Spielzeughersteller und ihre Verbände sind für öffentlichen Druck sehr empfindlich: Als britische Nichtregierungsorganisationen 1995 eine breit angelegte Kampagne über Arbeitsbedingungen in der asiatischen Spielzeugindustrie vorbereiteten, reagierte der "Britische Verband der Spielwarenindustrie" mit einem Verhaltenskodex, der allerdings zunächst nicht viel mehr als eine unverbindliche Absichtserklärung war.
Immer mehr Spielzeughersteller, aber auch große Handelshäuser wie Otto, KarstadtQuelle u.a., formulierten seitdem ihre eigenen Verhaltenskodizes, die sich in vielen Punkten ähneln. Konsequenz: Manche größeren Spielzeughersteller in China werden von Prüfern ihrer Auftraggeber mehrfach im Jahr auf ihre Arbeitsbedingungen hin untersucht. Auch die Verbände der Spielzeugindustrie versuchten, Mindeststandards für die weltweite Spielzeugproduktion zu formulieren - kein leichtes Unterfangen, wenn man so unterschiedliche Interessen wie die der amerikanisch-europäischen Markenhersteller und die ihrer Hongkong-chinesischen, koreanischen und taiwanesischen Lieferanten zu berücksichtigen hat. Nach langen Diskussionen einigten sich die großen Spielzeugindustrieverbände, die im International Council of Toy Industries / ICTI (Internationaler Rat der Spielzeugindustrien) zusammen geschlossen sind, im Jahr 2001 auf einen gemeinsamen Verhaltenskodex, der zum globalen Sozialstandard der Branche werden soll.
ICTI entwickelt derzeit ein Verfahren für eine systematische Überprüfung von Spielzeugfirmen nach den Standards des ICTI-Kodexes. Ein wesentliches Element ist die Prüfung durch professionelle externe Auditoren, die von ICTI anerkannt werden müssen. Festgestellte Verletzungen des ICTI-Kodexes sollen nicht sofort zur Beendigung von Geschäftsbeziehungen führen, sondern Anstoß für die erforderlichen Verbesserungen sein, um die Mindeststandards zu erreichen. Den Standards im Kodex entsprechen in einem so genannten "Guidance Document" festgehaltene detaillierte Prüfkriterien.
Nach Verabschiedung des ICTI-Kodexes erklärte David Hawtin, Generaldirektor des britischen Verbandes und neugewählter ICTI-Präsident, im Juni 2001: "Die Verabschiedung dieses neuen Kodexes ist ein Zeichen für die Selbstverpflichtung der weltweiten Spielzeugindustrie, den Schutz der Arbeiterinnen und Arbeiter künftig in aller Welt sicher zu stellen."
Dieser ICTI-Kodex und seine umfangreichen Prüfstandards sprechen die zentralen Probleme in der asiatischen, vor allem chinesischen Spielzeugindustrie an: die überlangen Arbeitszeiten während der Hochsaison (Mai bis September), die Zahlung der gesetzlichen Mindestlöhne, die Verweigerung gesetzlich vorgeschriebener Sozialleistungen, die Unterdrückung freier Arbeitnehmerinteressenvertretung und die vielen Aspekte von Arbeitssicherheit-, -gesundheit und der Unterbringung der Beschäftigten. Wenn die Einhaltung der Arbeits- und Sozialstandards des ICTI-Kodexes durch ihre Lieferanten von einer größeren Gruppe westlicher Spielzeughersteller verlangt würde, gäbe es die meisten Probleme in der asiatischen Spielzeugindustrie wohl nicht mehr (in dem heutigen Ausmaß). Bisher haben sich aber nur wenige Firmen /wie z.B. Zapf) den ICTI-Kodex zu eigen gemacht und mit seiner Umsetzung begonnen. "Dieser Kodex muss jetzt in das Bewusstsein der Spielwarenhersteller rücken und diese dafür sensibilisieren. ... Der ICTI Code of Business Practices ist nur dann sinn- und wirkungsvoll, wenn die Einhaltung des Kodex auch überprüft wird. ... Mittel- bis langfristig kann die internationale Spielwarenbranche deutlich stärkeren Druck bei den Zuliefern ausüben und dadurch zunehmend höhere und bessere Standards bei der Produktion durchsetzen." (Christian Ewert / Chief Operation Officer - Zapf-Creation)
Die Träger der Aktion "fair spielt" fordern deshalb in ihren Aktionen deutsche und ausländische Spielwarenhersteller auf, in einer transparenten und deshalb glaubwürdigen Weise den ICTI-Kodex umzusetzen und zu überprüfen. Sie nehmen die Spielzeugindustrie beim Wort, dass sie - wie es in der Präambel des ICTI-Kodexes heißt - die Spielzeugproduktion in einer gesetzeskonformen, sicheren und gesundheitsverträglichen Weise gestalten wollen. Diese Absichtserklärung ist nur in dem Maße glaubwürdig, wie sie die Arbeitsbedingungen in China und an anderen Standorten der Spielzeugproduktion zum Besseren verändert. Dies ist der Maßstab, an dem man die Spielzeugindustrie messen muss.
