Angeklagten jene Unternehmen, die Kleidung zu Preisen anbieten, die weit unter dem tatsächlichen Material- und Produktionswert liegen, z.B. KIK, C&A, H&M oder Primark.

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12
Okt

Ebola: Ein Krankenhaus im Slum wappnet sich

Von

Im Slum Westpoint der liberianischen Hauptstadt Monrovia könnte sich der Ebola-Virus wie ein Buschfeuer verbreiten. Wie durch ein Wunder ist das bisher noch nicht geschehen. Dr. Klemens Ochel vom Missionsärztlichen Institut in Würzburg berät dort für MISEREOR eine Klinik. Hier berichtet er.

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Der Slum Westpoint wurde berühmt, als die liberianische Regierung versuchte, ihn unter Quarantäne zu stellen und die einzige Ausfahrt sperrte. Fotos: Klemens Ochel

Tag 6 (…): Westpoint ist ein Slum von Monrovia auf einer Halbinsel. Es herrscht eine unvorstellbare Enge und ein Gedränge von Menschen. Hier trifft man Menschen, die geprägt sind vom täglichen Kampf ums Überleben. Sie haben von außen bisher wenig Gutes bekommen. Der Überlebenskampf hat die Menschen zusammengeschweißt. Ebola hat das sogar noch verstärkt. Wir treffen eine Selbsthilfegruppe, die von Haus zu Haus geht. Die jungen Männer und Frauen klären über Ebola auf und raten den Bewohnern, sich regelmäßig mit chloriertem Wasser die Hände zu waschen. Trifft die Gruppe mögliche Ebola-Patienten an, dann rufen sie die Ambulanz. Jasper (Name geändert) ist einer von ihnen. “Wenn wir nicht rasch reagieren, dann kann sich Ebola hier wie ein Buschfeuer ausbreiten,” sagt er. Wie durch ein Wunder ist das bisher noch nicht passiert, obwohl es natürlich schon viele Fälle gegeben hat. Diesen Beitrag weiterlesen »

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10
Okt

Friedensnobelpreis für Malala Youzafzai

Von

Malala Yousafzai hat heute den Friedensnobelpreis erhalten. Mit dem Preis wird ihr Eintreten gegen die Unterdrückung von jungen Menschen und für deren Recht auf Bildung gewürdigt! Bereits im vergangenen Jahr erhielt sie  den Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit des EU-Parlaments. 

Girls in Community School_UEFMalala ist 17. Seit sie elf ist, engagiert sie sich für das Recht auf Bildung für Mädchen und Frauen in ihrer Heimat Pakistan. Vor zwei Jahren ist sie deswegen von pakistanischen Taliban niedergeschossen worden. Aber sie machte weiter. Damit irgendwann alle Mädchen in der Khyber Pakhtunkhwa Provinz, im Nordwesten des Landes, zur Schule gehen können. Im Swat-Tal, das Teil der Provinz ist, hatten islamistische Extremisten während ihrer Herrschaft zwischen 2007 und 2009 über 750 Schulen zerstört. Diesen Beitrag weiterlesen »

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10
Okt

Neuer Lieblingsort: Entdeckt!

Von

Tatsächlich habe ich schon sehr früh einen neuen Lieblingsort hier in dieser großen Stadt gefunden. Die Leseratten unter uns verstehen somit auch, wenn ich euch sage, dass mein Ort des Wohlfühlens, des Sich-Zurückziehens und der puren Entspannung eine Buchhandlung ist. Doch etwa nicht eine ganz gewöhnliche Buchhandlung, NEIN! Es ist eine Buchhandlung inklusive Café….oder ist es eher ein Café inklusive Buchhandlung – Hmm, diese Frage der Perspektive überlasse ich dann jedem selber ;) .

Cafebreria El Péndulo

Cafebreria El Péndulo

Die Buchhandlung ist wirklich sehr schön dekoriert und die Sitzplätze aus den gemütlichsten Sofas der Welt gemacht. Das ganze erstreckt sich über Erdgeschoss und eine Etage, dennoch groß und verwinkelt genug, sodass man einigermaßen anonym bleibt und vor allem, sodass man das Gefühl hat, seine Privatsphäre zu haben. Zudem gibt es dort zwei Außenbereiche: ein Teil des Cafés ist auf der Terrasse und ein anderer wiederum auf einem kleinen, aber feinen Balkon. Diesen Beitrag weiterlesen »

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9
Okt

Ein besonderes Abendessen in Thailand

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Noch in Sportklamotten und mit einem Handtuch um die Schultern lief uns der Englischlehrer entgegen. Er käme gerade aus dem Kraftraum. Von der Arbeit kannten Barbara und ich den Pakistaner nur perfekt gekleidet im Anzug. Doch dies war eine private Einladung zum Abendessen. Wir sollten uns wie Zuhause fühlen.

