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Endlich Lernen - Die Müllkinder von Kalkutta

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Fastenaktionsprojekt Kalkutta 2012
Im Trainingszentrum Tijala lernen jungen Frauen, wie man Gewürzmischungen herstellt und verpackt.

Bedächtig schüttet die 16-jährige Soni Khatun die zerkleinerten Nelkenstücke in große Schüsseln. Die Blüten bilden die letzte Zutat für die duftende Gewürzmischung, die das Mädchen heute herstellen möchte. Seit zwei Jahren arbeitet Soni zusammen mit anderen Frauen und Mädchen aus den Elendsvierteln von Kalkutta in der kleinen Gewürzmanufaktur der indischen Hilfsorganisation für Müllsammlerfamilien Tiljala SHED. Wenn die junge Frau an ihre Kindheit zurückdenkt, wird ihr Blick traurig. Schon mit fünf Jahren musste sie auf der Straße und den Müllkippen nach Verwertbarem suchen – wie ihre Geschwister. Das Sammelgut verkauften sie dann an Zwischenhändler, die ihnen ein paar Rupien dafür gaben. Anders hätte die Familie in den Elendsvierteln von Kalkutta nicht überleben können. „Ich dachte immer, ich bin nicht mehr wert als der Müll, auf dem ich arbeite“, erinnert sich Soni.

Ein Leben im Müll

Fastenaktionsprojekt 2012 Kalkutta
Wühlen nach etwas wiederverwertbarem im Müll: Alltag für die kleinen Müllsammler

Nach UNICEF-Angaben müssen heute rund 190 Millionen Kinder zwischen fünf und 14 Jahren arbeiten, die meisten von ihnen in der Landwirtschaft, in Werkstätten und Steinbrüchen sowie als Straßenverkäufer oder Dienstmädchen. Auf der Suche nach Überlebensmöglichkeiten sind in der Millionenmetropole Kalkutta zahlreiche Kinder Tag für Tag als Müllsammler und Resteverwerter auf stinkenden Abfallbergen unterwegs. Sie sammeln alles, was irgendwie wiederverwertbar ist: Glas, Papier, Plastik, Aluminium, Textilreste und geben ihr Sammelgut an Wiederverkäufer weiter. Meist bekommen sie für Stunden harter und gesundheitsgefährdender Arbeit nur ein paar Cents. Die Arbeitsbedingungen der jungen Müllsammler und Müllsammlerinnen sind in der Regel miserabel. Es gibt weder Arbeitskleidung, noch feste Schuhe oder Mundschutz für sie. Verletzungen und Schnittwunden und der Umgang mit gesundheitsgefährdenden Stoffen gehören zu ihrem Arbeitsalltag. „Die Müllsammler tragen erheblich dazu bei, unsere Städte sauber zu halten. Das wird aber nicht anerkannt“, sagt der Direktor von Tiljala SHED, Herr Alamgir. „Stattdessen werden sie von der Gesellschaft wie Diebe und Ausgestoßene behandelt, und ihnen werden grundlegende Bürgerrechte vorenthalten.“ Auch die 16-jährige Soni wurde beim Müllsammeln täglich beschimpft, beleidigt, und es wurde ihr Gewalt angedroht. Das Mädchen wurde immer öfter krank. Es war zutiefst verunsichert und deprimiert.

Einen Weg aus dem Elend finden

Fastenaktionsprojekt 2012 Kalkutta
Endlich lernen. Ein Ausweg aus der Zukunft im Müll.

Das Rehabilitations- und Bildungsprogramm von Tiljala SHED bot der jungen Frau einen Ausweg aus dem Teufelskreis aus Kinderarbeit, fehlender Bildung und Depression. Soni konnte ihre Grundschulbildung nachholen und im Trainingszentrum lernte sie, wie man Gewürze mischt und verkaufsfertig verpackt. Heute verdient sie mit dem Verkauf der Gewürzmischungen an private Haushalte und Hotels umgerechnet 1,20 Euro am Tag – in Indien eine Menge Geld. Neben Soni profitieren noch viele weitere Müllsammlerfamilien von der Arbeit, die Herr Alamgir und sein Team aus Ärzten, Sozialarbeitern und Lehrern leisten. Das von MISEREOR unterstütze Programm hat in den letzten Jahren mehr als 300 Familien aus den Slumgebieten Topsia, Park Circus und Tangra zu zusätzlichem Einkommen und Know How für die Bewältigung ihres schwierigen Alltags verholfen.

Unermüdliche Energie für neue Projekte und Initiativen

Fastenaktionsprojekt 2012 - Kalkutta
Das Schicksal der müllsammelnden Kinder liegt ihm besonders am Herzen. Herr Alamir, Gründer der Organisation Tiljala SHED.