Transparenz
Ohne Transparenz, ohne Nachprüfbarkeit gibt es keine Glaubwürdigkeit. Es gibt viele Spielzeughersteller, die von sich behaupten, einen bestimmten Verhaltenskodex in ihrer internationalen Geschäftspraxis umzusetzen und zu kontrollieren. Meistens erfährt man nichts darüber, wie das geschieht, welche Ergebnisse die Prüfungen erbracht haben und welche Konsequenzen gezogen wurden. Viele Firmen meinen immer noch, dass der Verweis auf eigenes deutsches Personal, das gelegentlich die Fabriken der Zulieferer vor allem zum Zweck der Qualitätskontrolle besuche, ausreicht, um Kunden zu beruhigen, dass man in Bezug auf die Arbeitsbedingungen "alles im Griff habe". Es hat so viele Behauptungen über angebliche gute oder "akzeptable" Arbeitsbedingungen bei Lieferanten der Spielwarenindustrie gegeben, die sich als unhaltbar herausgestellt haben, dass es keinen Grund mehr gibt, weiteren Behauptungen Glauben zu schenken. Glaubwürdigkeit für ihre Bemühungen um bessere Arbeitsbedingungen in den eigenen Fabriken oder denen der Lieferanten können Spielzeughersteller nur gewinnen, wenn sie bereit sind Auskunft zu geben über ihren Verhaltenskodex, seine Prüfkriterien und das Prüfverfahren die Ergebnisse der Prüfungen der Arbeitsbedingungen und die konkreten Schritte, die unternommen wurden / werden, um dieaufgedeckten Missstände zu überwinden. Diese Informationen sollten einem interessierten Publikum auf der Website des Unternehmens, sofern vorhanden, im Jahresbericht und auf Anfrage vom Kundenservice zur Verfügung gestellt werden.
Beteiligung der Beschäftigten
Die Träger der Aktion "fair spielt" halten eine wesentlich stärkere Beteiligung der Beschäftigten selbst in der Kontrolle der Arbeitsbedingungen für notwendig. Die Arbeiter und Arbeiterinnen in den Betrieben sind die wahren Experten für ihre eigenen Arbeitsbedingungen. Sie wissen am besten, was faul ist, und sie haben auch oft genaue Vorstellungen davon, was als erstes geändert werden müsste. Bisher werden bestenfalls einzelne Beschäftigte bei Audits, d.h. Kontrollen eines Verhaltenskodexes, interviewt. Oft halten sich die Beschäftigten aber mit kritischen Äußerungen zurück, weil sie Druck durch den Arbeitgeber befürchten. Der Aufbau einer organisierten Interessensvertretung der Beschäftigten ist der erste Schritt zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen ist. Noch sind freie Gewerkschaften in China oder in anderen asiatischen Produktionsländern verboten oder werden in ihrer Tätigkeit behindert. Aber andere Formen der Vertretung von Arbeitnehmerinteressen sind selbst in China zulässig. Es gibt Spielräume - es kommt darauf an, sie zu nutzen.
"Langer Anlauf - doch zu kurz gesprungen"
Diskussionspapier der Aktion "fair spielt" zum ICTI CARE-Prozess
Antwort der Aktion fair spielt auf die Stellungnahme der ICTI CARE Foundation zum Diskussionspapier der Aktion fair spielt. Zur Stellungnahme
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www.fair-spielt.de
Katholische und Evangelische Kirche und Aktion fair spielt fordern den Internationalen Spielwarenverband zur Durchsetzung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen auf. Hintergrundpapier