Trotzdem war ich erst mal geschockt als ich seine Bleibe betrat. Der Englischlehrer lebt zusammen mit seinen zwei Freunden, die mit ihm aus Pakistan geflohen sind, in einem Zimmer. In dem Zimmer stehen nur ein Bett, ein Kühlschrank und ein Kleiderschrank, auf dem drei große Koffer, noch mit dem Flugkleber versehen, dicht nebeneinander liegen. Diesen Beitrag weiterlesen »

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8
Okt

Ebola-Epidemie: Sorge um die Kinder

Von

Tag 4: (…) Das Gelände des katholischen St. Joseph Krankenhaus ist verwaist. Es ist ein 140-Betten-Krankenhaus an der küstennahen Hauptstraße, zentral gelegen. 2013 wurden hier 34.000 Patienten in der Sprechstunde versorgt, 7400 wurden in der Notfallaufnahme behandelt und 1300 Frauen entbunden. Dann brach Ebola aus.

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Im St. Joseph Krankenhaus wird die Arbeit wieder aufgenommen. Fotos: Klemens Ochel.

Daran gestorben sind der Direktor, der Klinik-Kaplan und eine Krankenschwester. Überwältigt von den Ereignissen entschlossen sich die Barmherzigen Brüder, die das Krankenhaus betreiben, die Einrichtung zu schließen. Es gab weitere Fälle im Hospital. Zwei Mitarbeiter, die an Ebola erkrankt sind, haben überlebt. Es sind der Chirurg und der Kinderarzt, die es geschaft haben. “Diese Krankheit wünsche ich keinem,” sagt der eine. Sein Kollege ergänzt, “Es ist unerträglich gewesen in der Todesangst keinen Kontakt zu anderen Menschen haben zu können.” Beide sind überzeugt, dass sie überlebt haben, weil sie sich in ein Behandlungszentrum begeben haben. “Gott sei Dank gibt es jetzt langsam mehr solcher Zentren, von denen aber auch eine aktive Fallsuche ausgehen muss, wenn sie wirklich einen Einfluss auf den Verlauf der Epidemie haben sollen”. Die beiden Kollegen sind heute die treibenden Kräfte für die Wiedereröffnung des katholischen Hospitals.

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6
Okt

Ebola-Epidemie in Liberia: no touch!

Von

Dr. Klemens Ochel vom Missionsärztlichen Institut in Würzburg ist nach Liberia gereist, um die einheimischen Partnerorganisationen von Misereor im Kampf gegen das Ebola-Virus zu unterstützen. In unserem Blog berichtet er von seinen Erlebnissen.

Quelle: Klemens Ochel

Das westafrikanische Land Liberia ist neben Guinea und Sierra Leone am schwersten von der Ebola- Epidemie betroffen. Fotos: Klemens Ochel

Tag 1:  (…) Bei der Sicherheitskontrolle in Frankfurt wird meine Flasche mit Händedesinfektionsmittel beanstandet: 150ml statt der erlaubten 100 ml. Als ich aber sage, dass ich nach Liberia reise, wird die Sicherheitsbeamtin freundlich und sagt, “hoffentlich kriegt man die Epidemie bald in den Griff.” Dazu wird mein Fläschchen jedoch nicht ausreichen.

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3
Okt

Ab ins Wasser!

Von

Auf dem Wasser glitzert die Sonne, am Strand buddeln die Kinder im Sand und auf den Hängen rundherum sprießen grüne Pflanzen. Der 2650 Quadratkilometer große Kivusee, der die Grenze zwischen Ruanda und dem Kongo bildet, lädt mit seinem wunderbar warmen Wasser und dem seichten Wellengang eindeutig zum Baden ein! Und doch sieht man nur selten Menschen im tieferem Wasser. Der Grund dafür: Viele können nicht schwimmen. Springt man in den See, ist man deshalb sofort umringt von einer Kinderschar, die einem begeistert beim Schwimmen zuschaut. “Zeigst du mir, wie das geht?”, fragt mich ein Junge und zeigt aufgeregt auf den See hinaus.

IMG_0187Und tatsächlich haben mein Mitfreiwilliger David und ich genau das vor: Schwimmkurse geben. Auch Mupenzi, der bei Vision Jeunesse Nouvelle für den Sport zuständig ist, findet die Idee gut. Diesen Beitrag weiterlesen »

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