
Im Rahmen der Kampagne "Erlassjahr 2000 - Entwicklung braucht Entschuldung" setzt sich MISEREOR dafür ein, dass die untragbaren Schulden der hoch verschuldeten armen Länder erlassen werden.
Dabei geht es uns um einen qualifizierten Schuldenerlass. Mit dem frei werdenden Geld sollen Projekte für die Armen, z.B. im Gesundheits- und Bildungsbereich, durchgeführt werden. Die Auslandsverschuldung vieler armer Länder des Südens hat besonders für die Armen gravierende Folgen. Sie zahlen mit dem Verlust ihrer Menschenwürde für Schulden, die sie nicht gemacht haben und von denen sie nur selten profitiert haben.
Die Kampagne wird mittlerweile von rund 1.800 Organisationen mitgetragen. 1999 hat sie schon bedeutende Erfolge errungen. Weltweit wurden fast 20 Millionen Unterschriften für einen Schuldenerlass gesammelt. Beim G7-Gipfel in Köln wurden sie Bundeskanzler Gerhard Schröder im Rahmen einer beeindruckenden Menschenkette rund um die Kölner Innenstadt übergeben. Und nicht zuletzt die Kampagne wird die Regierungschefs bewogen haben, beim G7-Gipfel einen Schuldenerlass in Höhe von 70 Milliarden US-Dollar zu versprechen. Lange nicht genug, aber ein wichtiger Meilenstein hin zu einer nachhaltigen Lösung des Schuldenproblems.

Die internationalen Gläubiger haben im September 1999 auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Washington weitere Schritte in Richtung auf eine substantielle Entlastung der ärmsten Länder unternommen. Es wurden erste wichtige Maßnahmen vereinbart, die zu einer Umsetzung der im Juni beim Weltwirtschaftsgipfel in Köln gefassten Beschlüsse führen können. So konnte die Finanzierung des in Köln beschlossenen Erlasses im Gesamtumfang von rund 70 Mrd. US-Dollar für die 41 armen und hochverschuldeten Länder (HIPC-Länder) zumindest für die nächsten Haushaltsjahre abgesichert werden.
Nicht zu unterschätzen für den zukünftigen Umgang mit den Schuldnerländern ist zudem die Verknüpfung von Schuldenerlassen und Armutsbekämpfung. Der in Washington vorgestellte "Erweiterte Handlungsrahmen zur Armutsbekämpfung" ist ein großer Fortschritt gegenüber den vagen Versprechungen der Vergangenheit, da hier konkrete Ziele und Zeiträume genannt werden. Papier ist geduldig. Die Kampagne überprüft daher die Umsetzung der gemachten Versprechen. Außerdem reichen die geplanten Maßnahmen noch lange nicht aus. Wir brauchen in den internationalen Finanzbeziehungen einen fairen Interessenausgleich zwischen Schuldnern und Gläubigern zugunsten der Ärmsten.