„Jetzt müssen wir handeln, morgen kann es zu spät sein“
Herr Alamgir, Leiter von Tiljala SHED

Von berufsbildenden Trainings in Müllvermarktung, Recycling und Mikro-Unternehmertum über Kleinkredite zur Existenzgründung bis hin zu Bildungsarbeit und medizinischer Versorgung – die Angebote, mit denen die Organisation die Menschen unterstützt, sind vielseitig und werden stetig erweitert. „Tomorrow is too late – nein, fast heute schon kann es für viele zu spät sein!“, erklärt Herr Alamgir seine Motivation, aus der heraus er die Organisation Tiljala SHED vor vielen Jahren ins Leben gerufen hat.Er selbst ist in einem Elendsviertel von Kalkutta aufgewachsen und weiß, wovon er spricht. Besonders das Schicksal der müllsammelnden Kinder liegt ihm am Herzen. Aus diesem Grund legt Tiljala SHED ein Hauptaugenmerk auf die nicht formale Bildung für müllsammelnde Kinder und ihre Einschulung in staatliche Schulen. Viele der Kinderarbeiter aus ärmsten Verhältnissen haben nie eine Schule besucht. Neben der harten Arbeit auf der Straße blieb dafür keine Zeit. In der informellen Schule der Vereinigung für Müllsammlerinnen und Müllsammler wird Überbrückungsunterricht angeboten, der sie fit machen soll für den Wechsel in Regelschulen. Zurzeit sind es 400 Kinder, die durch das Unterrichtsangebot von Tiljala SHED gezielt gefördert werden. 77 Kinder haben im letzten Jahr den Wechsel in die formale Schulbildung geschafft. Zukünftig möchte Herr Alamgir auf diese Erfolge aufbauen: „Egal ob in Gesundheit, Hygiene oder Ernährungsfragen oder bei unseren kreativen und sozialen Freizeitaktivitäten, im Mittelpunkt der Angebote unseres neuen Trainingszentrums werden auch in Zukunft Frauen, Kinder und jugendliche Müllsammler stehen.“

Kontoinformationen
Konto 10 10 10 MISEREOR
BLZ 370 601 93 PAX-Bank

So hilft Ihre Spende

7,50 Euro kosten Handschuhe und Schuhe für ein Müllsammelkind

70 Euro kostet ein neues Fahrrad mit Karren, mit dem ein Müllsammler Wertstoffe aus der Stadt transportieren kann und nicht mehr auf die gefährliche Arbeit auf der Müllkippe angewiesen ist.

100 Euro kostet die monatliche Rechtsberatung von Familien, die aus ihrer
Wohnung in den Elendsvierteln vertrieben werden.

480 Euro kostet ein Jahresgehalt für eine Lehrerin

MISEREOR-Zusage:
120.000 €

Leben vom Müll der Anderen

Die Elendsviertel von Kalkutta sind Heimat von Millionen Menschen. Die Müllsammler gehören zu den Ärmsten der Armen.
Ein Film zur ZDF-Spendengala 2008

 MISEREOR-Partner ...

  • unterstützen die Müllsammlerinnen- und Müllsammler-Vereinigung, die selbstständig die Sammlung und den Verkauf von Recycling-Material organisiert
  • bieten Förder- und Bildungsprogramme für Straßenkinder und Müllsammler
    verstehen sich als Sprachrohr der Armen bei der Stadtverwaltung von Kalkutta und gegenüber der Öffentlichkeit
  • stellen Müll sammelnden Frauen und Mädchen Kleinkredite zur Existenzgründung zur Verfügung
  • behandeln in einer Gesundheitsstation täglich hunderte von Menschen aus den Elendsvierteln von Kalkutta
  • betreiben eine informelle Schule für Straßenkinder

Die Müllkinder von Kalkutta

Die Müllkinder von Kalkutta

Harter Alltag. Auch in der Regenzeit sind die Müllkinder tätig.

... in Kalkutta:

Die Tiljala Society for Human & Educational Development in Kalkutta, kurz: Tiljala SHED genannt, hat sich vorgenommen, die Lebensbedingungen der  Müllsammlerfamilien zu verbessern. Seit 1993 arbeitet der MISEREOR-Projektpartner in den Slums von Kalkutta mit Förder- und Bildungsprogrammen für Straßenkinder und Müllsammlerinnen. Ziel der Aufklärungs- und Bildungsprogramme von Tiljala SHED ist es, diesen Bevölkerungsgruppen gesellschaftliche Akzeptanz zu verschaffen. Das soll durch Zugang zu Schulbildung, durch berufsbildende Maßnahmen und Einkommen schaffende Aktivitäten sowie durch intensive Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit erreicht werden. Seit 1998 wird die Organisation von MISEREOR unterstützt.

Mehr über das Projekt

Ausführliche Projektbeschreibung (pdf, 214 KB)