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Kein Patent auf Leben

MISEREOR initiiert globalen Aufruf gegen Patente auf Pflanzen und Tiere

Das internationale Patentrecht wurde in den letzten Jahren folgenreich verändert. Galt die Natur früher als Teil des Lebens und nicht als Erfindung einzelner Forscher, können seit einigen Jahren auch gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere sowie ihre Teile und Gene patentiert werden. MISEREOR ruft in einem internationalen Bündnis aus Bauernverbänden sowie Umwelt- und Entwicklungshilfeorganisationen zum Protest gegen Patente auf konventionell gezüchtete Tiere und Pflanzen auf:

„Dieser beängstigende Trend in der Patent-Politik wird viel mehr Landwirte und Züchter betreffen, als es bei den Gentechnik-Patenten der Fall ist. Überall werden die Rechte von Landwirten und Züchtern auf Pflanzensorten und Tierzucht verschwinden. Diese Patente werden das traditionelle Gefüge der Rechte und Privilegien der Bauern und Züchter zerstören, das entscheidend ist für die Nahrungsmittelsouveränität und den Erhalt der Arten- und Sortenvielfalt in der Landwirtschaft. Der größte Teil der Landwirte in den Entwicklungsländern sind Kleinbauern, die vollständig darauf angewiesen sind, ihr eigenes Saatgut zu züchten und zu tauschen.“

 

Wir, die unterzeichnenden Bauern, Forscher, Züchter und bürgerlichen Organisationen aus der ganzen Welt setzen uns dafür ein, dass keine Patente auf das Leben vergeben werden; wir fordern Politiker und Patentämter auf, keine Patente zu vergeben für konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere oder für Erbgut-Abschnitte, die in konventionellen Züchtungsmethoden verwendet werden. Wir fordern die Saatgut-Industrie auf, keine derartigen Patente anzumelden.

Die großen Agrarkonzerne versuchen, sich möglichst viele Rechte an Nutzpflanzen zu verschaffen, die entweder landwirtschaftlich oder pharmazeutisch von kommerziellem Interesse sind. Diese Entwicklung ist sowohl für die biologische Vielfalt als auch für die Ernährungssicherheit höchst bedenklich. Denn die Patente auf Leben führen zu einer zunehmenden Kontrolle weniger Konzerne über die Grundnahrungsmittel der Menschheit.

"Entwicklungspolitik wird untergraben"

MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Josef Sayer: "Die Patentierung von Pflanzensorten wird die Verarmung der Kleinbauern in den Entwicklungsländern weiter vorantreiben. Wenn die europäischen Staaten das bestehende Patentsystem weiter unterstützen, untergraben sie ihre eigene Entwicklungspolitik.
MISEREOR will gemeinsam mit Partnerorganisationen in Nord und Süd einen Ausschluss von Patenten auf Leben durchsetzen, weil wir darin Gefahren für die Welternährung sehen. Dies tun wir aus einem ethisch-christlichen Hintergrund: Die Erde ist ein gemeinsames Erbe, dessen Früchte allen zukommen sollen. Gott hat die Erde mit allem, was sie enthält, zum Nutzen aller Menschen und Völker bestimmt. Nahrung ist nicht ein Konsumartikel oder irgendein Produkt: Nahrung ist und bedeutet Leben."

Hintergrund

Mehr über die Hintergründe zu Patenten auf Schweine, Zuchtmethoden und neue Entwicklungen im Patentrecht. Lesen Sie die Studie "Saatgut und Lebensmittel"(pdf, 596 KB)

Kontoinformationen
Konto 10 10 10 MISEREOR
BLZ 370 601 93 PAX-Bank

Diskussion im Europaparlament

Am 8.Februar findet im europäischen Parlament ein runder Tisch zum Thema Patente auf Leben statt. mehr zur Veranstaltung

(pdf, 150 KB)

"Das Saatgutkartell auf dem Vormarsch"

Studie der internationalen Koalition "No Patents On Seeds" zu Patent-anmeldungen und Patent-erteilungen im Bereich der Pflanzen- und Tierzucht im Jahr 2010.
Zur Studie (März 2011)
(pdf, 700 KB)

No patents on seeds

Hier finden Sie einen offenen Brief an die Mitglieder des Europäischen Parlaments und weitere Infos :
www.no-patents-on-seeds.org

Mehr

Hauptargumente und Stimmen gegen Patente auf Nutzpflanzen (pdf, 90 KB) Zusammengetragen von EvB und Swissaid

Wer erfindet Pflanzen und Tiere? Zum Konflikt um Patente auf Lebewesen: Eine Stellungnahme von ILD und Katholischer Landvolkbewegung

Neue Melonenpflanzen - ein Patent von Syngenta (pdf, 45 KB)
Detail-Infos zum Patent EP1587933 veröffentlicht von EvB und Swissaid

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Kontakt

Kerstin Lanje
Entwicklungspolitik
Tel.: 0241 442 561